Verein Münchner Sportjournalisten
Verein Münchner Sportjournalisten

Ansichtssache

 

 

 

 

Wolfgang Uhrig (75) schreibt für das Internetportal des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS) die Kolumne "Ansichtssache". Uhrig war Chefredakteur des Kicker, er produziert die OSB-Stand-

ardwerke zu Olympischen Spielen. Uhrig lebt in Vaterstetten.

Medizynisches

Jetzt also „Kompressionssyndrom“. Eine schmerzhafte Sache, über die Felix Neureuther kürzlich bei der Ski-WM in St. Moritz klagte. Es ging hier aber nicht um Neureuthers Dienst-Audi, sondern um eine „Muskelverhärtung im Bereich der Lendenwirbelsäule“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ dazu erklärend meldete. Lapidar stellte „Bild“ im typi-

schen Neu-Sprech fest: „Neureuther hat Rücken.“

Letztes Jahr litt Neureuther an einer „Nekrose, die mich befallen hat“. Das sei „ein klei-

nes Scheißding“, sagte er und schob nach: „Die Nekrose ist das Aussterben einzelner Zellen oder sogar Glieder am lebenden Organismus. Das ist etwas, was häufiger bei älteren Frauen vorkommt - und genau so habe ich mich auch gefühlt.“

Es lebe der Sport - als ein Spielfeld für Spekulationen.

So stand in der Zeitung, die schöne Tennisspielerin Maria Scharapowa müsse ihr

Comeback verschieben - wegen einer „Bursitis calarea“. Das mag für manche klingen wie ein Gruß aus der italienischen Küche. Doch dahinter steckt „eine Schleimbeutel-

entzündung an der Schulter, ein Phänomen, das im Tennis häufig auftritt,“ zitiert die Nachrichtenagentur SID einen Facharzt.

Den braucht es nicht zur Erklärung bei einem „Kreuzbandriss“, dem „Unterschenkel-

bruch“ oder der „ausgekugelten Schulter“. Da schmerzt schon das Zuhören, und jeder weiß, wo es weh tut. Für den Laien wohl auch nachvollziehbar ist die „Splitterung am Innenmeniskus“ oder ein „Muskelfaserriss“. Nichts erklären muss man, wenn sich jemand „herumschlagen muss mit einer langwierigen Angina“.

Nun ist es inzwischen so, dass an die Stelle von solch vertrauten Befunden ständig neue Zipperleins treten, von denen man null Ahnung hat. Klagte früher etwa jemand über die „weiche Leiste“, ein reißendes Band, das „Syndesmose" heißt oder die schme-

rzende "Patella-Sehne" ? Allein die Tatsache, dass man eine Sehne besitzt, die so ei-

nen klangvollen Namen hat wie ein italienischer Libero oder wenigstens ein römischer Tenor, wäre einst einem kernigen Fußballer wie Briegel suspekt vorgekommen - dieser Haudegen wäre beleidigt gewesen, hätte man ihm eine „weiche Leiste" unterstellt ... !

Und immer wieder ist von „Adduktoren“ die Rede. Da hat sich keiner verhört, von wegen bevorzugte A-Doktoren. Es handelt sich bei Adduktoren auch nicht um Chips für Com-

puter oder Kupferspulen für Elektroden, sondern um irgendwelche Sehnen. Wenn man nicht aufpasst, dann reißen sie an oder ab, die Adduktoren, besonders oft bei Fuß-

ballern.

Der Leichtathlet Frank Busemann musste einst mal pausieren - wegen „nervaler Fehl-

ansteuerung“. Der Olympiazweite damals zu Journalisten: „Die Befehle, die mein Gehirn aussendete, verirrten sich in Nebenbahnen, sie kamen in falschen Muskeln an und es zuckte nicht, wo es hätte zucken müssen.“ Busemann lächelte dabei, was er sagte, klang ja auch medizynisch.

Neulich wurde der Bayern-Spieler Javi Martinez operiert, in „Bild“ stand: „wegen freier Gelenkkörper" am rechten Knöchelgelenk. Womit wir wieder nah dran sind an der Syn-

desmose. Dazu der Hausarzt: „Das ist eine Bandstruktur zwischen Schien- und Waden-

bein. In Knöchelhöhe befindet sich ein vorderes, ein hinteres und ein quer verlaufendes Band."

So weit das Neueste aus dem Knöchelverzeichnis.

"Passt schon !"

VON WOLFGANG UHRIG

(18. November 2016) - Weil er mit 19 unter den Waggon eines Zuges gerät, verliert er den rechten Arm und vier Finger der linken Hand. Doch Gerd Schönfelder hadert nicht - heute ist er Deutschlands er-

folgreichster Behindertensportler aller Zeiten. Als alpiner Skifahrer mit 16-mal Gold bei den Paralympics und 14-mal Gold bei Weltmei-

sterschaften.

Ein beeindruckender Weg, den Detlef Vetten dem stern als Story angeboten hatte. Doch der Chef erklärt dem Journalisten: "Wissen Sie, wir haben im Augenblick so viele traurige Geschichten - und der Mann ist schließlich behindert." Auch Bosse dürfen mal Unsinn reden, sagt sich Vetten, und schreibt die Geschichte trotzdem: als Buch, unter der Überschrift "Der Sieger. Das Leben des Gerd Schönfelder" (Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 19.90 Euro).

Nicht nur ein Leben, sondern zwei Leben sind es, die hier über knapp 200 Seiten doku-

mentiert werden. Einmal Schönfelder als hoffnungsvolles Talent, das im alpinen Ski-

sport auf dem besten Weg ist zu großen Erfolgen. Dann Schönfelder im Kampf gegen sein Schicksal, zurückzuführen auf den 11.September 1989.
An diesem Tag will er in Hersbruck gegen 16 Uhr noch unbedingt den Regionalzug  nach Nürnberg erreichen. Kurz vor der Abfahrt, in allerletzter Sekunde, hetzt er zum Bahnsteig, springt zum anfahrenden Waggon, verheddert sich an einem Türgriff , stürzt in die Lücke zum Gleis - zehn Sekunden, in denen Schönfelder zu einem Krüppel wird.
Der mehrmalige VDS-Preisträger Vetten schildert mit großer Empathie Stunden der Angst vor dem Tod, danach die schweren Wochen, Monate und Jahre in ein anderes Leben. Ein quälender Marathon mit für Laien teils abenteuerlich anmutenden chirurgi-

schen Eingriffen. Ein Opfergang, den Gerd Schönfelder mit nie versagendem Optimis-

mus zurücklegt - oder um es mit seinem persönlichem Schlusswort im Buch zu sagen: "Passt schon !"

"Jahrhundertsportler"

(5. August 2016) - In unserer Verbandszeitschrift "sportjournalist" wurden kürzlich die neuen Mitglieder der "Ruhmeshalle des deutschen Sports" vorgestellt, neudeutsch: in der "Hall of Fame". Darunter Erich Kühnhackl, aufgeführt als "Eishockeyspieler des Jahrhun-

derts", Alexander Pusch, "Fechter des Jahrhunderts", Erhard Wunderlich, "Handballer des Jahrhunderts" ...

"Jahrhundertsportler", was für ein stolzer Beiname - wer hat wann und wie diesen präch-

tigen Titel eigentlich ins Leben gerufen?

Das war Jupp Suttner, Mitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS). Er hatte vor dem Januar 2000 die Idee zu einer Wahl "Sportler des Jahrhunderts" in Deutschland. Umgesetzt und veröffentlicht wurde die Aktion durch die Redaktion "kicker-sportmagazin".

Eine Erfindung mit Langzeitwirkung - so wie heute Kühnhackl und Co. tragen seitdem insgesamt 29 deutsche Sportler(innen) dieses Ausrufungszeichen vor sich her wie eine Monstranz, kaum einen öffentlichen Auftritt ohne dieses Adjektiv.

Suttner ließ damals eine Jury aus Sport und Medien abstimmen, zum Beispiel beim "Läu-

fer des Jahrhunderts" (Armin Hary) Walther Tröger (seinerzeit Präsident des Nationalen Olympischen Komitees), Klaus Wolfermann (Speerwurf-Olympiasieger), Steffen Haffner (Sportchef "Frankfurter Allgemeine Zeitung"), Gustav Schwenk (Leichtathletik-Experte), Heinz-Florian Ortel (TV-Kommentator der DDR) oder Wolfgang Uhrig (Chefredakteur "kicker-sportmagazin"). Es gab 29 Wahlen mit jeweils zehn Namens-Vorschlägen aus 19 Sportkategorien. Unter den knapp 300 Athletinnen und Athleten entschied die Prozent-

zahl der abgegebenen Stimmen.

In Frankreich hat einst Félix Lévitan von "L´Equipe" die "Tour de France" erfunden, der Kollege Jacques Goddet von "France Football" den "Goldenen Fußball", in Italien Euge-

nio Costamagna von der "Gazetta dello Sport" den "Giro d' Italia".

Nur mal so: Willkommen im Club, lieber Jupp!

Notnagel

VON WOLFGANG UHRIG

 

Neulich, in der 72.Minute der Relegation zur Zweiten Fußball-Bundesliga: Würzburgs Trainer Hollerbach nimmt gegen Duisburg den Spieler Kurzweg vom Platz, für ihn kommt der Spieler Nothnagel.

Einer kurz weg, der andere als Nagel in der Not - zwei Namen im Sinne des Wortes: Die Würzburger Kickers gewinnen nach 0:1 noch 2:1 und steigen auf in die Zweite Liga.

Namenswitze sind Journalisten ja eigentlich verboten. Das ist weniger eine Frage des Humors als eine Frage des Anstandes. Es gilt, die Würde eines Menschen zu schützen. Etwa wenn einer Fußballer ist und Holzfuß heißt, dafür natürlich nichts kann. Manche Namen aber haben die Aussage, dass darin ein Handeln zu erkennen ist: Adler fliegt

im Tor beim Hamburger SV, Nulle hält bei Carl Zeiss Jena den Laden dicht, Bollmann die Abwehr von Arminia Bielefeld, Ballweg heißt die Assistentin von Bundestrainerin Sylvia Neid, Goldmann ist der Trainer des Diskusriesen Harting und wie die Faust aufs Auge passt es bei den Klitschkos - sie tragen das k.o. im Namen.

Schneeloch war ein hoher deutscher Funktionär bei den letzten Olympischen Winter-

spielen, Goldmann ein Curler, Winterfeldt Reporter für die „Berliner Zeitung“. Im US-

Team standen die Snowboarder Arielle Gold und Taylor Gold. Gold aber hatten sie alle nur im Namen.

Die „Züricher Sonntagszeitung“ berichtete zu Sotschi über eine Schweizerin, die Olym-

pia Gold heißt. Diese Freizeitsportlerin sagte, Gold bei Olympia sei für sie nie ein Ziel gewissen, sie fahre lieber unbeschwert Ski, mit ihrem Bruder - und der heißt Silver Gold.

Neulich, bei den Übertragungen von der WM im Eiskunstlaufen auf Eurosport, schwebte ein bezaubernde Geschöpf über die Bildfläche, nomen fast omen: Gracie Gold - das US-Girl wurde im Endergebnis Vierte, im Kurzprogramm war sie Erste. Immerhin ein Notnagel.

Fuss-Note

VON WOLFGANG UHRIG

 

Einmal sagte im Fernsehen der Reporter Hans-Joachim R. über die Schweizer Eis-

kunstläuferin Karin Iten: „Wer als Zwiebel geboren ist, kann nicht wie eine Rose blü-

hen." Das fand der in der für seine Sprüche gefürchtete ARD-Mann wohl originell - und doch: was für eine grobe Beleidigung, Herr Kollege!

Dabei kann eine Metapher Freude bereiten. Auch im Fernsehen, wo Worte ja über-

flüssig sind - es sei denn, zum Unterrichten kommt Unterhaltung. Das kann auf Sky im Fußball passieren, wenn etwa der nette Herr Wasserzieher als Moderator vom Studio weitergibt ins Stadion und dann mit seinem verschmitztem Lächeln sagt: „Und nun viel Spaß mit ihrem Reporter Wolff Fuss ..."

Das ist dann kein leeres Versprechen. Als Darmstadt gegen Hannover den Ball nicht bespielte, sondern bearbeitet, spricht Fuß von „22 Spielern im Blaumann“, die auf dem Platz „Ausschuss produzieren“. „Ein Spiel ohne schweres Gerät“ ist dagegen Bayern gegen Wolfsburg, „das hat Temperatur“.

Gegen Sevilla hebt sich Mönchengladbach „in Fohlenstärke aus dem Sattel“, beim kränkelnden HSV leistet Bruno Labbadia „erste Hilfe“. Zur Wolfsburger Niederlage in Stuttgart sieht er beim Verein aus der Autostadt „erhöhte Immissionswerte - Wolfsburg hat aber Schlussphasenkompetenz“.

Zu einem schwachen Freistoß „segelt der Ball besinnlich vors Tor“, im Gegenzug landet ein „verbraucherfreundlicher Eckball“ im Strafraum, über dem „Geier kreisen“. Die „Ab-

wehr hat Öffnungszeiten“, Fehlpässe sind „Unebenheiten in der Sozialstruktur“.

Beim VMS-Mitglied Fuss brennt es nicht lichterloh, Trauben hängen nicht hoch, der Schalter muss nicht umgelegt werden - auch wird hier nie jemand beleidigt. Wer so lockig-flockig kommentiert, kriegt dann für pfiffige „Fuss-Noten“ auch mal einen Preis, wie den kürzlich durch eine Umfrage unter deutschen Spitzensportlern.

Übrigens: Der eingangs erwähnte Kollege R. bekam damals eine Zwiebel, überreicht von einem empörten Journalisten.

Marionette

VON WOLFGANG UHRIG

 

Als alles vorbei ist, da meint Lars Mrosko, er müsste jetzt eigentlich ein Buch schreiben. Über seine bewegten Jahre als Spielerberater: „Da würden die Leute staunen.“ Also setzt er sich an den Computer. Nach ein paar Seiten aber ist Schluss - „die Komma-

setzung nervte“ ...

So steht es auf Seite 328 im Buch, das es nun trotzdem gibt: „Mroskos Talente. Das er-

staunliche Leben eines Bundesligascouts", nacherzählt von Ronald Reng (426 Seiten, 20.00 Euro, Piper-Verlag, München).

Der Autor schildert spannend, pointiert mit feinsinnigem Humor den zurückliegenden Alltag des heute 38 Jahre alten Berliners, der dem Fußball verfallen war. Man liest von abenteuerlichen Szenen aus einer Welt, die so noch nie ausgeleuchtet wurde, von ei-

nem oft charakterlosen Geschäft, das unsereins eher verschlossen ist. Und mittendrin Lars Mrosko, der sich vorkommen muss wie eine Marionette.

Mrosko hatte mit zwanzig im Jahr 2000 den aktiven Fußball aufgeben müssen. Früh wird er Talentsucher für Bayern München, den FC St. Pauli und VfL Wolfsburg. Wie ein Besessener, ohne Rücksicht auf Privatleben und Gesundheit grast er Stadien ab, ana-

lysiert aus bis zu 30 Spielen pro Woche. Gestern Russland, heute Türkei, Tschechien, morgen Spanien, Frankreich.

Er gewinnt durch seine gradlinige Art, die kesse Berliner Schnauze - oder er verliert gegen Intrigen. Peter Hyballa wird zum Freund, Felix Magath ist wie ein väterlicher Partner, Lorenz-Günter Köstner schätzt ihn, Mirko Slomka enttäuscht ihn, Dieter Hoeneß piesackt ihn. Und immer wieder begegnet der Mensch Mrosko unter seiner vermeint-

lichen Hochglanzfolie Profi-Fußball „Arschgeigen“ ...

Der nicht nur im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) häufig prämierte Ronald Reng, Mitglied im Verein Münchner Sportjournalisten (VMS), hatte 2010 durch die Bio-

grafie über den Tormann Robert Enke einen Bestseller, 2014 vermittelte er zum 50.Ge-

burtstag der Fußball-Bundesliga mit Heinz Höher als Kronzeuge in „Spieltage“ Glanz und Elend eines Urgesteins. Und jetzt zeigt er am Fall Lars Mrosko wie die Leidenschaft für Fußball Leiden schafft.

Der neuer Reng, brillant - und bedrückend.

Uli Hoeneß - der Film

VON WOLFGANG UHRIG

 

Peter Bizer, Patrick Strasser, Juan Moreno, drei Bücher - und jetzt zwei Mal Fernsehen: Uli Hoeneß, der Film. Erst am 27.August im ZDF und am 8.September auf SAT.1. Bei den einen das Doku-Drama „Der Patriarch“, bei den anderen eher die Klamotte "Udo Honig - kein schlechter Mensch". Geschichten zum Aufstieg und Fall eines Mannes, der polarisiert, ein Fünf-Sterne-Thema.

Der Begriff „Patriarch“ passt irgendwie. Man mag ihn als „Stammesoberhaupt“, als „Familienvorstand“ oder auch als „Haustyrann" übersetzen. Im Griechischen bedeutet „pater“ Vater und „archein“ der Erste zu sein, herrschen zu wollen. An allem ist etwas dran, wie der ZDF-Film bei einer Pressevorführung im Bayerischen Hof in München eindrucksvoll dokumentiert.

Der Fall wird beileibe nicht zur griechischen Tragödie, doch sind diese 90 Minuten Uli Hoeneß' ein bewegendes Stück Zeitgeschichte. Ein Filmstoff, der unwiderstehlich anzieht. Und sicher werden trotz aller dargelegten kriminellen Machenschaften manche Fernsehzuschauer nach dem 27. August den Steuerbetrüger eher mögen als hassen.

Uli Hoeneß ist Thomas Thieme - ein hervorragender Darsteller! Schon diese Besetzung macht klar, wie sich der ZDF-Film unterscheidet von der in Hamburg vorgestellten SAT.1-Produktion mit Uwe Ochsenknecht . Bei ihm ist Hoeneß ein mächtiger und talkshowsicherer Fußballfunktionär. An der Börse ein Junkie des Geldes, der am Ende im Knast sogar den Gefängnisdirektor beraten darf. Ein bisschen zu viel klimbim …

Im ZDF kommen viele Zeitzeugen zu Wort, vom Sympathisanten Waldi Hartmann über Kritiker wie Manni Breuckmann oder Willi Lemke und einmal auch Dieter Hoeneß. Der Bruder spekuliert, dass Uli vielleicht schon im März wieder frei sein könnte. Er werde sich dann nicht zur Ruhe setzen, hat Hoeneß ja schon lautstark und kämpferisch verkündet: „Das war es noch nicht!“ Sein Nachspiel wird die Öffentlichkeit weiter beschäftigen.

Livehaftig

VON WOLFGANG UHRIG

 

Genug ist noch lange nicht genug. Und so will die Deutsche Fußball-Liga (DFL), dass ab der Saison 2017/18 am Montagabend auch zusätzlich noch die 1. Bundesliga stattfindet, außerdem am Sonntag ab 13.30 Uhr. Das heißt also nach Freitag am Abend, Samstag und Sonntag vom Mittag bis zum Abend, als Zugabe der Montagabend. Und danach weiter wie gehabt: Champions- und Euro-Leaguen, Länderspiele - volles Tab-

lett, volle Woche, volles Fernsehen.

Da sei jetzt mal kurz an den Berliner Erzbischof Heiner Koch erinnert, der den Segen zur Liga verweigert, weil diese Dauerberieselung "die Kommunikation in den Familien be-

einträchtigt". Oder an Rolf Krebs, Bruder im Glauben und Geiste, Rat der Evangeli-

schen Kirche im Rheinland: "Es kann verheerende Folgen für das Miteinander in den Familien haben, wenn Väter das Wochenende nur vor dem Fernseher sitzen." Er will "in Predigten und im Konfirmationsunterricht die Gemeinden für Fußballtotal sensibilisie-

ren".

"Eine Sportnation verödet" klagt die ZEIT. Weil das Fernsehen während der Sommer-

pause die Chance vertan habe, dem Zuschauer auch mehr anderen Sport anzubieten: "Doch was kommt im TV ? Frauen- und Nachwuchsfußball." Einmal sogar kurz auf zwei Kanälen gleichzeitig, in der ARD mit U21-EM, im ZDF Frauen-WM. Tage, auch Nächte lang, z.B. um fünf in der Früh bringt Sport1+ aus Mexiko Club America gegen Man-

chester United oder um drei nach Mitter-nacht das ZDF Frauen-WM, Schweiz gegen Kamerun, Vorrunde.

Alles livehaftig. Übrigens warnt auch das Gesundheitsamt vor Fußball-Fieber am Fern-

seher: "Zu langes Sitzen kann zu körperlichen Schäden durch mangelnde Bewegung führen."                                                                                                         (30. Mai 2016)

Große Träner

VON WOLFGANG UHRIG

 

Männer, die nahe ans Wasser gebaut haben, hatten zuletzt Hochkonjunktur im bezahl-

ten Fußball. Wir sahen die Tränen von Jürgen Klopp und Sebastian Kehl, als sie ihre Schlussworte zu Borussia Dortmund sprechen sollten. Wie der Trai-ner Christian Streich um Fassung rang beim Abstieg seines SC Freiburg. Das hemmungslose Schluchzen der Nicht-Aufsteiger aus Karlsruhe, daneben die Freudentränen der Ham-

burger Spieler. Und am Tag danach dieser kollektive Wasserfall in der Münchner Alli-

anz-Arena beim Zweitliga-Drama zwischen dem TSV 1860 und Holstein Kiel.

Immer wieder Männer am Rande des Abgrunds. Unvergessen ist der Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der am 17.Mai 2008 um Viertel nach Fünf nach seinem letzten Spiel in München auf dem Rasen hockte und vor 65.000 Zu-schauern losheulte wie ein Schloss-

hund. Als großer Träner und Trainer in Erinnerung ist auch Ottmar Hitzfeld, der 2008 den zum Abschied vom FC Bayern überreichten Blumenstrauß mit seinem Wasserfall tränkte, ehe er Uli Hoeneß in die Arme fiel - tief schluchzend auch der Manager. Oder Jupp Heynckes, den es durchrüttelte nach seinem letzten Spiel 2013 auf der Presse-

konferenz in Mönchengladbach.

Die Bundesliga als Bühne für große Emotionen. Tränen sind die Sprache der Seele, die Stimme des Gefühls - und nur wer keine Gefühle hat, der kann auch keine zeigen.

                                                                                                                      (6. Juni 2015)

Generation SMS

VON WOLFGANG UHRIG

 

 „Spinnen die Finnen?“ - eine Frage der „Welt am Sonntag“. Dabei ging es um die Meldung, dass ab 2016 an den Grundschule des Landes das Erlernen der Schreib-

schrift nicht mehr Pflicht ist. Zwar werden die kleinen Finnen auch weiter mit der Hand schreiben, allerdings in Druckbuchstaben. Oder sie betätigen einen Automaten für Buch-

staben.

 

Nach einer Umfrage aus England hat dort seit einem Jahr jeder Dritte nichts mehr mit ei-

nem Stift geschrieben. „Auch in der Schweiz wankt die Schnürli-Schrift ihrem Aussterben entgegen“, klagt die Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt, die Plattform für alle, die Sprache lieben". Bei uns arbeiten laut „Bild“ schon „85 Prozent aller Firmen mit einem Rechner, zu Hause haben 79 Prozent einen Computer“.

 

In Tastaturen hacken, über Bildschirme wischen, Passagen wie Bausteine zu verschieben und neu zusammenzusetzen - das ist längst bequemer als mit der Hand schreiben. Ja, braucht es das überhaupt noch? Dazu der Romanautor Wolf Wondratschek: „Was auf ei-

nem Stück Papier per Hand verewigt wird, löscht man nicht so leicht wie am Rechner, wo durch eine Berührung ganze Artikel verschwinden. Deshalb überlegt man länger, bevor es mit einem Werkzeug niedergeschrieben wird.“

 

Mein Schreiber arbeitet mit meinen Gedanken“, philosophierte schon Friedrich Nietzsche. Der brasilianischen Bestsellerautor Paulo Coelho sagt in der „Süddeutschen Zeitung“, ein Stift lege eine intensive körperliche Spur, im Gedächtnis lagere sie sich mehr ein als Wör-

ter, die durch eine flüchtige Berührung am Computer entstehen können.

 

Einst ritzten Tempelschreiber die ersten Buchstaben in Kalkstein, dann kam Gutenberg, jetzt die Generation SMS - und eine neue, stiftlose Kultur. (22. März 2015).

Schönes Wochenende

VON WOLFGANG UHRIG

 

Ach, endlich wieder Bundesliga ...! Wer da jetzt etwas dagegen hat, erinnert an den Hinweis von Heiner Koch, Erzbischof in Köln, der seinen Segen zur Liga versagt, weil die Dauerberieselung mit und um Spiele „die Kommunikation in den Familien beeinträchtigen“.

 

Den Teufel an die Wand gemalt hat auch der Glaubensbruder Rolf Krebs, Rat der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er sagt: „Das kann verheerende Folgen für das Miteinander in den Familien haben, wenn Väter das komplette Wochenende vor dem Fernseher sitzen.“ Krebs schlug vor, in „Predigten und im Konfirmationsunterricht die Gemeinden für das Problem Bundesliga-total zu sensibilisieren“.

 

Tja, es ist wieder so wie es war: Freitagabend, Samstagabend, Sonntag vom Morgen bis zum Abend sitzen wir vorm Fernseher. Überall Spieltage, Spielanalyen, stundenlang. Und damit keine Langeweile aufkommt ohne Liga, gibt es zwischendurch noch die internationale League und Länderspiele.

 

Dazu überall Experten und Expertisen: „Mario Götze bekam es als sogenannter Neuner schon nach 40 Sekunden mit einem echten Vierer zu tun - Innenverteidiger Benucci rempelte ihn um. Spielte daraufhin eine Weile eine sehr falsche Neun. Später dann mal eine unsichtbare Acht, mal eine nur schemenhaft erkennbare Sieben, und wenn es ausnahmsweise mal mit Tempo Richtung Italien-Tor ging, oft eine zu verspielte Zehn.“ (Süddeutsche Zeitung.

 

Wer bei so einem Nummernspiel auf Ball-Höhe bleiben will, muss heute sehr viel mehr verstehen als gestern vom Schalker Kreisel. Wer mitreden will, muss sich immer neu orientieren, er kann keine Rücksicht mehr nehmen auf Kind und Kegel - außer auf Fußball im Fernsehen. Auch gegen den Einwand vom Gesundheitsamt: „Das zu lange Sitzen vor dem Fernseher kann zu körperlichen Schäden durch mangelnde Bewegungen führen.“

 

Gucken bis der Arzt kommt ? Oder nach Freitag-Samstag-Sonntag warten auf den Montag, auf das Spiel der 2.Liga. Um, zwischen Abendessen und Abspülen in der Küche, die richtige Antwort parat zu haben zur Frage von Frau U. an den Ehemann: "Du Schatz, sag´ mal, wie viel Fußball verträgt der Mensch?"

Geheimnisse

N WOLFGANG UHRIG

 

In seinem neuen Buch offenbart Giovanni di Lorenzo, was er gerne einmal als Traum-

objekt realisieren würde: Antworten von Politikern, die nie zum Abdruck freigegeben worden sind." In 11Freunde sagt Uli Köhler zum Fußballer Philipp Lahm: "Es gibt einige Geheimnisse, die ich bis heute für mich behalten habe - auch im Bezug auf einige Herren, die bei euch in den oberen Etagen rumschwirren."

 

Mit seinen Geheimnissen ist der Sportkamerad Köhler also in bester Gesellschaft. Der geneigte Leser aber mag sich nun die Frage stellen: Für wen bezahle ich die eigentlich, diese Journalisten, diese Zeitung, dieses Medium - für das, was sie für sich behalten ?

 

Wir sind darauf angewiesen, Nähe zum Gesprächspartner herzustellen. Auch umge-

kehrt. Man hat ständig miteinander zu tun, man trifft sich - auch mal an der Hotelbar. Das ist menschlich heikel, Grauzonen entstehen zwischen Profes-sionellem und Pri-

vatem.

 

Doch man sollte nicht mitspielen beim Spiel "Ich erzähl es dir, du darfst es aber auf keinen Fall schreiben" - wenn einer was sagt, damit aber nicht zitiert werden will, ist es erst einmal besser, die Klappe zu halten.

 

Ego mag schmeicheln. Oft weiß man mehr als andere, durch so genannte Hintergrund-

ge-spräche. Doch was soll das letztlich? Werden Journalisten dafür bezahlt, Herr-

schaftswissen mit sich herumzutragen?

 

"Er wusste viel und sagte das, was er konnte und durfte." So hieß es in der "Süddeut-

schen" zum Nachruf Klaus Bölling. Das galt für ihn, den früheren Regierungssprecher im diplomatischen Dienst - dazu aber gehören wir nun einmal nicht.

 

Als Der Spiegel unlängst in Hamburg den 20.Geburtstag von Spiegel Online feierte, flanierten die Medienvertreter im Foyer an einer Wand vorbei, auf der drei Worte von Rudolf Augstein standen, dem legendären Magazin-Gründer: "Sagen, was ist" - so isses!

PARADOX

VON WOLFGANG UHRIG

 

Wer heutzutage glaubt, in Fußballvereinen würden Kinder immer auch zu fairem Verhalten erzogen, der sollte mal in Ausgaben vom "Bundesgesundheitsblatt" lesen. Da steht, dass Jugendliche, je länger sie in einem Klub spielen, sich verabschieden von der Idee des Fair-

play. So wird in der Befragung unter 4.500 Spielern ein Vierzehnjähriger zitiert: "Fairness heißt, fair spielen und wenn es sein muss foulen."

 

Dieser Widerspruch ist kein Wunder bei all´ den berühmten Vorrednern. Schon die Trainer-Legende Sepp Herberger hatte einst seinem Nationalspieler Posipal gesagt: „Jupp, Ihren Gegenspieler will ich heute Abend nicht beim Bankett sehen." Uwe Seeler verwirrt mit dem Paradox: „Na gut - ein normales Foul ist für mich nicht unfair." Für Franz Beckenbauer steht fest: „Das Foul gehört zum Fußball - das ist nun mal so." Und Paul Breitner umschrieb in seinem Buch "Ich will kein Vorbild sein" auf drei Seiten, warum er der Meinung ist, dass Kinder "frühzeitig lernen müssen, foul zu spielen".

 

Wie lesen es in der Zeitung oder hören diesen Satz in der „Sportschau", dass der Reporter um Verständnis heischend sagt: „Nicht so schlimm - nur ein taktisches Foul." Ein Foul als Kavaliersdelikt. Und wenn nun dem Gegenüber dabei das Bein bricht oder die Achillesseh-

ne reißt, dann war das Pech und eigentlich ja nicht vorgesehen.

 

Das „taktische Foul" ist in freier Übersetzung, nach dem Blick in ein schlaues Buch von Ull-

stein, ein „überlegter, absichtsvoller Verstoß gegen den sportlichen Anstand". Und jene, die diesen so gern einfordern, stehen gegenüber den im „Bundesgesundheitsblatt" befragten Kindern mit in der Verantwortung - auch wir, die Journalisten.

Durchlauferhitzer

VON WOLFGANG UHRIG

 

Der Nächste bitte: Nun hat auch Michael Neudecker den Sport der Süddeutschen Zei-

tung verlassen. Der Allrounder wechselte am 1.September in das SZ-Ressort Gesell-

schaft & Wochenende.

 

Das Ressort Sport - immer wieder eine Fundgrube, wenn es um Rochaden innerhalb der Redaktion geht. Aktuell belegen das die Chefs der SZ mit ihrem Karussell unter Kollegen. Hier macht der frühere Sportredakteur Peter Burghardt als Südamerika-Korrespondent Platz für Boris Herrmann. Burghardt kommt aus Buenos Aires zurück nach Deutschland, er wird SZ-Mann in Hamburg, wo der aus dem Sport kommende Marc Widmann von der Süddeutschen zum Wochenmagazin ZEIT geht, als stellver-

tretender Ressortleiter. Im Norden wird Burghardt mit Thomas Hahn zusammenarbeiten, der nach 15 Jahren ebenfalls den SZ-Sport verlässt.

 

Dieser war schon häufig ein Durchlauferhitzer. Das wohl bekannteste Beispiel ist Best-

sellerautor Axel Hacke, bis Anfang der neunziger Jahre als Redakteur im Ressort. Wie Hacke starteten andere Prominente ihre Karriere im Sportjournalismus. In Erinnerung sind bei der Welt der legendärere USA-Korrespondent und spätere Chefredakteur Fritz Wirth, der WDR-Intendant Fritz Pleitgen bei der Freien Presse in Bielefeld, die aktuel-

len Chefredakteure und VDS-Mitglieder Hermann Beckfeld bei den Ruhr-Nachrichten in Dortmund, Arnd Festerling bei der Frankfurter Rundschau und Wolf-Dieter Jacobi, Fern-

sehdirektor beim Mitteldeutschen Rundfunk". Ebenso einst im Sport tätig waren Focus-Gründer Helmut Markwort (bis Anfang der sechziger Jahre Redakteur beim Darmstädter Tagblatt) und der Verleger Bodo Harenberg (bis in die siebziger Jahre Redakteur bei den Ruhr-Nachrichten).

 

Wer Sport macht, kann alles machen“, sagte früher als Chefredakteur bei BUNTE der Verleger Hubert Burda. Respekt einerseits - und oft auch Resignation beim Ressort-

leiter Sport.

Schlachtzeilen

Die „Nürnberger Zeitung“, Auflage so um die 20.000, ist eher nicht bekannt für die ganz große überregionale Beachtung. Neulich aber wurde die „NZ“ im „Spiegel“ zitiert, in der Rubrik „Hohlspiegel“, dieser Spalte für kleine Sprachschludereien. Wiederholt wurde der in der „NZ“ verunfallte Satz: „US-Präsident Obama traf derweil bei einer zentralen Gedenkfeier die Hände überlebender Teilnehmer der Invasion.“

 

Kann ja mal passieren. In einer Redaktion, zu der einst übrigens Namen gehörten, die danach weit über Franken hinaus bekannt geworden sind: Klaus Angermann, im ZDF jahrelang die Stimme des Radsports, Daniela Schardt, heute neben Bundespräsident Joachim Gauck die sogenannte First Lady oder Franz-Josef Wagner.

 

Er hat mal bei der „Nürnberger Zeitung“ volontiert und ging dann über „BUNTE“ und die Berliner „BZ“ zu „Bild“. Hier schreibt er jeden Tag unter „Post von Wagner“ einen meist frechen Brief an Gott und die Welt. Zum Beispiel: „Lieber Boris Becker, Sie sehen aus wie ein Rhinozeros. Steif in den Hüften, das Gesicht aufgequollen.“ Solche und andere kleine Gemeinheiten.

 

Während die meisten von Wagner Angeschriebenen die Kolumne noch nicht mal igno-

rieren, sieht sich Becker zu einer Antwort genötigt. „Post an Franz-Josef. Haben Sie selber einmal im Spiegel angeschaut?“ zwitscherte Becker leicht verschnupft über Twitter, seinem Lieblingsmedium.

 

Franz-Josef und Boris waren einst als ziemlich beste Freunde mal ganz eng. Ende der achtziger Jahre hat der eine ein Buch über den anderen geschrieben. Damals war Wag-

ner Chefredakteur bei „BUNTE“ und Becker drei Mal Wimbledonsieger.

 

Über zwanzig Jahre nach gemeinsamen Schlagzeilen machen sie jetzt gemeinsam Schlachtzeilen...

Nachgetreten

Bei der Deutschen Sporthilfe gibt es das Buch zur „Hall of Fame des deutschen Sports". Porträtiert sind 78 Persönlichkeiten, die Sportgeschichte geschrieben haben; alphabe-

tisch geordnet von Adam, Karl bis Wolfermann, Klaus.Sollte es zur Neuauflage dieser Dokumentation kommen, dann sind die Seiten 160 bis 163 umgestaltet - der Name Hoeneß ist dann gelöscht.

 

Hoeneß fliegt raus, nachdem er die „Goldene Sportpyramide“ zurückgab, eine Auszeich-

nung als Eintrittskarte in die Ruhmeshalle. Der Verzicht auf Deutschlands höchste Sportauszeichnung kam aber nicht ganz freiwillig. Es gab Anzeichen, dass sich die Hall of Fame-Jury formell mit dem Fall des ehemaligen Bayern-Präsidenten beschäftigen wollte. Am Ende hätte mehr als wahrscheinlich der Ausschluss gestanden - und dem kam Hoeneß zuvor.

 

Uli Hoeneß hat Millionen Steuern hinterzogen, dafür steht seine Gefängnisstrafe. Das ist in Ordnung so. Zitiert sei aber auch aus einer Rede des Historikers Prof. Dr. Thomas Mergel zur Gründungsfeier der Hall of Fame am 6.Mai 2008 in Berlin: "Die Sportler, an die hier erinnert wird, waren alle Vorbilder in Sachen Fairness und Leistung; aber das war nicht ihr ganzes Leben. Einige haben biografische Flecken auf der Weste."

 

Mergel nannte hier nun aus der Hall of Fame die Namen Willi Daume und Sepp Her-

berger: „Mitglieder der NSDAP.“ Und er kritisierte Josef Neckerman, „der in den Drei-

ßigerjahren von der Arisierung jüdischen Vermögens profitierte - das eine muss gesagt werden, genau so wie das andere“. Mergel hätte auch noch über Armin Hary sprechen können, als Immobilien-Betrüger Anfang der achtziger Jahre bestraft mit Gefängnis.

 

Dass nun die Sporthilfe angesichts dieser Beispiele Uli Hoeneß aus der Hall of Fame vertreibt, ist überflüssiges Nachtreten gegen einen Mann, der längst am Boden liegt.

Name als Nachricht

Neulich, ein Interview der "Süddeutschen Zeitung". Hier scherzt der Kollege Boris Herr-

mann zum Namen seines Gesprächspartner, darin stecke ein Stück aus der Weih-

nachtsgeschichte: "Stroh-Engel".

 

Stroh-Engel: Da könnten mache vielleicht an eine blonde Figur denken, die unterm Weihnachtsbaum an der Grippe hängt. Doch mit dem Christkind habe er nun wirklich nichts zu tun, erklärt Dominik Stroh-Engel, Rekordtorjäger beim Fußball-Drittligisten SV Darmstadt 98, das mit seinem Namen habe sich aus den elterlichen Familienverhält-

nissen heraus so ergeben.

 

Seriösen Journalisten sind Namenswitze ja eigentlich verboten. Das ist weniger eine Frage des Humors als eine Frage des Anstands. Es gilt die Würde eines Menschen zu schützen. Zum Beispiel, wenn einer Fußball spielt und Holzfuß heißt, dafür aber na-

türlich nichts kann.

 

Viele Namen aber haben die Aussage, dass darin ein Handeln zu erkennen ist. Adler fliegt im Tor beim Hamburger SV, Nulle hält bei Carl Zeiss Jena den Laden dicht, Boll-

mann steht in der Abwehr von Arminia Bielefeld, Lauth gibt bei den Münchner "Löwen" manchmal den Ton an, Ballweg heißt die Assistentin der Bundestrainerin Silvia Neid, Goldmann der Trainer des Diskus-Riesen Harting. Und die boxenden Klitschkos haben ihr k.o. sogar im Namen.

 

Schneeloch hieß zuletzt ein deutscher Funktionär bei den Winterspielen, Winterfeldt war dort Reporter für die "Berliner Zeitung". Zum US-Team in Sotschi gehörten die Snowboarder Arielle Gold und Taylor Gold sowie die Eiskunstläuferin Gracie Gold, aus Deutschland kam der Curler Sven Goldemann - das olympische Gold hatten sie alle nur im Namen.

 

Zu den Spielen am Schwarzen Meer stellte die "Zürcher Sonntagszeitung" eine Schwei-

zerin vor, die Olympia Gold heißt. Darin sagt die Freizeitsportlerin Olympia Gold, Olym-

piagold sei nie ihr Ziel gewesen. Sie gehe lieber unbeschwert zum Skifahren, gemein-

sam mit ihrem Bruder - der heißt Silver Gold.

"Kollege" Hoeneß

Die Sache mit dem Geld hat bei Uli Hoeneß so angefangen wie wohl bei einigen unter uns. Er lieferte als Gymnasiast für ein Zeilenhonorar von neun Pfennig Spielberichte über seinen Verein SSV Ulm 46 ab, für die Schwäbische Donau-Zeitung, heute Süd-

west-Presse. „Handgeschrieben und nahezu druckreif - was Wunder: im Text ging es vor allem um Uli Hoeneß und dessen Vorlagen und Tore“. In den Satz gegeben wurden die Manuskripte durch Peter Bizer, VMS-Mitglied und damals Redakteur in Ulm.

 

So steht es im neuen Buch „Nachspiel“ (Verlag Ellert & Richter), das Bizer zu Hoeneß als dessen Wegbegleiter geschrieben hat. Zu lesen gibt es das bemerkenswerte Porträt über einen Mann, der zuletzt die Schlagzeilen bestimmte, für die er einst selbst zustän-

dig war. Durch eine Kolumne unter dem Titel „Das meine ich“, erstmals in Ulm er-

schienen am 4.November 1972 vor einem Länderspiel gegen die Schweiz. Neben dem Text abgebildet ist der Autor, hinter der Schreibmaschine sitzend, den Kopf gedanken-

schwer aufgestützt. Von ihm sollte der Leser einmal pro Woche aus erster Hand erfah-

ren, wie es sich so lebt in der großen Welt des Fußballs.

 

Pro Kolumne gab es 150 Mark. Für jeden anderen Freien wären 600 Mark im Monat ein toller Nebenverdienst gewesen. Doch Hobby-Journalist Hoeneß spielte in einer anderen Liga, er bekam mehr, er sollte die Zeitung zieren. Auch mit exklusiven News aus dem Reich der großen Bayern. Für Bizer in Erinnerung sind aber lediglich nachrichtliche Flachpässe wie dass „wir nur in Bedrängnis kommen können, wenn unsere Abwehr zu sehr nach vorne orientiert ist“. Deshalb kündigte die Chefredaktion die Zusammenarbeit zum Jahresschluss.

 

So endete die kurze Karriere von Uli Hoeneß als Journalist. Und für ihn die Möglichkeit, ganz andere Schlagzeilen zu machen.

Zahlen, bitte!

"Gro-Ko" und "Protz-Bischof" sind für die "Gesellschaft der deutschen Sprache" Worte des Jahres 2013. In einer Rangliste dabei ist aber auch der Sport: Sinnigerweise auf Platz neun steht "Die falsche Neun".

 

Falscher Neuner - ein Beispiel für neue Begrifflichkeiten im Sportteil. Dort treffen wir auf einen wuselnden Zehner, besonnenen Achter, hängenden Elfer, die Doppelsechs, den verkappten Außen, die offene Raute, Viererkette, Dreier-kette, 4:3:3, 3:5:2, 4:4:2, 3:4:2:1 usw. - ist das noch Fußball als Spiel, wer blickt da noch durch ?

 

Was gestern galt, gilt heute ja schon lange nicht mehr. "Ich hatte die Sechs", erinnert sich Rolf Kahn (69), Vater von Olli Kahn, an seine Zeit beim Karlsruher SC, "aber das hatte nichts mit dem modernen Sechser zu tun. Mein Trainer sagte: Du darfst nicht über die Mittellinie - so was hat man Taktik genannt, damals." Tja, damals ...

 

Unlängst stand als Fazit einer Analyse im "kicker", dem Zentralorgan des Fußballs: "Schweinsteiger, Thiago oder Kroos sind eher Vertreter des spielerischen Moments, also keine typischen Sechser, sondern eher Achter." Noch verwirrender war die „Süd-

deutsche Zeitung“ nach dem 1:1 im Länderspiel gegen Italien. Da stand über Mario Götze: "Bekam es als sogenannter falscher Neuner mit einem echten Vierer zu tun: Innenverteidiger Bonucci rempelte ihn um. Spielte daraufhin eine sehr falsche Neun. Später dann einmal eine unsichtbare Acht, mal eine nur schemenhaft erkennbare Sieben - und wenn es aus-nahmsweise mal mit Tempo Richtung Italien-Tor ging, oft eine zu verspielte Zehn."

 

Einmal hat in der SZ der Bundesligatrainer Torsten Lieberknecht über Zahlen und Zen-

tren gesprochen. Lieberknecht sagte, dass es unter seinen Torhüter bei Eintracht in Braunschweiger keine "echte Nummer eins" gebe und nachgeschoben: "Vielleicht wird ja als nächstes der echte Trainer abgeschafft ..."

Nacktarsch?

Statt "Allianz-Arena" schreiben wir gerne auch mal von der Arena am Müllberg. Am besten so, dass man merkt, dass wir bewusst den Sponsornamen vermeiden." Das sagt Andreas Rüttenauer von der "taz" im neuen "sportjournalist". Der Kollege Rüttenauer will keine Schleichwerbung machen.

 

Eine andere Meldung dazu kommt aus Madrid. Dort verhandelt Real über den Verkauf des Titels "Estadio Santiago Bernabeu". Fünfzig Millionen sollen im Gespräch sein bei Interes-

senten wie microsoft, Emirates und Audi.

 

In Madrid Santiago Bernabeu (der mit 14 bei Real zu kicken begann, dort Trainer wurde, Sekretär, Präsident) - in Kaiserslautern Fritz Walter? Über die Streichung Fritz-Walter-Stadion wurde gesprochen, verworfen hat man früher die Bezeichnung Max-Morlock-Stadion in Nürnberg.

 

Am Ende spielte der "Club" im "easy-Credit-Stadion", ein Titel wie eine Anleitung zum Schuldenmachen. Ursprünglich sollte die Spielstätte ja "Hochtief-Arena" heißen - we-

gen der Auf- und Abstiege des Club hatten sich Kritiker dagegen ausgesprochen. Jetzt steht da "Grundig-Stadion".

 

Flott dahin geht es mit Geld für Geltung. Reklame auf Arenen machen die Commerz-

bank in Frankfurt (früher Waldstadion), HDI in Hannover (früher Niedersachsenstadion), Imtech in Hamburg (früher Volksparkstadion), Iduna in Dortmund (früher Rote Erde) oder Veltins in Gelsenkirchen (früher Glückauf-Kampfbahn) etc.

 

Eigentlich schade, dass die Gemeinde-Idylle Kröv an der Mosel keinen Bundesligaver-

ein hat. Dort gibt es die "Weinbrunnenhalle Kröver Nacktarsch". Die sollte nur "Nackt-

arschhalle" heißen, was dann verworfen wurde.

 

Man stelle sich vor, Basketball würde dort gespielt, der FC Bayern käme und Waldi Hartmann wäre Reporter. "Die Trauben hängen hoch," könnte er sagen, "im Nacktarsch."

Manndecker

Drin oder nicht drin - das letzte Wort hat Sepp Blatter. Zum Video-Beweis im Fußball betont der Große Spielmacher noch einmal in einem Interview: "Der schlaue Ball wird kommen. Der Ball mit dem Chip. Wenn nötig über eine Verkabelung des Tores und einer Verbindung zum Schiedsrichter."

 

Wie weit der Schütze vom Tor entfernt ist, wenn er abzieht oder mit wie viel Stunden-

kilometern die Kugel aufs Tor fliegt, erfahren wir längst. Auch die Flugkurve des Ski-

springers von der Schanze. Zuletzt wurde laut darüber nachgedacht, dass man beim Biathleten den Blutdruck anzeigt, wenn dieser nach der Hetzjagd seines Laufes am Schießstand zur Ruhe kommen soll.

 

Auf Eis liegt vorerst noch der Puck mit einem elektronischen Auge. Vision ist auch der Tachometer im Box-Handschuh oder der Seismograph am Kinn. Und wer weiß, viel-

leicht wird schon bald neben der Fernbedienung eine Computermaus liegen, mit der man auf das verletzte Knie eines Sportlers klickt, um Informationen über den Meniskus zu bekommen.

 

Der gläserne Athlet - oder das elektronische Auge als härtester Manndecker.

Affengeil

Puristen der deutschen Sprache haben sich längst daran gewöhnt, dass fast keine Tore mehr fallen - dafür werden jetzt "Kisten gemacht" und "Buden", die Kugel wird "einge-

netzt", in "Halbzeit 1" oder "Halbzeit 2". Immer häufiger ist auch das Wort "geil" im Ge-

brauch. Und wenn sich nun einer vor lauter Begeisterung überhaupt nicht mehr ein-

kriegen kann am Mikrofon, dann ist das "affengeil".

 

Da passt es ins Bild, dass uns ein Reporter das Scheitern des VfB Stuttgart in der Eu-

ropa-League-Qualifikation gegen Rijeka damit begründete, dass "die Schwaben nicht genug Eier in der Hose" hatten. Als Frau U. das hörte, bat sie um eine Erklärung. Leicht genervt erzählte ich ihr die Geschichte von Oliver Kahn, der einmal als Kapitän der Münchner Bayern in einer entscheidenden Phase von seinen Nebenleuten mehr Einsatz verlangt hatte, und dabei Eier als Zeichen der Männlichkeit heraufbeschwor.

 

Es gibt heutzutage Sportreporter, die sprechen wie Fußballer. Da kann es nicht verwun-

dern, dass diese nun auch schreiben. Oliver Kahn tat das mit seinem Buch "Ich". Dazu urteilte das Magazin "focus" nach einem Vorabdruck in "Bild", man müsse "mit dem Schlimmsten" rechnen.

 

Wenn Journalisten ihr Kapital - die Sprache - entwerten, sind Kahn und Konsorten als "Kollegen" eine logische Folge.

Liga Lourdes

Neulich im Fernsehen. Arjen Robben kurvt im Spiel des FC Bayern von außen nach innen, vorm Sechzehner bleibt er hängen am Dortmunder Hummels. Robben fällt, Robben schreit, Robben gestikuliert ...

 

Mit dem Beginn der neuen Bundesliga-Saison erleben wir am Fernseher nun wieder diese ergreifenden Szenen im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Durch Bilder aus Stadien, wo Männer, in der Blüte ihres Lebens stehend, wie von unsichtbarer Faust getroffen zusammen brechen und auf dem grünen Rasen schmerzverzerrt liegen blei-

ben. Ärzte haben noch nicht ergründen können, warum sich derartige Unglücksfälle meist unweit der beiden Tore ereignen.

 

In der Frühphase eines solchen Schicksalsschlages lassen sich humanmedizinisch zwei Arten von Patienten unterscheiden. Die eine Sorte wälzt sich bei klarem Bewusst-

sein laut stöhnend am Boden, so dass durchaus Hoffnung auf Lebensrettung besteht. Die zweite Gattung bleibt völlig ton- und reglos liegen, weshalb mit dem Schlimmsten gerechnet werden muss.

 

Zur Hilfe kommt ein aufs Feld stürmender Pfleger. Sein am häufigstes Heilmittel ist ein nasser Schwamm oder ein kalter Spray. Damit pflegt er sicherheitshalber gleich mal mehrere Körperteile, weil in diesem Stadium des Leidens der am Boden liegende Spie-

ler oft nicht mehr sagen kann, wo der Schmerz denn nun wirklich sitzt.

 

Und dann, schwuppdiwupp, ist der scheinbar Schwerstverletzte wieder auf den Beinen. Er jault noch einmal kurz auf, beim zweiten Schritt hinkt er bereits auf dem falschen Bein, beim dritten Schritt bringt er sich wieder in Stellung, flink wie eine Gazelle.

 

Die Geschichte der Heilkunde weiß von vielen berühmten Ärzten zu berichten. Von Hippokrates und Galenus, von Versalius und Paracelsus, von Auenbrugger und Sauer-

bruch. Doch sie alle werden heutzutage von unseren Wunderheilern auf den Fußball-

feldern übertroffen, den so genannte Physios.

 

Lourdes ist überall - und immer wieder besonders auf den Plätzen der Fußball-Bundesliga.

Pflichtlektüre

Jan Ullrich hat also Doping zugegeben. Ohne zu sagen, was dazu sonst noch zu sagen gewesen wäre. Wer nun wissen will, wie es wirklich zugeht bei der soeben gestarteten 100.Auflage der Tour de France, sollte "Die Radsport-Maffia" lesen, das Buch des Amerikaners Tylor Hamilton.

 

Diese Beichte des früheren Olympiasiegers Hamilton ist so erschütternd, dass man sich schämt, als früherer Reporter bei der Tour falsche Helden bewundert zu haben. Offen wie noch nie wird über Machenschaften und Betrügereien berichtet, ein Einblick gelie-

fert in die Welt der Omertà - dem Schweigegelübde, das Radprofis auferlegt ist, wenn es um Doping geht.

 

Gebrochen hat die Omertà, das heilige Versprechen aus kriminellen Mafia-Kreisen, ein Kronzeuge, der bei US-Postal viele Jahre ein tapferer Helfer war für Lance Armstrong, den siebenmaligen Gewinner der Tour de France. Vor fünf Jahren beendete Hamilton seine Karriere, nachdem er wegen Dopings mehrfach gesperrt worden war.

 

Im Mittelpunt seiner Erzählungen stehen die Machenschaften von Lance Armstrong, dem Hamilton lange Zeit hörig war. Wir lesen, wie dessen Netzwerk funktionierte, das bis zu Hein Verbruggen reichte, dem belgischen Präsidenten des Radsportweltver-

bandes UCI. Wie berüchtigte Ärzte Dollar-Bündel für Betrügereien und Lügen kassier-

ten, von skrupel-

loser Korruption, von einem geheimnisvollen Gefrierschrank namens Sibirien, der bei der Tour de France für Blut-konserven stand - wie ein Klassiker durch schmutzige Ge-

schäfte buchstäblich unter die Räder gekommen ist.

 

Hamiltons Enthüllungen, aufgeschrieben von Daniel Coyle, einem Redakteur der "New York Times", sind spannend wie ein Kriminalroman - und sollten für jeden Sportjourna-

listen Pflichtlektüre sein.

 

"Die Radsport-Mafia" von Tylor Hamilton und Daniel Coyle, 352 Seiten, 19.99 Euro, ISBN 978-3-89029-765-1.

Eigentor

In der „Welt“ sollte anlässlich seines Leipziger Abschiedsspiels ein Interview mit Mi-

chael Ballack stattfinden. Der Ex-Fußballer hatte zugesagt. Dann aber bekam die Re-

daktion Post aus Hamburg. Absender war die mit der Ausrichtung des Spiels am 5.Juni beauftragte Agentur TPS. Der für das Gespräch vorgesehenen Reporter Lars Garten-

schläger habe vorher noch einen Vertrag zu unterschreiben.

 

In diesem Papier stand, die „Welt“ müsse sich dazu verpflichten, Michael Ballack die Überschrift, Vor- und Abspann, Zwischenzeilen, Bildunterschriften und sogar die Ankün-

digung im Inhaltsverzeichnis zum Interview machen zu lassen. Jede Abweichung würde eine Vertragsstrafe von je 25.000 Euro nach sich ziehen. Die Redaktion hat daraufhin auf das Gespräch mit dem Ex-Kapitän der Nationalmannschaft verzichtet.

 

Ballacks letzter Auftritt in der „Welt“ - ein peinliches Eigentor.

Spitznamen

Und jetzt also Rolls-Reus - ein Fußballer als Markenhinweis auf eine ganz besondere Klasse. Spitznamen sind treffend, nicht erst wie im Falle des Dortmunder National-

spielers Marco Reus.

 

Tante Käte nannten sie einst Rudi Völler, weil er lockiges Haar trug und älter war als viele Mitspieler. Hemad riefen sie Helmut Haller, als er noch ein schmächtiger Jüngling war in Augsburg, schwäbisch das Hemd. Kaiser Franz stand für Beckenbauer, wegen seiner manchmal etwas hoheitsvollen Ausstrahlung. Und „Katsche“, das sich kantig anhört, ist in Erinnerung für Hans-Georg Schwarzenbeck, weil er in der Abwehr oft rustikal zu Werke ging.

 

Spitznamen entstehen durch die Zuneigung von Menschen und Medien. Wenn die Boulevardpresse zum Beispiel einen ein Fußballer mochte, dann adelt sie diesen gern mit einem "i". Wie heute bei Poldi Podolski und Schweini Schweinsteiger, war das früher bei Litti Littbarski, Basti Deisler oder Scholli Scholl, bei den Managern Calli Callmund oder Assi Assauer, den Trainerlegenden Toppi Toppmöller, Schlappi Schlapp-

ner oder Stepi Stepanoic.

 

Als Klinsi Klinsmann vor Jahren durch Löw und Flick abgelöst wurde, stand in der Bild-

Zeitung: „Jogi und Hansi - das klingt mehr nach einem Wellensittich als nach einem Trainergespann.“ Es gibt weiß Gott schlimmere Metaphern als eine Verniedlichung durch den Buchstaben „i“. Jedenfalls kling das freundlicher als die Anrede Quälix für den Trainer Felxi Magath.

 

Quälix - für viele Fußballprofis steht dieser Name als Synonym für eine schmerzliche Drohung!

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Johann Holzhauser 80       Vom Kameramann               zum Regisseur              

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Ansichtssache

Wolfgang Uhrig:                        Notnagel

VMS-Stipendiat 2016/17          Christopher Gerards

Neue Bücher                           

Grundlagen des Schnell-Lesens
Peter Rösler
1. Auflage 2016
exclam! Verlag, Düsseldorf

ISBN: 978-3-943736-09-0 (Print-Ausgabe),

978-3-943736-10-6 (E-Book-Ausgabe, Kindle, 978-3-943736-11-3 (E-Book-Ausgabe, PDF.

Preise: Print-Ausgabe: 79,90 EUR, direkt beim Autor (ros@reviewtechnik.de) und bei amazon.

E-Book-Ausgabe (Kindle): 4,99 EUR, nur bei amazon.

E-Book-Ausgabe (PDF): 4,99 EUR, nur beim Autor (ros@reviewtechnik.de).

 

Das Buch stellt Erfahrungswissen und die wissenschaftliche Untersuchungen zum Schnell-Lesen vor und beantwortet unter anderem folgende Fragen:

  • Was ist der Unterschied zwischen dem "kleinen" und dem "großen" Schnell-Lesen?

  • Wie viel vom Text versteht man noch, wenn man schnell-liest?

  • Welche Tempoerhöhungen sind erreichbar?

  • Wie häufig und wie lange muss man dafür üben?

Während sich die Ratgeberbücher zu Schnell-Lesen inhaltlich stark ähneln, weil sie sich auf dieselben traditionellen Übun-

gen stützen, ist die inhaltliche Überlap-

pung des Buchs „Grundlagen des Schnell-Lesens“ mit den Ratgeberbü-

chern minimal. Gemeinsame Inhalte fin-

den sich vor allem in den Kapiteln „nor-

males Lesen“ und „Lesemanagement“. Die weiteren Kapitel bringen neue Infor-

mationen oder hinterfragen die traditio-

nellen Ansichten zum Thema „Schnell-Lesen“, wie beispielsweise im Kapitel „Mythen und Halbwahrheiten“. (Verlagstext).

 

Bibliografie

Ulrich Kühne-Hellmessen

Die 100 besten Fußballer 2016/2017

160 Seiten | Hardcover

14,99 €(D); 15,50 €(A)

ISBN:978-3-7423-0143-7

Werner Bartens

"Verletzt, verkorkst, verheizt"

Die jungen Sportler sind die Krüppel von morgen.

Ab 1. September 2016 bei Droemer.

Anno dazumal

Als Gerd Müller zurücktrat        Als Beckenbauer nachtrat

Wenn Ronny mit                         dem Kopf abstaubt

Fußballsprache oder ganz schlechtes Deutsch?

 

Journalismus

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