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Weißwürste für Tirol

Während sich nachmittags einige Tagungsteilnehmer mit WM-Botschafter Thomas Rohregger (der größte Erfolg des 35-Jährigen war 2008 der Sieg bei der Österreich-Rundfahrt) aufs Rad schwangen und einen Teil der Strecke abfuhren, zog es der VMS-Vorstand vor, dank der Unterstützung von Residence-Managerin Anja Trösch (die Schweizerin führt das Arte-Hotel Kufstein seit der Eröffnung vor zwei Jahren), die Teilnehmer der Präsidiumssitzung um Magister Hans Peter Trost mit einer Weißwurstbrotzeit zu überraschen. Dass in Bayern die Weißwürste das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören sollten, störte nicht, und selbstverständlich gab’s Weißbierbegleitung. SMA-Generalsekretär Joe Langer sprach aus, was sich alle dachten: „Oafach leiwand“.
  Dieses Lob kann die VMS-Vorstandschaft nur zurückgeben, denn Organisationstalent Langer hatte für die dreitägige Tagung, die mit der Mitgliederversammlung mit Wahlen und Ehrungen in Innsbruck endete, wieder ein sportliches und unterhaltsames Programm, 
mit viel Wissenswertem über den österreichischen Sport, zusammengestellt . Ein Highlight zweifelsohne die Fahrt mit dem Zug zur Olympiaregion Seefeld, wo vom 19. Februar bis 3. März 2019 die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften stattfinden. Schnee lag im Mai zwar (fast) keiner mehr und das meiste ist noch Baustelle, aber es wird – auch in Verbindung mit dem ÖNV - daran gearbeitet, dass es eine WM der kurzen Wege mit möglichst barriere-freiem Zugang wird.
Beobachtet haben wir allerdings SMA-Präsident Trost. Ihm schien doch Sorgen zu bereiten, dass es bei der Nordischen wohl keinen Winterdienst geben soll.

  Auch Kufstein rüstet sich seit Jahren, um ein weltmeisterlicher Gastgeber für die bevor-stehenden Ereignisse zu sein. Im Vorfeld scheut man sich nicht, sportliche Attraktionen in die Tiroler Stadt zu holen, wie etwa einen Boxkampf gegen Istanbul – mit einseitigem Ende. Aber Kufsteins Bürgermeister Magister Martin Krumschnabel nahm’s bei seiner Begrüßung zu Beginn der SMA-Tagung mit Humor: „Kufstein hat sich mit Istanbul angelegt, man kann sich vorstellen, wie’s ausgegangen ist.“                                                           Margit Conrad

Hoch hinaus! Der VMS-Vorsitzende Thomas Walz in der Kletterwand.

                                                                                                      FOTO: MARGIT CONRAD

Alwin Wagner, sechmal deutscher Meister im Diskuswerfen - gedopt. FOTO: IMAGO/WEREK

Großer VDS-Preis, Kategorie Reportage, 2. Platz

Sein größter Wurf

Alwin Wagner war einer der besten deutschen Leichtathleten. Und gedopt. Er packte  schon vor Jahren aus. Von der Politik und den Verbänden wird er bis heute geschnitten.      

 

                                                  Von Johannes Knuth

 

  Als Erstes verführt er sie immer auf dieselbe Weise. Und es klappt, sagt Alwin Wagner, jedes Mal.

  Ein Saal im Lichtenberg-Oberstufengymnasium im hessischen Bruchköbel, dunkles Laminat, weiße Wände, grelles Licht, das jede Gemütlichkeit vertreibt. 100 Schüler sind gekommen, die meisten aus den Prüfungskursen Biologie und Sport. „Willkommen zur Doppelstunde Doping“, sagt die Schulleiterin. Dann stellt sie ihren Dozenten vor, Alwin Wagner, Diskuswerfer, alleine während des Anabolika-Wettrüstens der 70er- und 80er-Jahre fünf Mal deutscher Meister. Wagner trägt eine dunkelblaue Jeans, einen dunkel-blauen Strickpulli, von seiner dichten, einst dunkelblonden Matte sind ein paar graue Haare übrig. Er ist knapp zwei Meter groß, ein Hüne, aber von seinen Muskeln, die mal dick waren wie Blumenkübel, ist nicht mehr viel zu sehen. Dann beginnt die Verführung.

  Wer von den Schülern Sport im Verein betreibe, fragt Wagner, bitte mal aufstehen. Fast alle stehen, Leichtathleten, Handballer, die meisten spielen Fußball. „Wer von euch würde dopen, wenn er die Möglichkeit hätte?“ Niemand steht auf. Oh, sagt Wagner. Zusatzfrage: „Stellt euch vor, es kommt jemand, der sagt: Wenn du diese Pille nimmst, wirst du die Nummer eins der Welt. Nach einem Jahr hast du Millionen auf dem Konto, du kannst den Sport mindestens zehn Jahre betreiben. Wenn du aufhörst, hast du Land, Häuser, Autos“, Wagner hält inne. „Und, das ist jetzt ganz wichtig“, sagt er: „Keiner wird entdecken, dass ihr diese Pille genommen habt. Ganz ehrlich, wer würde diese Pille nehmen?“ 50, 60 Schüler schnellen nach oben, viele Jungs, ein paar Mädchen.

  Dann sagt Wagner: „Das ist der Grund, warum ich heute hier bin.“

  Verführung ist ihm wichtig, er wurde ja selbst verführt. Wenn es nach den Funktionären gegangen wäre, hätte der Diskuswerfer Alwin Wagner aus Melsungen damals bitte den Mund gehalten. Wagner sprach stattdessen, und er spricht noch immer. Der 67-Jährige reist durchs Land, redet in Vereinen und in Schulen, verführt seine Zuhörer, schafft eine Scheinwelt, die er wieder einreißt. Er weiß, dass der Schritt in den Betrug, der erst mal riesig wirkt, sehr schnell sehr klein wird.

  Alwin Wagners Geschichte ist die eines Sportlers, der zugleich „Zeuge, Täter und Opfer“ des westdeutschen Dopings ist, so sieht er das. Sie handelt von einem der ersten Kronzeugen; von Kollegen, die schwiegen, von Trainern, die Wagner verklagten. Sie handelt von ehemaligen Athleten, die jämmerlich zugrunde gehen. Sie handelt von Funktionären und Politikern, die Athleten zur Medaillenjagd animieren und damit in den Betrug treiben, damals wie heute. Also erzählt Wagner seine Geschichte, immer wieder. Und wieder. Und wieder. Weil niemand aus ihr lernt.

Anabolika vom Bundestrainer

  Die Geschichte beginnt im Oktober 1976, Karlheinz Steinmetz war gerade Bundestrainer der Diskuswerfer geworden. Alwin Wagner war damals gut genug, um bei internationalen Meisterschaften mitzumachen, aber für die besten acht reichte es nicht. Deutsche Sportler auf hinteren Plätzen wollte der Deutsche Leichtathletik-Verband nicht haben. Also ließen sie ihn zu Hause. Trainer Steinmetz bot Wagner Anabolika an, Wagner lehnte ab, einmal, zweimal. „Pass mal auf“, sagte Steinmetz beim dritten Mal ins Telefon, „wenn du die Pillen nimmst, wirfst du 68 statt 62 Meter.“ Man werde ihn zu Wettkämpfen einladen, in die USA, nach Schweden, er werde mehr Fördergelder erhalten, Ausrüsterverträge. Das saß.

  Steinmetz beschaffte Wagner Anabolika, 100 Tabletten pro Schachtel, morgens, mittags, abends eine, wie beim Zähneputzen. Wagner wurde schwerer, stärker, bald warf er 66 Meter. Adidas rüstete ihn aus, die Sporthilfe zahlte mehr. Das Unrechtsbewusstsein? „Wird sofort erstickt, nach dem Motto: Das machen doch alle“, sagt er. „Mir war schon klar, dass das Doping ist“, aber als Wagner sich bei den Kollegen umhörte, bestärkten sie ihn. Wenn du in die Weltspitze willst, sagten sie, musst du was nehmen. So läuft das halt.

  Wagner hat jetzt noch eine Frage an die Schüler in Bruchköbel. „Ihr nehmt die gleiche Wunderpille“, sagt er: „Nach zehn Jahren, wenn eure Karriere zu Ende geht, habt ihr 80 Millionen auf dem Konto. Aber“, ruft Wagner, er verfällt in seinen rauchigen, hessischen Singsang: „15 Jahre nach dem Karriereende fallt ihr um, Herzversagen. Wer würde die Pille trotzdem nehmen?“ Ein Vorhang aus Gemurmel legt sich über den Saal, drei Schüler ste-hen noch auf. Einer ist Gianni, weißer Pulli, schwarze Jogginghose, Fußballer. Er steckt ein paar Sprüche ein. Kohle und Ruhm, aber mit 50 ins Grab steigen? „Lieber ein kurzes Leben, aber dafür ein schönes“, sagt Gianni: „Ist ’ne schwierige Sache, oder?“

  Die Nebenwirkungen. Wagner lernte spät davon. Er fuhr Ende der 70er-Jahre oft nach Freiburg, in die „Sporttraumatologische Spezialambulanz“ von Armin Klümper, der Adel des deutschen Sports ging dort ein und aus. Klümper setzte ihm eine Spritze „in die Arsch-backe“, und als Wagner fragte, was in der Spritze steckt, sagte Klümper: „Junge, brauchst dir keine Gedanken zu machen.“ Heute weiß er, dass er „Klümpers Cocktail“ bekam, eine Mischung aus Aminozucker, Frischzellen, Pflanzenextrakt. Der Arzt drückte ihm auch „viele bunte Tabletten“ in die Hand, Vitamine, Dianabol, Fortabol, Megagrisevit. Anabolika, ge-dacht für Schwerkranke. „Ich hab nie einen Beipackzettel gekriegt, ich war richtig dumm“, sagt Wagner. Bis doch mal ein Zettel in einer Packung Dianabol steckte. Als Wagner Klüm-per mit den Nebenwirkungen konfrontierte, sagte der: Das müssen die schreiben, um sich abzusichern. Keine Sorge, kommt eh nie vor.

  Klümper, das haben Studien und Gutachten belegt, stand für vieles, was den westdeut-schen Betrug antrieb. Für Politiker, die im Kalten Krieg von Trainern und Athleten mehr Medaillen forderten, obwohl sie wussten, dass viele Medaillen nur mit Dianabol, Fortabol und Megagrisevit zu holen waren. Mediziner wie Klümper klärten die Athleten nicht auf, selbst als die Siebenkämpferin Birgit Dressel 1987 tot umfiel, mit 40 Medikamenten im Körper. Die kleinen und großen Schnellmacher werden nur vom Ostblock bemüht – das war die offizielle Version. Und genau das ist ein bis heute beliebtes Märchen.

Mit Rauswurf gedroht

  Wagner machte damals das, was kaum einer tat. Er redete, als Aktiver, und obwohl er schon bei der Polizei als Oberkommissar arbeitete. Er hatte gehört, wie immer mehr Athle-ten Pillen schluckten, um die verschärften Normen des DLV für die internationalen Meister-schaften zu erfüllen. Im Oktober 1981 trafen sich DLV-Funktionäre mit ihren Athleten in Frankfurt, und Wagner, der Athletensprecher, der gerade zum ersten Mal deutscher Meister geworden war, klagte über die Tabletten. August Kirsch, der Präsident des DLV, entzog ihm das Wort. Später schrieb Wagner Briefe an die Sporthilfe, an Willi Daume, den Präsidenten des NOK. Die Bild-Zeitung berichtete. Es passierte nichts.

  „Es ist traurig, dass man etwas genommen hat“, sagte Wagner später, aber er sei stolz, dass er es in die Öffentlichkeit zerrte, er habe viel riskiert. Wenn alle vom Betrug profitieren, wie im Sport, werden die bestraft, die reden. Vor Olympia 2016, das russische Staatsdo-ping war längst entblättert, winkte das Internationale Olympische Komitee eine große rus-sische Auswahl durch. Bis auf Julija Stepanowa, wegen „ethischer Defizite“. Sie hatte frü-her gedopt, dann den Betrug offengelegt.

  Der DLV drohte Wagner mit Rauswurf, 50 000 Mark Strafe. Er verlor Fördergelder, Prozes-se gegen Steinmetz, seinen Trainer. Keiner von Wagners Kollegen stützte ihn. Erst, als ein Sprinter gegen Steinmetz aussagte, gewann Wagner das Wiederaufnahmeverfahren, im Januar 1992. Wagner darf seitdem behaupten, dass Steinmetz ihm Anabolika beschaffte, dass er 1978 in Dortmund gar Urin für eine Kontrolle bereitstellte, damit Wagner nicht auf-fliegt. Steinmetz trat als Bundestrainer zurück; er trainierte aber weiter die Besten, Lars Riedel, Jürgen Schult. Später arbeitete er in China, der Deutsche Olympische Sportbund hatte ihn empfohlen. Wagner schickte sein Wissen an die Staatsanwaltschaft und den DLV, Rezepte, Schreiben vom DLV, die vor Dopingkontrollen warnten. Der DLV meldete sich nie wieder.

  Wagner erzählt den Schülern jetzt von den Nebenwirkungen der Anabolikazucht, von Akne, Herzrasen, Selbstmordgedanken. Er wirft ein Bild von Ricky Bruch an die Wand, sein Konkurrent aus Schweden. Beziehungsweise: ein Bild von Bruchs Pillenkasten. Er hat Fächer für jede Tageszeit, morgens und abends ein Dutzend Tabletten, mittags die Hälfte. Das hat er von Montag bis Samstag jeden Tag geschluckt, sagt Wagner, „nur sonntags nicht. Da hat er gespritzt“. Eigentlich, sagt Wagner, wollte Bruch Schauspieler werden, aber als sie ihm einen Part als Haudrauf anboten, verlangte er zu viel Geld. Ein gewisser Bud Spencer bekam die Rolle. Bruch starb vor sechs Jahren, seine Bauchspeicheldrüse war zerfressen. Er wurde 64.

  Als Wagner fertig ist, hat er 90 Minuten geredet, ohne Pause. Kaum einer ist gegangen, die Schüler klatschen. „Ich habe noch ein paar Autogrammkarten, die könnt ihr sammeln. Oder tauschen“, ruft er, er lächelt. „Ein Wagner für fünf Beckenbauer!“

  Gianni, der zu Beginn der Vortrags auf die Vorteile eines kurzen, dafür aber schönen Lebens setzte, nimmt sich eine Karte. Würde er noch immer das kurze Leben wählen? „Mit dem Wissen eher nicht.“ Ein paar Schüler haben noch Fragen. „Wie war das mit den Nebenwirkungen bei Ihnen?“

Wegen Zölibat:  Polizist, statt Priester geworden

Wagner ist erst 1988 ausgestiegen, sehr spät. Er streckt seine beiden Zeigefinger in die Luft, hält sie 30 Zentimeter auseinander. So lang war das Stück, das sie ihm aus dem Dickdarm geschnitten haben, Darm- und Blasenkrebs. Der erste Urologe habe ihn „zum Sterben nach Hause geschickt“, der zweite half ihm. Nach 13 Operationen war er geheilt, die letzte vor sechs Jahren. „Ich bin dem Tod zweimal von der Schippe gesprungen.“ Viele Mitstreiter hatten weniger Glück. Im April starb der Diskuswerfer Hein-Direck Neu. Lymphdrüsenkrebs.

  Wagner schleicht jetzt im Auto durch den hessischen Feierabendverkehr, er wird später bei einer Podiumsdiskussion in Darmstadt auftreten. Im Radio dudelt durchgeföhnter Pop, Wagner mag eigentlich Klassik und Volksmusik, er hat nicht nur eine zupackende, auch eine weiche Art. Er ist gläubiger Christ, war 20 Jahre Gemeinderat, man kann sich mit ihm lange über Mozart (eher weich) oder Blasmusik von Ernst Mosch (eher zupackend) unterhalten. Es gibt ein Video von seinem 60. Geburtstag, Bekannte hatten eine Blaskapelle engagiert, irgendwann tritt Wagner ans Mikrofon: „Auf die Vogelwiese ging der Franz / weil er gern einen hebt / und bei Blasmusik und Tanz / hat er so viel erlebt.“

  Wagner sagt, er wollte eigentlich katholischer Priester werden, aber als er vom Zölibat erfuhr, ging er doch zur Polizei. Als er im Hochleistungssport steckte, war er schon Zugführer, ab 1981 fuhren sie tagelang Einsätze an der Frankfurter Startbahn, die Proteste gegen den Ausbau schlugen hohe Wellen. Einen Tag bevor zwei Polizisten bei Demonstrationen erschossen wurden, war er mit seinem Zug draußen. Später leitete er eine Einheit in Frankfurt, er sah im Bahnhofsviertel die Drogenabhängigen, „dem Tode nahe“, es erinnerte ihn an das Doping, die kranken Kollegen. „Das ist wie eine Spirale, aus der man nicht mehr herauskommt.“ Die Trainer ködern die Athleten mit Nahrungsergänzungsmitteln, dann Kreatin, dann der harte Stoff.

  Wagner trainiert auch deshalb noch immer Kinder im Verein in Melsungen, mit 67. Drei seiner vier Kinder waren im Verein, die älteste, Johanna, und die jüngste Tochter, Katharina, waren mehrfache Landesmeister, Sprint, Weitsprung, Mehrkampf. Er trainierte auch mal die Diskuswerfer im hessischen Verband, war Schiedsrichter im DLV bis 2002, er hätte weiter aufsteigen können, sagt er, aber der Verband ließ ihn nicht. Mit den großen Verbänden sei er fertig, er habe HLV und DLV seine Dopingvorträge angeboten. Der HLV lehnte ab, „aus verbandsinternen Gründen, die Alwin Wagner bekannt sein dürften“, schreibt er. Vermutlich, weil er Missstände offen anspreche, sagt Wagner. Vom DLV meldete sich niemand. Präsident Clemens Prokop schreibt auf Anfrage, er könne sich an kein Schreiben erinnern.

Vom Innenminister "indirekt zum Doping aufgefordert"

 Im deutschen Sport schauen sie nach vorne statt nach hinten. Sie haben vor einem Jahr, auf Druck der Politik, eine sogenannte Spitzensportreform verabschiedet. Grob gesagt geht es darum, rund 160 Millionen Euro, die vom Bund an den Sport fließen, künftig vor allem den Verbänden zuzuschanzen, die Finalplätze und Medaillen gewinnen. Noch gröber ge-sagt geht es darum, was Innenminister Thomas de Maizière vor zwei Jahren forderte: ein Drittel mehr Medaillen, international.

  Nicht nur Wagner erinnert das an die Spirale, die ihn damals ins Doping trieb. Trainer, die nur beschäftigt werden, wenn ihre Athleten Erfolge beschaffen. Sponsoren und Medien, die Sieger belohnen und besingen. Politiker, die saubere und medaillenbefähigte Sportler zu-gleich fordern, obwohl sie wissen, dass das in manchen Sportarten unmöglich ist. Medai-llen über 100 Meter der Männer? Medaillen im Marathon? Unerreichbar für deutsche Män-ner, ohne Stoff. „Der Bundesinnenminister“, sagt Wagner, „hat viele Athleten indirekt zum Doping aufgefordert.“

  Am Abend sitzt Wagner auf einem Podium, die Deutsche Olympische Gesellschaft in Darmstadt hat geladen, es geht um die Spitzensportreform. Neben Wagner sitzt Ole Schröder, Staatssekretär unter de Maizière, schwarzes Sakko, grüne Krawatte. Er vertei-digt zunächst seinen Innenminister. „Wir wollen die Potenziale für die Top-Plätze in den Mittelpunkt stellen, Platz eins bis acht“, sagt Schröder. Im Einklang mit den Anti-Doping-Regeln, klar. Und alle anderen? „Natürlich kann auch ein Athlet, der nicht dieses Potenzial hat, weiter von seinem Verband unterstützt werden. Aber der wird von der Sporthilfe nicht weiter gefördert“, sagt Schröder, „das haben wir ja bereits geändert.“

  Wagner lächelt gequält. Er erinnert an seine Anfänge, als er 62 Meter warf, trotzdem zu Hause blieb, weil der Verband ihm keine Chance auf das Finale einräumte. Auf Platz acht bis eins also. Er erzählt, dass dafür Hein-Direck Neu mitfuhr, der gerade an Krebs ge-storben ist. Wer die Finalplätze nicht schaffe, sagt Wagner, „ist doch auch ein guter Athlet, ein Botschafter der Bundesrepublik!“ Er sagt Rebbublig statt Republik, in der Wut spricht er Hessisch.

  Schröder guckt irritiert. Wenn ein Verband die neuen Kriterien erfülle, sagt er, werde er weiter gefördert und könne so viele Athleten nominieren, wie er mag.

  Aber wer macht das in einem System, das vor allem Platz eins bis acht entlohnt?

  Alwin Wagner sagt, er habe bis zur Jahrtausendwende Dutzende Mitstreiter bekniet, Me-daillengewinner bei Olympia, WM, EM. Viele sagten, sie seien Helden, sie hätten nichts davon, am Bild des Betrugs zu malen. Die meisten schweigen bis heute, obwohl sie krebs- und herzkrank sind. Eine Folge des Dopings, vermutlich, aber kein Arzt bestätigt ihnen das. Als die Linken zuletzt im Bundestag fragten, ob die Regierung eine Studie über Doping-opfer in der BRD plane, teilte diese mit: „Es besteht nicht die Absicht, eine entsprechende Studie in Auftrag zu geben.“

  Alwin Wagner wird weiterreden.

Die Geschichte der Reporterkanzel

In der Nacht zum 30. Januar 1971 brannte die Haupttribüne des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße (Sechzigerstadion) aus. Das Landeskriminalamt ging von Brand-

stiftung aus, der oder die Täter wurden aber nicht gefasst. Schon am Nachmittag 30. Januar wurde im Stadion wieder Fußball gespielt, der TSV 1860 wollte eine Absage des Regionalligaspiels gegen Viktoria Aschaffenburg unbedingt verhindern.

 

Auch die Presseplätze, die sich in den obersten Reihen befunden hatten, gab es nicht mehr. Als der Münchner Stadtrat am 3. Februar 1971 den sofortigen Wiederaufbau der Tribüne mit Kosten von 679.000 D-Mark genehmigt hatte, fragte der damalige Sportamts-leiter Gress beim Verein Münchner Sportpresse (VMS) nach Wünschen bei der Gestaltung der Reporterkabinen, die in einer Kanzel untergebracht werden sollten. VMS-Geschäftsführer war der spätere 1. Vorsitzende Hans Eiberle, er notierte im Stuttgarter Neckarstadion mit Hilfe des Maßbands aus dem Nähkasten seiner Frau die Abmessungen.

 

Im März 1971 wurde mit den Arbeiten begonnen, Mitte April waren die Sitzplätze unter dem Rohbau des Dachstuhls bereits wieder freigegeben. Im Juli 1971 waren die Arbeiten abgeschlossen, auch die neue Reporterkabinen waren fertig. Sie waren nicht nur mit Schiebefenstern nach Maß ausgestattet, sondern auch mit Elektroheizungen, die der Platzwart eine Stunde vor Spielbeginn einschaltete.

 

Die Reporterkanzel überlebte den Umbau. Die Heizung funktioniert immer noch.

Die Stadt München wertet den Leistungssport auf

Doch es tut sich was. Im Münchner Norden wird an der Knorrstraße ein vierzügiges Gym-

nasiums mit einer Eliteschule des Sports gebaut, die Errichtung eines Hockey-Leistungs-

zentrums ist beschlossen.

 

Das Sportamt hat sich personell verstärkt. Um den Spitzensport in München kümmert sich künftig Sandra Polchow. Die Berlinerin hat u.a. Sport- und Kommunikations-

wissenschaften studiert und war als Radio- und Fernsehkommentatorin tätig. Mit der Handball-Nationalmannschaft belegte die Torhüterin (43 Länderspiele) bei der WM 1997 den dritten Platz.

Geschäftsstelle:

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