Verein Münchner Sportjournalisten
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Journalismus

Innovative Hausarbeit?

Wenn Ronny ein Tor mit dem Kopf abstaubt

In der Süddeutschen Zeitung meldet die Deutsche-Presse-Agentur (dpa): „Ronny staubt mit dem Kopf ab.“

 

Weshalb ein Bericht über Innovationen in der Hausarbeit im Sportteil stand? Die Rede war von Ronnys Siegtreffer für Hertha BSC Berlin im Bundesliga-Fußballspiel gegen Werder Bremen.

 

Ronny Heberson Furtado de Araújo (27) war bislang nicht durch akrobatisch verrichtete Hausarbeit auffällig geworden, sondern wegen seiner gewaltigen Schüsse mit dem linken Bein und eigenmächtig verlängerter Heimaturlaube, aus denen er stets übergewichtig zurückkehrte.

 

Was uns der Autor sagen wollte? Dass der Ball unverhofft zu Ronny fand und der die Gele-

genheit zur Torschuss nützte. Ob der dafür geprägte Begriff „abstauben“ nur als kleiner Sündenfall zu gelten hat und der Kategorie „Fußballsprache“ zuzurechnen ist, bleibt dem Leser überlassen; ich glaube eher nicht. Auch für „langes Bein“ und „langer Ball“, ebenso für „kurze Ecke“ und „lange Ecke“ gibt es Wortwahlmöglichkeiten.

 

Übrigens war die Geschichte vom Abstauber Ronny eine Falschmeldung. Er staubte das Tor nicht mit dem Kopf ab, sondern mit dem Fuß. Schwer einzuschätzen, was schwieriger ist.

 

Merke: Auch unter Zeitdruck verfasste Agenturberichte sind redigierbar. Und eine Bitte: Mehr Sprachgefühl.

„Tausende standen an Hängen und Pisten“

Nicht nur Heinz Maegerlein bleibt durch Stilblüten in Erinnerung

Was hat er nicht, schwärmerisch fast, für Wortgirlanden gewunden, wenn er Eiskunstlauf übertrug. In der Süddeutschen Zeitung stand, es läge „irgendwo zwischen der liebevollen Kommentierung einer Modenschau und einer fundierten Theaterkritik“, was Heinz Maeger-

lein, in Leipzig geborener Reporter des Bayerischen Rundfunks, in den Sechziger- und Siebziger Jahren durch den Äther schickte. Er wurde als „Schöngeist des Sports“ wahrge-

nommen, aber auch als „Oberlehrer der Nation“.

 

In Erinnerung blieben aber, trotz ungezählter Reportagen und vieler Bücher, vor allem seine verbalen Ausrutscher. Hat es Heinz Maegerlein tatsächlich so gesagt oder wird es nur erzählt in einer Art Legendenbildung: „Tausende standen an den Hängen und Pisten“? Er hat - 1959 bei der Übertragung eines alpinen Skirennens. Und auch das ist belegt: Bei einer Schwimmsport-Veranstaltung ließ Maegerlein seine Zuhörer Erstaunliches miter-

leben: „Und nun wickeln die Damen ihre 100 Meter Brust ab.“

 

Ja, die Altvorderen. Wem fällt heute noch so Poetisches ein wie einst Ludwig Maibohm: „Und im Schein der untergehenden Sonne küsst der Ball die Latte?“ Maibohm scheute aber auch weder hinkende Vergleiche noch falsche Bilder. Über den Fußballer Kurt Jäger von der SpVgg Fürth: „Jäger wird eingewechselt und er beweist sofort, dass er kein Kammer-, sondern ein Feldjäger ist.“

Das gesprochene Wort entfleucht - und bleibt doch in Erinnerung

Doch dem war kaum das Wort entfahren, möcht er's im Busen gern bewahren.“ (Schiller, Die Kraniche des Ibikus). Es mag nicht ganz fair sein, die verbalen Ausrutscher der sport-

journalistischen Pioniere der Nachkriegszeit „von Funk und Fernsehen“, wie es früher hieß, zum Gaudium der Nachwelt aufzulisten. Aber davon sind halt mehr auf uns überkommen als vom geschriebenen Wort, welches überlegt werden kann, bevor es niedergeschrieben wird – und trotzdem gelegentlich fehl am Platz ist.

 

Natürlich enthält die Sammlung der Stilblüten auch lustige Sprüche, wie die Feststellung des Rundfunkreporters Werner Hansch:„Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Oder Makabres, wie die Behauptung von Harald Schmidt: „ Auch in Saudi-Arabien wird Fußball gespielt. Die Königsdisziplin dort heißt Köpfen“. Und Witziges. Günter Jauch beim Spiel Real Madrid – Borussia Dortmund, als das Tor umgekippt war: „Für alle Zu-

schauer, die erst jetzt eingeschaltet haben, das erste Tor ist schon gefallen.“

Anomalien, Farbenlehre, Völkerkunde und kuriose Statistik

ANATOMIE

Da geht er durch die Beine, knapp an den Beinen vorbei, durch die Arme.“ (Gerhard Delling).


Der Oberarm gehört zur Hand." (Béla Réthy).


Die Achillesferse von Bobic ist die rechte Schulter.“ (Gerd Rubenbauer).


Einen so harten Ellenbogen hat der in ganz Kolumbien noch nicht erlebt. Aber genau

genommen war es das Knie.“ (Gerd Rubenbauer).


Halten Sie die Luft an, und vergessen Sie das Atmen nicht.“ (Johannes B. Kerner).


Die Luft, die nie drin war, ist raus aus dem Spiel.“ (Gerhard Delling).

 

PHYSIK


"Wenn man ihn jetzt ins kalte Wasser schmeißt, könnte er sich die Finger verbrennen." (Gerhard Delling).


Die Tätlichkeit spielt sich außerhalb des Balles ab.“ (Hans-Reinhard Scheu).

 

WETTER


Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es hier noch wärmer.“ Heribert Faßbender auf Teneriffa).

 

VERGLEICHE


"Das da vorn, was aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama." (Béla Réthy).


Da geht er, ein großer Spieler. Ein Mann wie Steffi Graf.“ (Jörg Dahlmann).


Auch größenmäßig ist es der größte Nachteil, dass die Torhüter in Japan nicht die aller-

größten sind.“ (Klaus Lufen).

 

STATISTIK


Jürgen Klinsmann ist inzwischen 694 Minuten ohne Tor. Das hat vor ihm, glaube ich, nur Sepp Maier geschafft.“ (Harald Schmidt).


Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“ (Werner Hansch).


Man kennt das doch: Der Trainer kann noch so viel warnen, aber im Kopf jedes Spielers sind 10 Prozent weniger vorhanden, und bei elf Mann sind das schon 110 Prozent.“ (Werner Hansch).


Fußball ist inzwischen Nr. 1 in Frankreich. Handball übrigens auch.“ (Heribert Faßbender).


Es steht im Augenblick 1:1, aber es hätte auch umgekehrt lauten können.“ (Heribert Faßbender).

 

ZEIT UND RAUM


"Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.“ (Marcel Reif beim Spiel FC Bayern – Unterhaching).


Nein, liebe Zuschauer, das ist keine Zeitlupe, der läuft wirklich so langsam.“ (Werner Hansch).


Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ (Werner Hansch).


"Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.“ (Marcel Reif beim Spiel FC Bayern – Unterhaching).


FARBENLEHRE


"Norwegen in rot, die deutsche Mannschaft, das muss ich Ihnen nicht mehr sagen und da brauche ich auch gar nicht viel zu erklären, wie so oft – wie eigentlich immer, wie fast immer, in den Farben, die Sie kennen: In den weißen Trikots und den schwarzen Hosen. Aber, meine lieben Zuschauer, das wissen Sie ja sicher auch so, da muss man keine großen Worte mehr verlieren." (Heribert Fassbender).


Die 8.000 Zuschauer im Augsburger Rosenaustadion sehen durch die tiefstehende Sonneneinstrahlung jetzt aus wie die Sarotti-Mohren.“ (Ludwig Maibohm).


Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen.“ (Marcel Reif (beim Länder-

spiel Deutschland-Ghana).

 

VÖLKERKUNDE


Die Saudis sind übrigens Asienmeister, obwohl das ebensowenig Asiaten sind wie die Türken Europäer. Die Saudis haben ja gar keine Mandelaugen, wie man das von Asiaten erwartet. Das sind eher Araber statt Asiaten.“ (Heribert Faßbender).

 

FAMILIENNACHRICHTEN


Horst Sattler und Norbert Wodarzik, die beiden bekannten Stürmer des SSV Reutlingen, haben sich dieser Tage verlobt.“ (Sportkurier).

 

SONSTIGES

Was Sie hier sehen, ist möglicherweise die Antizipierung für das, was später kommt.“ (Wilfried Mohren).


Die Rudi-Rufe hat es vorher nur für Uwe Seeler gegeben.“ (Gerd Rubenbauer).


Zwei Minuten gespielt, noch immer hohes Tempo.“ (Holger Obermann).

 

VERSPRECHER


Das Spiel in Braunschweig zwischen Eintracht und dem Meidericher geht unentschieden 0:0 zu Ende. Die 30.000 Zuschauer haben einen Meidericher SV gesehen, der zwar nicht alles gehalten hat. Sie haben aber ein Eintracht gesehen, die es verstanden hat, wie gegen den HSV.., wie gegen Eintracht.., wie gegen den Kölner.., ach, wie gegen den 1. FC Köln zu keinem Tor..." (Kurt Emmerich).


Offenbach, das bis zur 62. Minute vorn lag, ist natürlich jetzt 0:2 im Rückstand und verständlicherweise gereizt.“ (Ludwig Maibohm).

Deutsch-deutscher Schreibtisch in Hammarstrand

Jürgen Kapsch erinnert sich an Helmut Stegmann

Jürgen Kapsch, der in Berlin lebt, erinnert sich an seine Begegnung mit Helmut Stegmann, dem 1997 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Vereins Münchner Sportjournalisten, damals Sportredakteur des Münchner Merkur. Weshalb dieser Text aus dem Jahr 1967 auch für Journalisten von Interesse ist, die damals noch nicht geboren waren? Weil er ein Stück sportjournalistischer Vergangenheit des Kalten Kriegs beschreibt, die  sich die Nachgeborenen - zum Glück - gar nicht mehr vorstellen können.


Als Rentner überkommt einen hin und wieder der Drang, Ordnung in seine journalistische Zettelwirtschaft zu bekommen. Beim Aufräumen fiel mir dieser Tage ein Programm von der Eröffnung der Rennrodel-Weltmeisterschaften 1967 in Hammarstrand/Schweden in die Hände. Ich war für die Ostberliner Sporttageszeitung „Deutsches Sportecho“ akkreditiert. Das eine Hotel, das es damals in Hammarstrand gab, war von der internationalen Föde-

ration FIL belegt, die Journalisten waren in Privatquartieren untergebracht. Als ich mich bei meiner Wirtin meldete, empfing sie mich mit den Wort: „Ein Kollege von Ihnen ist schon eingezogen.“

 

Meine Verwunderung war natürlich groß. Der Kollege war an der Bahn. Doch ein Blick auf den Kofferanhänger bestätigte meine Vermutung: Helmut Stegmann, München. Das war für DDR-Journalisten eindeutig ein „falscher Kollege“. Was war zu tun, im Jahre 1967? Ich ließ meinen Koffer in unserem „Doppeldeutschen-Zimmer“ und machte mich auf den Weg zur DDR-Mannschaftsleitung. Doch die hatte natürlich auch kein anderes Quartier. Aber immerhin den Ratschlag (für damalige Zeiten ungewöhnlich): „Dann bleibst du eben da, vielleicht kannst du ihn ja überzeugen, und er kommt mit dir in die DDR.“ Haha, schöner Witz.

 

Helmut Stegmann, der schon mit seiner Körpergröße das kleine Zimmer füllte, war ein an-

genehmer, umgänglicher Mitbewohner. Frühstück stellte die Wirtin, für den Kaffee sorgte Stegmann, denn beide waren wir zu der Auffassung gekommen, dass das angebotene Getränk nur entfernt etwas mit der Bezeichnung Kaffee zu tun hatte.

 

Den Höhepunkt unseres kurzen Zusammenseins bildete dann der Abschlusstag. Wir mussten beide der Veranstaltung eine politische Wertung verpassen. Und so saßen wir uns am Couchtisch mit unseren Reiseschreibmaschinen gegenüber und bewerteten jeweils folgenden Sachverhalt: Die Jury hatte die Schlittenkufen einiger Teilnehmer, die wegen der Kälte mit ihren Schlitten in einem beheizten Zelt auf den Start warteten, unter ihnen auch den des DDR-Piloten Horst Hörnlein, als zu warm eingestuft. Die Aktiven wurden wegen „Heizen der Kufen“ disqualifiziert. Sein Thema: Die DDR-Rodler betrügen.

 

Am Tag zuvor hatte die FIL die Weltmeisterschaften erneut nach Königssee vergeben. Königssee – wo sich die Organisatoren hartnäckig weigerten, für die DDR-Starter Flaggen aufzuziehen und die Hymne zu spielen. Der Protest gegen diese Entscheidung von allen sozialistischen Ländern war klar mein Thema: Unwürdiger Gastgeber für internationale Meisterschaften.

 

Bevor wir unsere Berichte ins Pressezentrum brachten, gaben wir uns die Texte zum gegenseitigen Lesen. Und das scherzhafte Versprechen: Wenn wir mal alt sind und unsere Memoiren schreiben, dann kommt diese Geschichte vom „gesamtdeutschen Doppel“ unbedingt rein.

 

Wir haben im Laufe der Jahre dann unseren Weg gemacht, der uns zwar mehr Verant-

wortung aber keine Berichterstattung mehr von Rennschlitten-Weltmeisterschaften brachte.

Sprachpflege

"Was für ein Unsinn", schnitt ihm Max das Wort ab

Über die unverzichtbaren Verben des Redens nach den " "

(27. Juli 2013) - Jahrzehnte lang ist der SZ-Redakteur Hermann Unterstöger nicht müde geworden, die Kollegenschaft auf ihre Sprachklopse hinzuweisen – mit wechselndem Erfolg. Jetzt, im Ruhestand, wendet er sich mit seiner Kolumne SPRACHLABOR an die verehrte Leserschaft. Aber weniger, um diese zu belehren, sondern sich bei ihr für Misshandlungen der deutschen Sprache in der Süddeutschen Zeitung zu entschuldigen.

 

Zuletzt beschäftigte sich Unterstöger mit den Verben des Redens. Anlass war die von einer Leserin zu Recht gerügte Misshandlung der deutschen Sprache: „Du magst uns ja für Schlagerfuzzis halten“, holt Bernd mit seinen großen Händen auf dem weißen Ledersofa aus.

 

Warum sprachlich falsch? Weil das Wort ausholen kein Verb des Redens ist, das zwingend einer wörtlichen Rede folgen muss. Davon bietet die deutsche Sprache über hundert Mög-

lichkeiten. Sagte, behauptete, erklärte, murmelte, flüsterte, brummte, brüllte, stotterte, lispelte stieß hervor, prahlte, flunkerte, log, usw. (http://www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/semant/wortfelder/sem_reden1.htm)

 

Also bitte nicht:

 

Ich habe kein Wort zum Schiedsrichter gesagt“, gab der Spieler sich unschuldig. Sondern: beteuerte der Spieler seine Unschuld.

 

Der FC Bayern bleibt in dieser Saison ungeschlagen“, setzte Uli Hoeneß ein hohes Ziel. Es muss/kann heißen: nannte Uli Hoeneß als hohes Ziel.

 

Der FC Bayern war heute Weltklasse“, schoss Uli Hoeneß über das Ziel hinaus. Sondern... z.B: behauptete Hoeneß im Überschwang.                                                                   H.E.

 

Studieren und Schreiben: Sina Ojo beim Interview mit Fabian Götze von der SpVgg Unterhaching.

Die schwierige Gratwanderung zum Traumberuf Anforderungen für Einsteiger sind gestiegen

VON KATRIN FREIBURGHAUS

 

Es klingt wie eine Geschichte aus dem berühmten Früher, in dem alles besser war. Sport­journalismus als Ausbildungsberuf; von der Schulbank direkt hinter die Schreibmaschine und ins Berufsleben. Man kann sich mit Ressortleitern unterhalten, deren berufliche Le­bensläufe genau so beginnen. Manche berichten, sie hätten in ihrem Leben lediglich eine einzige Bewerbung verschickt. Und obwohl es noch keine 30 Jahre her ist, dass sie diesen Weg einschlugen, hat er mit dem Alltag von Nachwuchsjournalisten heute nichts mehr zu tun.

 

Wer sich nach dem Schulabschluss auf ein Volontariat im Sportjournalismus bewirbt, sollte besser noch ein paar Alternativen parat haben - denn seine Chancen sind gering in einem Beruf, der sich erfahrene Einsteiger mit akademischer Karriere wünscht. Woher diese Qualifikation kommt, ist nicht das Problem der Verlage, Sender und Online-Portale.

 

Die richtige Balance zwischen Studium und Arbeit

 

Ohne Studienabsicht und vorhergehende Berufserfahrung wird es vielerorts schon schwer, überhaupt ein Praktikum zu bekommen. Wer diese Hürde genommen hat und sich sogar als freier Mitarbeiter empfehlen konnte, hat die größte Herausforderung allerdings erst noch vor sich: Sie besteht für junge Sportjournalisten zunehmend darin, die richtige Balan­ce zwischen Studium und Arbeit zu finden. „Wenn keine Ferien sind, muss man sich wirk­lich sehr gut organisieren“, sagt Gregor Röslmaier, „die Zeit richtig einzuteilen, ist eine Gratwanderung“.

 

Röslmaier ist 23, studiert Sportjournalismus und schreibt nebenher bei der AZ über Eis­hockey, Volleyball und Fußball, wobei „nebenbei“ das falsche Wort ist. Wenn in seinen Themengebieten viel passiere, komme es vor, „dass es sechs-Tage-Wochen mit ein biss­chen Uni und ganz viel Schreiben gibt“, sagt er.

 

Das Optimierungsproblem junger Journalisten, die ihre Ausbildung außerhalb von Journa­listenschulen erwerben, lautet: Ohne Uni kein Abschluss - ohne Praxis keine Zukunft da­nach. Am Ende kommt dabei oft irgendetwas zu kurz. Im besten Fall sind es nur die Aben­de mit Kommilitonen. „Samstags groß auf die Piste gehen ist nicht mehr, weil man am Sonntag ja konzentriert um zehn antreten will“, sagt Röslmaier.

 

Bachelos-Studiengang hat die Situation verschärft

 

Sportereignisse finden statt, wenn die Zuschauer frei haben. Sportjournalismus ist somit also ohnehin ein schwieriges Metier für alle, die gleichzeitig auf Institutionen angewiesen sind, deren Zeitplan anderen Gesetzen folgt. Noch einmal verschärft hat sich die Situation durch die verschulte Struktur der Bachelor-Studiengänge.

 

Ich merke schon, dass viele Studenten, die hier als Freie arbeiten, nicht mehr ganz so fle­xibel sind, wie es Studenten früher waren“, sagt Gerald Kleffmann von der Süddeutschen Zeitung, und fügt hinzu: „Wenn ich zehn Leute anrufe, konnten früher acht spontan einen Termin annehmen - heute sind es vielleicht zwei, wenn ich Glück habe.“

 

Sina Ojo versucht das Zeitproblem zu lösen, indem sie zumindest ihre Gedanken an zwei Orten gleichzeitig hat. Sie studiert Sport an der TU München und arbeitet bereits seit dem Abitur für die tz. „Ich schreibe meine Texte manchmal sogar in den Vorlesungen und schi­cke sie dann aus dem Hörsaal“, sagt sie.

 

Ihren Stundenplan nach persönlichen Vorlieben zusammenzustellen, kann sich die 21-

Jährige aus Zeitgründen nicht erlauben. Anders als bei Vorlesungen herrscht bei Übungen Anwesenheitspflicht - auch für die Gedanken. „Alle Sachen am späten Nachmittag sind deshalb suboptimal für mich, weil da ein Spiel angesetzt werden könnte“, sagt sie, „und die Zeit zwischen Mittag und frühem Nachmittag ist auch nicht gut, weil ich bis zum An­druck fertig sein muss.“ Ojos Übungen finden deshalb alle zwischen acht und zehn Uhr morgens statt. Sie hätte eigentlich gerne Basketball gespielt, stattdessen lernt sie jetzt klettern.

 

Komplexe Situation für künftige Journalisten und Arbeitgeber

 

Die Organisation ist durch die selbst gebastelte, zweigleisige Ausbildung aber nicht nur für die künftigen Journalisten, sondern auch für ihre Arbeitgeber komplexer geworden. Neben den Belastungen durch das Studium hat Kleffmann als Verantwortlicher für den Bayerns­port der SZ beobachtet, „dass sich die meisten Freien immer breiter aufstellen müssen, weil es keine Garantie mehr für irgendetwas gibt“.

 

Vor diesem Hintergrund übernehmen Ojo und Röslmaier dankbar Verantwortung, sobald sie ihnen angeboten wird. „Es wird auf diese Weise immer mehr Aufwand, wenn man in die Redaktion reinwächst und Aufgaben für einen da sind - aber man sagt natürlich nicht nein“, sagt Röslmaier.

 

Ojos Schwerpunkt verlagert sich Semester für Semester weiter in Richtung Praxis. „Im ersten stand die Uni noch im Fokus“, sagt sie. Mittlerweile geht sie für einen Abschluss dorthin, für ihr Leben lernt sie anderswo. Die Redaktion nehme Rücksicht auf ihre Prüfun­gen, versichert Ojo, aber sie mag sie nicht unbegrenzt einzufordern. „Wenn man einmal den Anschluss gefunden hat, will man ihn nicht wieder verlieren“, sagt sie.                      

Sprachpflege

Wolf Schneider, 87 Jahre jung? Ach, Frau Illner...Selbst ein Säugling ist zwar jung, aber eine Woche alt

Hagens Stimme ist 17 Jahre jung.“ Bericht über die Sängerin Carolin Hildebrand aus Hagen in Westfalen. (WAZ vom 28.8.2012).

 

16 Jahre junge Chinesin schwimmt Weltrekord“. Bericht über eine chinesische Olympiasie-

gerin. (FAZ vom 29.07. 2012 ).

 

Die Schwimmwelt staunt über Ye Shiwen. Nach ihrem WM-Sieg 2011 setzte die 16 Jahre junge Chinesin nun einen drauf. (Focus 29.7.2012).

 

Selina: Erst 17 Jahre jung und schon ein gefragtes Fotomodel.“ (Wochenblatt Altötting vom 1.8.2012).

 

Küken aus Naturbrut fast eine Woche jung.“ (deine-tierwelt.de/zwerghuhn).

 

Eine Dorfgemeinschaft wird 900 Jahre jung.“ (Magdeburger Volksstimme vom 29.8.2012).

 

Fünf Beispiele – alle sprachlich falsch. Die Sängerin Carolin Hildebrand ist zwar noch jung, aber 17 Jahre alt. Die Chinesin Ye Shiwen ist noch jünger, doch 16 Jahre alt. Die Küken sind vor einer Woche geschlüpft und trotzdem schon eine Woche alt.

 

Die Regel, dass der Altersangabe das Wort alt stehen muss, wird aber auch in Rundfunk und Fernsehen verletzt – vor allem bei der Sportberichterstattung, wo das Alter der Teilnehmer häufig genannt wird.

 

Niemand käme etwa auf die Idee zu behaupten, ein Säugling sei eine Woche jung. Erst viel später wird er dann 15 Jahre jung.

 

Gipfel der Sprachverwirrung: 900 Jahre junge Dorfgemeinschaft – das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.


Und noch eins drauf: Maybritt Illner am 21. Februar 2013 über ihren Gast Wolf Schneider: "87 Jahre jung." Ach, Frau Illner, es wäre so einfach gewesen: "87 Jahre alt, aber jung geblieben."


Wolf Schneider, Journalist und Sprachkritiker, Standardwerk "Deutsch fürs Leben", rügte Frau Illner nicht. War er dazu zu höflich oder des Kämpfens müde?

Vermisstenanzeige: "Deshalb" ist aus der deutschen Sprache verschwunden, "von daher" hat's verdrängt

Ich vermisse das Wort „deshalb“. Wo ist es geblieben, wo ist es zuletzt gesehen worden? „Deshalb“ ist heimlich, still und fast unbemerkt weitgehend aus der deutschen Sprache verschwunden; aus der gesprochenen fast vollständig. Ersetzt durch die „neudeutsche“ Wortschöpfung „von daher“, weiterentwickelt (bayrisch?) und besonders gruselig "von demher".

 

Zumindest mit dem „von“ vor „daher“ handelt es sich um eine überflüssige Wortblähung (www.sprache-werner.info/von-daher.1767.html). Ein Satz wie „von daher hat der Sohn nie Verständnis für den Beruf seines Vaters gehabt“ verliert nicht das Geringste, wenn man ihm das „von“ einfach streicht.

 

Mag sein, dass man das Adverb „von daher“ nicht generell verdammen kann. Es lässt sich einerseits damit erklären, dass „von daher“ eine rhythmische Ähnlichkeit zum gleichbe-

deutenden Wort „insofern“ hat; beide bestehen aus drei Silben und es kann gefälliger sein, seine Rede mit einem dreisilbigen Wort zu beginnen als mit einem Zwei- oder Einsilben-

wort.

 

Andererseits neigt die gesprochene Sprache nun einmal zur Wiederholung und Aufbläh-

ung. Zusätzliche Silben werden angehängt oder vorangestellt, um sicherzugehen, dass man auch richtig verstanden wird. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele: Auseinander divi-

dieren, lohnenswert, neu renoviert, persönlich anwesend, vollendete Tatsachen, vorpro-

grammiert, zusammenaddieren.

 

Die Konjunktion „daher“, meistens mit kausaler Bedeutung verbunden(ich habe Hunger; daher esse ich jetzt, wird durch Voranstellen des Wortes „von“ verziert. Das zusätzliche „von“ mit eigener Bedeutung führt den Hörer/Leser in eine falsche Richtung. Das über-

flüssige „von“ verursacht im Hörer/Seher Zweifel, ob eine und welche Bestimmung zum Inhalt des Satzes passt.

 

Daher ist es nicht gar so schlimm, wenn jemand beim Sprechen ein „von“ vor „daher“ setzt. Im geschriebenen Deutsch aber kann (muss?) darauf verzichtet werden, denn es um Klarheit, die man häufig leichter mit weniger als mit zu vielen Silben erreicht.


Die neue Sprechblase „von daher“ ist keine Bereicherung der Sprache etwa als Ausdruck der „natürlichen“ Sprachentwicklung“, sondern eine krasse Fehlentwicklung. Es besteht die Gefahr, dass wieder mit der Methode des unüberlegten Nachredens ein weiteres Objekt der Sprachverhunzung gepflegt wird. Analoge Schöpfungen liegen auf Abruf bereit: Von daran, von daraus, von dadurch, von dagegen, von damit, von darum, von hiermit, von warum usw. Beispiele: „Von daran arbeiten wir bereits.“ Oder: „Von hiermit begrüße ich sie herzlich“. „Von warum fragst du das?“

 

Von daher“ gehört deshalb (daher) wie so viele andere Sprachschöpfungen in die Müll-

grube der deutschen Sprache.

 

Was sagen die Wörterbücher zu „von daher“? Zur Zeit ist es noch nicht erwähnt. Beim Duden dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die sprachliche Neukonstruktion die Duden-Weihe erhält, wie „davon ausgehen“ als Ersatzbegriff für „annehmen, „erwarten“.

                                                                                                                             Hans Eiberle

 

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