Verein Münchner Sportjournalisten
Verein Münchner Sportjournalisten

 Das Bild zeigt den Autor im ‘22er In-Look - natürlich mit Maske, wie es sich gehört., auch wenn es der Optik wg. keine FFP2 ist…

Jupp Suttner (Jupp Suttner - Chefredakteur, Reise-Stories.de), 1948 in München geboren, seit 1970 Mitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS), ist ein vielfach preisgekrönter Sport– und Reisejournalist sowie Buchautor. Er lebt in Weyarn, in der Nähe von Golfplatz und Skipisten. Suttner schrieb und schreibt auch Kolumnen, seit einem Jahr den Juppsletter. Nummer 53 hat er, auf Anfrage, für vms-sportjournalisten.de zur Verfügung gestellt. JUPPSLETTER

Ausgabe Kick 011

vom 14. September 2022 

Liebe Freundinnen,
Freunde & Freundiv.,

elf Tage lang existierte kein anderes Thema als LE-WAN-DOW-SKI ! 

Einen winzigen Ausschnitt dessen, was sich in jenen elf Tagen abspielte, findet ihr in dieser Sammlung, die heute auf Fussball-Stories.de erschien und morgen in einigen Tageszeitungen zur Veröffentlichung kommen wird. 

Für EUCH hier im JUPPSLETTER schon heute! 

Bittesehr


FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.
(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

11 Tage voller Lewandowskisterie


Samstag, 3. September 2022:

Nach dem Heim-1:1-Unentschieden vor einer Woche gegen Borussia Mönchengladbach kommt der FC Bayern auch bei Union Berlin über ein 1:1 nicht hinaus. Wäre das mit Lewandowski vorne drin auch passiert?

 

Sonntag, 4. September:

Der FC Barcelona gewinnt 3:0 beim FC Sevilla. Natürlich erzielt auch Lewandowski einen Treffer.

 

Montag, 5. September:

Der FCB und der FCB bereiten sich intensiv auf ihre Champions League-Spiele vor. Lewy wird dabei übermorgen erstmals das CL-Dress seines neuen Klubs tragen.

 

Dienstag, 6. September: 

Am Tag vor dem FCB & FCB-CL-Einstieg 2022/23 ist kurzes Durchatmen angesagt – am besten mit dem legendären und wunderbaren „Lewandowski-Song“-Video:

https://www.youtube.com/watch?v=jyfARgCE9qo 


Mittwoch, 7. September:

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“ (Andy Möller) – ist nicht die Hauptsache für den FC Bayern, sondern ein respektabel ungefährdeter 2:0-Erfolg bei Inter Mailand (Italien). Deren Dzeko ist eben kein Lewandowski. Der wiederum schießt zu Hause drei Tore für Barca gegen Viktoria Pilsen. 

PS: Andy Möller behauptet inzwischen, sich nicht mehr erinnern zu können, ob er das so gesagt habe. Ein Video des Spruches existiert jedenfalls nicht. Dafür jedoch folgendes von Andy Möller, welches seine These, dass er sich nicht mehr so recht erinnern könne, durchaus unterstützt:

https://www.youtube.com/watch?v=-n37QMWBF2I  

 

Donnerstag, 8. September:

Nagelsmann verrät, dass man im Sommer als Lewy-Nachfolger gerne einen Mittelstürmer verpflichtet hätte, wenn einer der hochklassigen Art tiefpreisig hergegangen wäre. Doch der Markt sei leer gewesen. 

 

Freitag, 9. September:

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann droht auf der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den Tabellen-12. VfB Stuttgart tags darauf in der Allianz Arena: „Wenn einer morgen die Handbremse anzieht, kann er am Dienstag die Parkbremse einlegen!“

 

Samstag, 10. September: 

Ein spanischer Fernsehreporter kniet vor Robert Lewandowski. Also nicht direkt vor ihm persönlich – sondern vor einem überlebensgroßen Foto des Torjägers. Es hängt in den Katakomben der Münchner Allianz Arena. 

Der TV-Mann lässt sich in dieser Pose filmen und spricht ins Mikrophon. Es muss etwas Ehrerbietiges sein, was er dabei von sich gibt. Vielleicht schildert er, dass in wenigen Tagen, am Dienstag, dieser Lewy hier auftauchen wird – hier, wo er immer noch eine Stadionwand ziert, obwohl der Abschied aus München doch mit etlichen Nickligkeiten versehen war. 

Rund 90 Minuten später wird der spanische Journalist dann vermutlich berichtet haben: Dass die Bayern zum dritten Mal hintereinander in der Bundesliga nur Unentschieden gespielt hätten, gegen einen Verein, der in der Tabelle ziemlich weit unten rangiere – und dies, obwohl der FCB zwei Mal in Führung gelegen habe. Und ob dieses aus Münchner Sicht missglückte Match nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sei für den FC Barcelona:

Gut für Barca, weil die Bayern nun vielleicht verunsichert sind? 

Schlecht für Barca, weil die Bayern sich nun in der Champions League ganz besonders intensiv am Riemen reißen würden?

Münchner Reporter tun sich da mit ihren Erkenntnissen einfacher: 

Resultatsmäßig mäßiger als in der Bundesliga geht es für den FCB fast nicht mehr. 

Aus der Anfangseuphorie vor wenigen Wochen ist eine halbe Depression geworden. 

Und da können sie gegen Barcelona mit ihrem Lewandowski die Punkte bereits heute freiwillig abtreten.

Zugleich zürnt Thomas Müller am Spielfeldrand bei Sky:

„Über die Unentschieden gegen Gladbach und Union Berlin waren wir genervt. Aber jetzt sind wir erstmals richtig sauer – auf uns selbst.“

Sauer und genervt scheint auch Trainer Nagelsmann in der Pressekonferenz nach der Partie. Erkenntlich ist dieser Gemütszustand nicht an den Worten, die er findet – sondern an der Art, wie er sie von sich gibt. Wie er Fragen („Was bedeutet das für die nächsten Wochen?“) einfach ignoriert, wie er seine Sätze in einer Mischung aus Zurückhaltung und Trotz einfach monoton aus sich gleiten lässt, als sei er eine Maschine. Und damit beweist, dass er eben keine Maschine, sondern ein Mensch ist, dem irgendwann einfach keine flapsigen, lässig-coolen Statements mehr in den Sinn geraten.

Wir würden ihn gerne fragen, ob er sich vielleicht beim Rotieren in der 2. Halbzeit etwas verzockt habe mit den Aus- und Einwechslungen, denn der FCB hatte mit seinem plötzlich nicht mehr vorhandenem Rhythmus und dafür vorhandener (Nach-)Lässigkeit ab der 75. Minute um ein Gegentor geradezu gebettelt. Aber keiner von uns Reportern im Pressesaal wagt es, diese Frage zu stellen.

Und man denkt dann halt doch ein bisschen an Nagelsmanns Freitags-Statement in punkto Handbremse und Parkbremse. Wer der heute kickenden wird sich am Dienstag auf dem Parkplatz statt in der Startelf finden?

Garantiert auflaufen wird am Dienstag Robert Lewandowski. 

 

Sonntag, 11. September:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.
(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

Die Redaktion von www.Fussball-Stories.de 
verfasst folgendes Ding/Dang/Dong zu diesem Wochenende Match:

DING (super): Dass die Bayern trotz des kläglichen Unentschiedens gegen Stuttgart in der Bundesliga-Tabelle nicht etwa zurückfallen, sondern weiterhin Dritter sind. Nunmehr hinter Union Berlin und dem SC Freiburg. (Statt wie vor dem Spieltag hinter Freiburg und Dortmund.)

DANG (auch nicht schlecht): Dass es immer noch genügend Bayern-Fans gibt, die Lewandowskis Verdienste um den FCB nicht vergessen haben und weiterhin sein Trikot auf den Tribünen der Allianz Arena tragen.

DOOOOOONG (beruhigend): Dass Lewandowski in der spanischen Liga nur ein einziges Tor beim 4:0-Sieg gegen den Tabellenletzten Cadiz erzielt hat. Und des Weiteren beruhigend: Dass laut Münchner Abendzeitung der Datendienstleister Opta einen Weg gefunden habe, übermorgen Lewy auszuschalten – mittels „low block“. Letzteres bedeutet: Der FC Bayern müsse sich nur hinten reinstellen.

Sozusagen DUUUUUUUNG (eher mau als gut) fallen die Spieler-Noten der Münchner AZ und der tz zum gestrigen Spiel auf deren Websites aus:

Bei beiden gibt es die Note 2 für Tel und Musiala.

Bei beiden gibt es die Note 3 für Mazraoui, und Davies.

Bei beiden gibt es die Note 4 für de Light, Goretzka und Müller.

Unterschiedlich gesehen werden:

Neuer (AZ 4, tz 3)
Kimmich (AZ 5, tz 3)
Gnabry (AZ 5, tz 4).

Die 1 und die 6 werden an niemand vergeben.

Und welche Noten hat es für Barcelona bei der in Madrid erscheinenden spanischen Sportzeitung MARCA, die täglich rund 2 Millionen Leser/innen erreicht, gesetzt?

Nun - ** von *** möglichen Sternen gibt es für Trainer Xavi. (Wie viele Sterne hätte Nagelsmann für das VfB-Spiel erhalten?)

Und bei den Spielern erreichen jene ** Sterne Aurauo, De Jong, Busquets, Gavi, Dembélé – sowie natürlich Lewandowski.


Montag, 12. September: 

Die Süddeutsche Zeitung ironisiert über den schlechtesten Bayern-Bundesliga-Start seit zwölf Jahren (nach dem 6. Spieltag) und den vergebenen Chancen: „Ätschbätsch, der Lewandowski vergibt solche Chancen aber nicht!“

Und Stefan Effenberg prophezeit in seiner Sport 1-Kolumne:

„Jetzt kommt es zum Duell mit dem FC Barcelona und Wiedersehen mit Robert Lewandowski. Das wird eine große Herausforderung. Ich sage es mal so: Die Chancen, die Bayern zuletzt ausgelassen hat, die wird Lewandowski ausnutzen.“

 

Dienstag, 13 September:

Eine Radiomoderatorin von Bayern 1 hofft am Nachmittag, dass Thomas Müller – der heute 33 wird – an seinem Geburtstag den Ball nicht etwa zu Lewandowski passt, wie so oft während ihrer gemeinsamen Bayern- Zeit. Radio Müller zur Radio-Frage, wie man Lewy empfangen werde: „Hart aber herzlich!“.

Kein Mensch sagt heute übrigens, er gehe abends zu den Bayern oder zu Barcelona. Jede/r sagt: „Heute Abend gehe ich zu Lewandowski!“ Und als wir zu ihm in die Arena gehen, checken wir als Erstes, ob er immer noch an der Wand hängt wie letzten Samstag. 

Er hängt. Und wird hoffentlich sein Leben lang dort platziert sein ob der Verdienste, die er dem Verein gebracht hat: 100 000 Tore, null Euro Ablösesumme beim Einkauf, 45 Millionen Euro Einnahme beim Verkauf. Etwa 90 Minuten vor Anpfiff dringen schrille Pfiffe von den Tribünen bis ins Innere der Arena. Anscheinend hat Lewy den Rasen betreten. Bei der Mannschaftsverkündung dann bewegen sich Pfiffe und Beklatschung gegen bzw. für ihn privatgeschätzt bei 60:40. Nagelsmann kurz darauf ins Prime-Mikro: "Lewy ist im Strafraum der beste Stürmer der Welt. Man sollte immer ehemalige Mitarbeiter, egal in welcher Position und in welcher tragenden Rolle, sympathisch empfangen."

In der 17. Minute besitzt er eine Großchance, drischt jedoch über das Tor. 21. Minute zweite Großchance – doch Neuer hält seinen Kopfball ausgesprochen reaktionsschnell. Und das Match? Ein temperamentvolles Spiel mit etlichen Chancen und Fast-Chancen für beide Teams, bei denen oft nur Zentimeter zum Gelingen des entscheidenden letzten Passes fehlen. Barca ist technisch gewandter, Bayern kampfkräftiger. Was sich in der zweiten Spielhälfte dann in zwei Treffern durch Hernandez (Kopfball 51. Minute) und Sané (wieder mal ein Extra-Sahnestück von ihm, 54.) niederschlägt.

Das begeisternde Match könnte auch eine Viertelfinal-Partie des nächsten Frühjahrs sein – voller Klasse und Energie. In der 78. Minute wird Lewy bei der Ausführung eines Freistoßes aus 18 Metern gnadenlos ausgepfiffen. Der Ball geht drüber. Lewandowski bleibt an diesem Abend torlos und fügt seinen neun Treffern in den bisherigen sechs Partien für Barca keinen weiteren hinzu.

Und wie hat Lewy Ihrer Meinung nach heute gespielt, Herr Nagelsmann? „Er hat ein gutes Spiel gemacht, aber wir hatten ihn gut im Griff. Und diese Frage ist mir seit Abpfiff heute Abend inzwischen etwa 65 x gestellt worden und ich möchte dazu nur sagen, dass er jetzt bei einem anderen Verein spielt und ich mich um die meinen kümmern muss.“

Und nicht um Lewandowski. 

Doch die Frage wird ihm erneut rund 65 Mal gestellt werden. Nach dem Rückspiel in Barcelona in einigen Wochen. 

DING (super): Dass die Bayern die beiden internationalen Championsleague-Herausforderungen gegen Mailand und Barcelona jeweils mit 2:0 für sich entschieden,

DANG (auch nicht schlecht): Dass sie dabei jeweils zu null spielten!

DOOOOOONG (beruhigend): Dass man manche Sachen einfach nicht erzwingen kann. „Wieso, Herr Nagelsmann, nützt Ihre Mannschaft in der Champions League die Chancen besser als in der Bundesliga?“ Der Bayern-Coach: „Da gibt es keine Erklärung. Entweder man macht die Chancen oder man macht sie nicht.“

Jupp Suttner

 

Und hier findet ihr – aus dem FC Bayern-Newsletter – kostenlos die besten Szenen des Spiels:   https://fcbayern.com/de/news/2022/09/fc-bayern---fc-barcelona-die-kostenfreie-zusammenfassung-des-champions-league-spiels?utm_campaign=KW37_NB_Barca__Mailing_1&utm_medium=Klub&utm_source=newsletter&utm_term=episerver
 

Und hier könnt ihr frühere DingDangDong-Kolumnen lesen:

https://fussball-stories.de/category/kolumnen/fc-bayern-kolumne-ding-dang-dong/

 

Ausgabe Kick 010 vom 15. August 2022

 

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

FC Bayern-VfL Wolfsburg 2:0 (2:0)

 

  Natürlich gelang Müller nicht alles. Niemand gelingt immer alles. Aber eines gelang ihm an diesem Sonntagspätnachmittag geradezu blendend: Als er in der 73. Minute einen Meter innerhalb der Außenlinie einem Wolfsburger auf seine valentineske Art einen Ball weg-stibitzte – direkt mit Blickkontakt zu Niko Kovac, der einen Meter außerhalb der Linie stand. Eine Aktion wie ein Statement vor den Augen seines Feindes. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn Müllers Gattin Lisa eine Jubelmeldung nach der anderen über diese 73. Minute via TikFaceTwitterGramTok veröffentlicht hätte. So wie im Herbst 2018 bei einem Aufeinandertreffen mit Freiburg – ein Ereignis, über welches Fussball-Stories.de damals schrieb:

  „Am Ende der Pressekonferenz beantwortete Niko Kovac eine Frage mit einem einzigen Wort: „Nichts.“ Die Frage eines Journalisten hatte gelautet, was er denn davon halte, dass Thomas Müllers Ehefrau Lisa in etwa der 71. Minute, als ihr Mann eingewechselt wurde, auf Instagram über den Bayern-Coach postete bzw. pestete: „MEHR ALS 70 MIN BIS DER MAL EINEN GEISTESBLITZ HAT.“ Während Gatte Thomas ihre Aktion nicht gerade in den Rang eines Geistesblitzes erhob und nach Spielschluss zum Ausdruck gab, dass er das weniger super finde. Aber: „Sie liebt mich halt – was soll ich machen…“

  Zurück in die Gegenwart, gegen Wolfsburg ‘22 am Samstag. Thomas Müller gelang wie gesagt nicht jeglich alles. Aber fast alles: Er öffnete Räume und schloss Lücken, er er-oberte Bälle und holte Ecken heraus, er grätschte ab und spielte schlaue Pässe, gab den entscheidenden Assist,zum 1:0 und vor allem: Er schoss auch ein Tor – einen Müllertypi-schen Abpraller in der 43. Minute zum beruhigenden 2:0.

  Eine Art Entscheidungstreffer von ausgerechnet Müller, der Niko Kovac einen ganz be-sonders schmerzenden Stich ins Herz versetzt haben dürfte. Denn: Müller ins Abseits statt ins Team gestellt zu haben in seiner Bayern-Trainer-Zeit 2018/19 und ihm eher eine Strie-gel-Rolle im Pferdestall der Ehefrau als eine Wichtig-Rolle in der FCB-Mannschaft zuge-dacht zu haben – war wohl der Anfang von Kovac‘ Münchner Ende. Er wird garantiert daraus gelernt haben: Leg‘ Dich als Coach niemals mit den Führungskräften der Kabine an – du bist chancenlos gegen sie.

  So chancenlos wie sein Wolfsburger Team am Sonntag in München gegen die Mia san mia-Männer. Sicher, die VW-Metropolisten besaßen Torgelegenheiten und bemühten sich redlich, aber was ihnen fehlte, war ein Mann wie - Müller. Sowie einer wie Musiala, der bei seinem 1:0 (33.) eine Symbiose von Feinfühligkeit und zugleich Durchsetzungsfähigkeit offenbarte, die einfach entzücken musste.

  702 Pflichtspiele bestritt Torwart Sepp Maier einst für den FC Bayern – FCB-Rekord.

An 2. Stelle: Keeper-Kollege Oliver Kahn (632).

  Doch wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der FC Bayern-Boss demnächst überholt werden – von Thomas Müller. Nur noch eine Handvoll Matches fehlen dem Feldspieler, um sich zwischen die beiden Torhüter zu drängen. Und diese Handvoll wird er sicher noch absolvieren.

  Höchstens Niko Kovac wird noch in dieser Woche zum FC Bayern-Trainer ernannt.

 

DING (super): Dass die Bayern auch ohne großes Spektakel (wie in Leipzig und Frank-furt) souverän siegen können.

DANG (auch nicht schlecht): Dass Pavard immer besser und besser wird – seit er weiß, dass er in München bleiben wird.

DOOOOOONG (beruhigend): Dass Manuel Neuer noch genügend Potential nach oben besitzt, um sein momentan etwas untenstehendes Spiel mit dem Ball am Fuß auf sein übliches Niveau zu hieven.

Ausgabe 63

vom 24. Mai

 

  Zwei Mal in meinem Leben habe ich für eine Frauenzeitschrift geschrieben: das erste und das letzte Mal. Und zwar vor etwa 30 Jahren. Zuerst war ich begeistert, denn das Thema war meines („Was man als Jogging-Einsteigerin zu beachten hat“) und das Honorar beträchtlich. Es herrschten noch Goldgräberzeiten im freien Journalismus. Auf mich als Autor waren sie gekommen, weil ich in einer MÄNNER-Zeitschrift (Kicker) für die Freizeitsportseite textete. Anderer Blickwinkel und so.

  Als ich einer befreundeten Journalistin von meinem Glück erzählte, gratulierte sie mir: dazu, dass ich nur einen Text von zu Hause aus zuzuliefern habe. Während sie (bei einer anderen Frauenzeitschrift) als Redakteurin täglich in diesem Zickenzirkel antanzen müsse – einer Giftküche, wie ich sie mir nicht vorstellen könne: Jede gegen alle – so ähnlich werde es wohl nur noch im „Haifischbecken“ (wie die - männlich dominierte – SPIEGEL-Redaktion stets genannt wurde) zugehen.

  Das beginne schon damit, begann sie die Schilderung ihrer Frauenredaktions-Hölle, dass man jeden Tag eine Stunde vor dem Spiegel (nicht dem Verlagsgebäude) verbringen müsse, um die passende Bekleidung für den Tag zu finden. „Denn wenn du irgendetwas Falsches trägst – dann bist du den ganzen Tag das Gespött der Redaktion!“ Wobei man dieses Gespött natürlich nur hintenherum erfahre, von einer wohlmeinenden Kollegin, die es liebe, Kolleginnen das Messer in den Rücken zu rammen.

  Okay, bitter, gruselig – aber nicht mich betreffend. Froh lieferte ich meinen Text ab. Er schien mir gut gelungen, ja, er passte meines gockeligen Erachtens zufolge sogar PERFEKT!

  Es passte nicht. Das habe sie sich ganz anders vorgestellt, wie man dieses Thema anpacke, legte die Redakteurin, die sich meines Manuskripts angenommen hatte, die Stirn in Falten. (Das ist jetzt frei erfunden, das mit der Stirn, denn wir sahen uns ja nicht, sondern telefonierten.) Ich müsse das umschreiben.

   Ich schrieb um. „Das ist jetzt schon ein bisschen besser“, meinte sie nach ihrer nächsten Begutachtung. „Ich gebe die Geschichte jetzt noch an die Ressortleiterin, dann wird das schon passen.“

   Es passte nicht. Das habe sie sich ganz anders vorgestellt, wie man dieses Thema an-packe, legte die Ressortleiterin die Stirn in Falten. (Das ist jetzt auch frei erfunden, das mit der Stirn, denn wir sahen uns ja nicht, sondern telefonierten.) Ich müsse das um-schreiben.

  Ich schrieb um. Und die Ressortleiterin war nun zufrieden. „Ich gebe die Geschichte jetzt noch an die Stellvertretende Chefredakteurin, dann wird das schon passen.“

  Es passte nicht. Das habe sie sich ganz anders vorgestellt, wie man dieses Thema anpacke, legte die Stellvertretende Chefredakteurin die Stirn in Falten. (Das ist wiederum frei erfunden, das mit der Stirn, denn auch wir sahen uns ja nicht, sondern telefonierten.) Ich müsse das umschreiben.

  Ich hatte keine Lust mehr.

  Und faxte nun einfach den Text, den ich als Allererstes geschrieben hatte, die gewisser-maßen Ur-Form, an die Stellvertretende Chefredaktion. Diese legte nun nicht mehr die Stirn in Falten, sondern lobte anerkennend: „So kommen wir der Sache nun schon näher!“ Und man sehe dem Text an, dass ich beim Schreiben genau an die richtige Person gedacht habe. Das würde sie jetzt ganz privat interessieren – wie ich die Person denn genannt habe: Brigitte? Laura? Lisa? Tina?

  Ach so, jetzt fiel es mir wieder ein. Bei der Auftragsvergabe war mir mitgeteilt worden, dass ich mir beim Schreiben vorstellen solle, mein Text richte sich an eine etwa 35jährige Frau, die einen netten Büro-Job ausübe, was ihr einerseits genüge, da sie ja verheiratet sei, sich aber privat gerne weiterentwickele. Dies sei die Zielgruppe der Zeitschrift. Und wenn ich dieser Zielperson einen Namen verpasse, dann fiele es mir garantiert NOCH leichter, zielgruppengerecht zu schreiben.

Marie“, sagte ich. „Ich habe nur an die Marie gedacht.“

Marie ist hübsch“, anerkannte die Stellvertretende Chefredakteurin. „Sie sollten“ (man siezte sich damals noch) öfter etwas für Marie schreiben!“

  (Okay, okay, dieser kleine Kursiv-Dialog ist – wie die in Stirn in Falten gelegte Szenerie – gleichfalls erfunden. Aber ich befand mich in Gedanken gerade in Hollywood als Dreh-buch-Autor einer seichten Komödie. In Wirklichkeit sind Stellvertretende Chefredakteur-innen nicht so blöd, sich von einem Freelancer veräppeln zu lassen und wissen genau, was mit Marie gemeint ist.)

  Um zur Wahrheit zurück zu kehren: Ich hatte damals beim Verfassen der Jogging-Story an keine 35jährige Jobzufriedene Privatlernbegierige gedacht, sondern einfach an die Fakten des Themas. Die eigentlich für alle Altersklassen passten.

  Und in Teilen sogar für Männer.

Ausgabe Kick 008

 

JUPP SUTTNERs FC BAYERN-KOLUMNE:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

(10. Mai 2022) - Nach der 10 ist vor der 11 – und was uns schwer bedrückte während des 10er-Titeljahres: dass es vor Spielbeginn kein Büffet und während der Halbzeitpause keinen Kuchen mehr für uns Medienschaffende gab. Denn die Delikatessen, die der FCB uns jahrzehntelang offerierte, standen in der Sportjournalistenzunft vom Image her stets unweit vom Glanz eines goldenen Ribéry-Steaks. Doch diese Saison – nur Sandwiches. Fleischhaltig oder vegetarisch. Die mit Fleisch waren stets rasch vergriffen.

  Und was den fehlenden Halbzeit-Kuchen betraf: Manche Reporter blieben einfach lieber auf ihren eiskalten Plastiksesseln der Arena sitzen, statt sich ins behagliche Presse-entrum im warmen Bauch des Stadions zu begeben. Als ich eines Spieltages von dort zur zweiten Spielhälfte zurückkehrte und dem mindestens 1,50 Meter entfernt neben mir arbeitenden Kollegen schilderte, dass es „heute sechs verschiedene Torten-Sorten gege-

ben“ habe, weiteten sich vor Entsetzen seine Augen. Und ER, der Trottel, dachte er über sich, hatte sich das entgehen lassen! Seine ansonsten milden Gesichtszüge verkrampften in tiefstem Schmerz und er drohte zu kollabieren, weshalb ich rasch die Wahrheit preisgab: „Nur Spaß – nix hods gem!“ Erleichtert griff er sich ans Herz.

  Damit könnte ich diese Geschichte eigentlich schon beenden, denn das wichtigste Thema – Ernährung/Überleben – ist ja bereits abgehandelt. Doch wenn man im Presse-zentrum der Allianz Arena sitz und der Magen knurrt und man nicht nach Hause fahren kann wegen grundlegender Fröttmaninger Verkehrsfehlplanung und dadurch ewigem Stau – dann bleibt nichts anderes übrig als weiter in den Laptop zu hacken. Obwohl der gar nichts dafür kann.

  Jedenfalls, wie ich schon von mir gab: Nach der 10 ist vor der 11! Wobei dieses 10 textilistisch schon ein wenig in die 11 hinüber lappte, denn gegen den VfB traten die Bayern-Models bereits mit dem Home-Trikot der nächsten Saison an. Nicht etwa, um das Merchandising den Sommer über anzukurbeln, sondern um sich einfach an das neue Design zu gewöhnen und die Mit- statt Gegenspieler anzuspielen, was aber gegen Stuttgart nicht immer wirklich gelang.

 

Das Authentik-Trikot - ein Schnäppchen für 140 Euro

 

  Die Authentic Version des Trikots kostet in den Fans-Shops übrigens knapp 140 Euro, was als wahres Schnäppchen betrachtet werden kann – weshalb der FCB den Preis min-destens verdoppeln sollte. Denn nur so erscheint es möglich, dass die Spieler genügend verdienen, um ihr Team Building nicht mehr im popeligen Ibiza (das sich sogar mein Nachbar 2 x jährlich leisten kann!) abhalten zu müssen, sondern sich etwas Anständiges wie Mauritius oder die Malediven leisten können.

  A propos Ibiza: Der einstige Löwen-Trainer Max Merkel ließ im Training mal die Alkoholi-ker gegen die Nichtalkoholiker kicken. Als die Alkoholiker siegten, sagte er: „Saufts weiter!“. So gesehen muss der FC Bayern in Ibiza keinen einzigen Drink konsumiert haben, wie sie teilweise in der 2. Halbzeit gegen Stuttgart auftraten.

  Nach der 10 (mit Corona-Kimmich, Katar, der Ein-/Aus-Wechsel-Posse und anderen filmreifen Dramen) ist vor der 11 – und auf dem Weg zu jener 11 wird es für den FC Holly-wood demnächst so richtig aufgehen.

  Was die BUNTE-Gala-Yellow-World betrifft: mit Home-Stories im Home Trikot mit Leroy Sanè in seiner neuen 8 Millionen-Dollar-Villa in den Hügeln von Hollywood, die er sich kürzlich zulegte und dabei naher Nachbar von Justin Bieber und Katy Perry wurde. Vielleicht könnte man ja auch dort Team Buildings abhalten. Justin Love yourself:

 

https://www.youtube.com/watch?v=oyEuk8j8iml

https://www.youtube.com/watch?v=QGJuMBdaqIw

 

Könnten dabei ein Home Trikot überstreifen und gemeinsam mit den Kickern ein wenig den Stern des Südens besingen und dieses Video dann viral gehen lassen, um mit 5 Prozent an jedem Hemdenverkauf beteiligt zu sein.

  Nach der 10 ist vor der 11 – doch diese 11 ist nur zu schaffen, wenn für die Abwehrirgendein gestandener erwachsener Mann verpflichtet wird, der die Youngster Upa und Nian führt und leitet. Eine Art defensiver Generalsekretär. Ob Salihamidzic einen findet? Vielleicht sollte der FCB diesen Spezialtransfer dann doch lieber Markus Söder anvertrauen, dem Präsidenten des FSB (Freistaat Bayern). Der kann alles, und vor allem Generalsekretär.

  Nach der 10 ist vor der 11 – auch wenn einige Bayern-Matches 2021/22 eher an ein 5 nach 12 erinnerten, bei deren Betrachtung man sich gar nicht vorzustellen vermochte, dass es eine 11 überhaupt geben wird.

  Oder eine 33 – denn unglaubliche 32 Mal sind die Bayern seit erstmals 1932 Deutscher Meister geworden.

  Also: Nach der 32 ist vor der 33 – auf geht’s Bayern, auf geht’s! Aber bitte mit Büffet.

  DING (super): Dass die Bayern gegen den VfB zwischendurch immer wieder großen Willen zeigten, es Magath zu zeigen.

  DANG (auch nicht schlecht): Dass Süle so liebevoll vom FCB und auch den Fans verabschiedet wurde.

  DOOOOOONG (beruhigend): Dass der FC Bayern nur noch ein einziges Spiel in dieser Saison zu bestreiten hat (kommenden Samstag in Wolfsburg) – und sich dann voll auf die TV-Übertragung des Champions League-Finales konzentrieren kann.

Etwa ein halbes Dutzend FC Bayern-Videos vom gestrigen Sonntags-Jubel-Nachspiel hier:

https://fcbayern.com/fcbayerntv/de/video/2022/05/die-pressekonferenz-mit-julian-nagelsmann-nach-dem-heimspiel-gegen-den-vfb-stuttgart

JUPP SUTTNERs FC BAYERN-KOLUMNE:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

FC Bayern-FC Villareal 1:1 (0:0) / (Hinspiel 0:1)

  THOMAS MÜLLER:JETZT STEHEN WIR DA…“

  Thomas Müller stand da und sagte: „Jetzt stehen wir da…“ Vier Worte, aussagekräftig wie ein 400 Seiten-Drama. Eines ohne happy end. Sondern mit einem sudden death. Er trat in der 88. Minute ein – als Villareals Nr. 11, Chukwueze, den 1:1-Ausgleichstreffer erzielte. Wenig später: Schlusspfiff, Aus, Bayern draußen, gescheitert im Viertelfinale am 7. der Spanischen Liga.

  Auch Matthias Sammer stand da, der Alt-Experte, und erklärte den taktischen Fehler, der zu diesem Villareal-Treffer geführt hatte, irgendetwas mit Abseits aufgehoben durch Alphonso Davies, aber keiner mit den aschfahlen Gesichtern ringsum wollte es so ganz genau wissen – änderte ja doch nichts mehr.

  Eine Minute zu früh kam Alphonso Davies ins Spiel. Eingewechselt in der 87. Minute. Nun gut, vielleicht wäre dem ausgewechselten Lukas Hernandez das gleiche Malheur passiert. Aber vielleicht auch nicht. Sich taktisch falsch zu verhalten – und dadurch dem Gegen-spieler einen Torschuss zu ermöglichen, der dann auch saß und Bayern aus der Champions League katapultierte.

  Trägt jetzt Nagelsmann die Schuld, weil er mit der Phonzie-Einwechslung nicht bis zur Verlängerung wartete? Wo man 30 Minuten Zeit gehabt hätte, sich neu zu ordnen? Oder wäre Nagelsmann der große Trainer-Held gewesen, wenn Davies auf der linken Seite so viel seines berühmten Dampfes gemacht hätte, dass die 1:0-Führung in ein 2:0 verwandelt worden wäre?

 

Die Grundsatzfragen

 

  Weder/noch. Denn “der Wechsel war nicht freiwillig“, so Nagelsmann, „Luki war verletzt“.  Fußball hat eben immer auch mit Glück und Pech und Zufall zu tun. Mit unbeeinflussbaren Situationen. Und doch sind sie es, die eine gesamte Saisonbeurteilung in die eine oder andere Richtung treiben. Hätte Müller diesen Kopfball im Tor der Spanier zum 2:0 untergebracht und hätte Bayern damit vermutlich das Halbfinale der Champions League erreicht – hätte 2021/22 irgendwie noch gepasst. Doch jetzt – werden die großen Grund-satzfragen gestellt. Wie irre:

  Ein einziger Abseitsfehler, ein einziges Gegentor – und schon urteilt die Süddeutsche Zeitung in voller Strenge und zugleich Spott: „Es wird nicht genügen, dass er“ (Bayern-Boss Kahn), „sich mit seinen Beratern bespricht und nach drei Monaten einen englisch betitelten Zehn-Punkte-Plan publiziert – er muss jetzt und öffentlich sagen, was gerade schiefläuft und warum.“

  Ja, wird Kahn sich wohl denken, der Phonzie hat das Abseits aufgehoben. Und dass dies nichts mit seiner „FC Bayern AHEAD“-Strategie zu tun habe.

Ganz enorm anzusehen war die Bitternis des Abends Bayern-Trainer Julian Nagelsmann, der nach dem Match mit fast ständig gesenktem Kopf (also nicht AHEAD) im Pressekonferenzraum der Schar internationaler Reporter gegenüber saß und deren unangenehme Fragen zu beantworten versuchte. Leise erwiderte er sie, demütig fast, offensichtlich jeglichen Temperaments verlustig gegangen – angesichts dieser Niederlage, der dritten seiner Karriere, die ihm besonders beklemmend erscheint. Die beiden anderen hatten mit Hoffenheim und Leipzig zu tun, jetzt also auch eine mit Bayern. Die geknickte Stimme sagte:Wir haben sie heute dominiert. Es war sehr gut und wir waren aggressiv. Aber das bringt nichts, weil wir ausgeschieden sind. Verloren haben wir das Duell im Hinspiel.“

 

Nicht die Schuld Gegner suchen

 

  „Nein, das wäre aus meiner Sicht zu viel Alibi, das Ausscheiden an so etwas festzu-machen.“ (Wie die Vertragsgespräch-Plänkeleien im Vorfeld der Partie.) Und auch die hollywoodesken Schauspielleistungen und Zeitschind-Versuche der Spanier trügen keine Schuld:Das gehört dazu, das ist die südländische Mentalität. Aber ich suche nicht die Schuld beim Gegner und sage jetzt auch nichts weiter dazu, sonst muss ich mich vielleicht nächste Woche schon wieder entschuldigen.“

 „Wenn du auf 70 Meter Höhe verteidigst, dann kann immer eine relativ gefährliche Situation entstehen. Aber wenn du das Hinspiel verlierst, musst du dieses Risiko eingehen.“

Meister zu werden ist für Bayern nicht ausreichend. Es gilt, in der Champions League als Mindestziel das Halbfinale zu erreichen – und das haben wir nicht geschafft.“

Heute ist nicht der Abend, zu überlegen, wie weit wir nächstes Jahr in der Champions League kommen.“

Denn jetzt ist jetzt und Bayern ist draußen. Ein paar Minuten schoss den Bayern-Fans unter den 70 000 in der Arena nach dem Ausgleichstreffer eine Art Schockstarre ins Gemüt. Doch bereits kurz nach Abpfiff skandierte die Südkurve:Deut-scher-Mei-ster-wird-nur-der-FCB, nur der FCB, nur der FCB… „

Gut, der 10. Titel hintereinander wird es in Kürze sein, den die Münchner einfahren. Aber in den Pokalwettbewerben sind sie gescheitert: National  im 16.-Finale gegen Gladbach mit 0:5.

  International im Viertelfinale gegen Villareal mit 0:1 und 1:1.

  Schweden sei nicht Brasilien hat Beckenbauer dereinst festgestellt. Und Villareal ist eben nicht Salzburg. Das spanische Team macht bei seinen Champions League-Matches kaum Fehler – und lässt sich auch kaum zu welchen zwingen. Gegnerische Press-Attacken mit heißestem Anrennen bewältigen sie wie Matadore, die - technisch beschlagen – die Stiere ins Leere laufen lassen. Sie agieren selbstbewusst selbst unter Druck – und finden so gut wie immer einen freien Gegenspieler, dem sie den Ball zupassen können. Und dennoch schafften die Münchner mittels wildestem Ansturm, in der 52. Minute zumindest das 1:0 durch Lewandowski zu erzielen. Der Weg schien geebnet. Irgendein ein zweites Tor würde man gegen das Gelbe U-Boot, das mit acht Mann hinten drin eher an eine gelbe Krake erinnerte, schon noch schaffen. Und sei es in der Verlängerung.

 Zu der es jedoch nicht mehr kam. Und Bayern plötzlich mit leeren Händen dastand und sich spätestens heute mit dem Gedanken befassen muss, auf welche Art und Weise man die restlichen fünf Bundesliga-Einsätze bewältigen will und wird. Nagelsmann: „Wir siegen zusammen, wir verlieren zusammen – und wir werden auch diese paar Spiele zusammen hinkriegen.“

  Das nächste am Ostersonntag gegen Arminia auf der Bielefelder Alm. Wo den Bayern womöglich angesichts der psychischen Niedergeschlagenheit die Lederhosen ausge-zogen werden. So wie bis dahin bereits täglich – von den Kritikern, Verhöhnungs-Freaks und Es-schon-immer-gewusst-Habenden.

  Welch‘ Feiertage für sie – nach dieser unseligen Nacht.

 

DING (super): Dass der FCB jetzt bereits – fünf Spieltage vor Bundesliga-Schluss – für die Champions League 2022/23 qualifiziert ist.

 

DANG (auch nicht schlecht): Dass Upamecano eines seiner besten Spiele beim FCB hinlegte – und ihm vielleicht doch noch der Durchbruch in München gelingt.

 

DOOOOONG (beruhigend): Dass der FC Bayern in der Bundesliga neun Punkte Vorsprung aufweist.

Liebe Freundinnen,

Freunde & Freundiv.

 

passt ja auf eure Rolex auf! Erst letzte Woche hat das „Roller-Duo“ wieder zugeschlagen. Ein Ü-70-Arzt saß mit seiner Ü-10.000 Euro-Rolex und seiner U-???-Frau beim Restau-rant-Draußen-Essen im Münchner Tal – als ein laut AZ „südländischer Typ mit schwar-zem, lockigen Haar“, maskiert mit einem Bandana-Schaltuch, an den Doc herantrat, ihm die Rolex vom Handgelenk riss und flüchtete. Die Frau entriss er ihm nicht, vermutlich weil sie nicht mehr auf den Roller gepasst hätte, der auf den Dieb wartete und der von einem 20 bis 30 Jahre alten, etwa 1,70 m großen und kräftigen Mann gelenkt wurde.

  Die Beschreibung des schwarzlockigen südländischen Typs passt zwar voll auf mein JUPPSLETTER-Foto (siehe oben) – aber glaubt mir, ich war es nicht. Vermutlich waren es jedoch die beiden, welche bereits letztes Jahr mehrmals auf diese Art und Weise in Mün-chen zugeschlagen hatten.

  Woher wussten die beiden immer, wo gerade eine Rolex unterwegs war? Nun, in Mün-chens Maximilianstraße und Umgebung stellt sich ja eher die Frage: Wer ist hier OHNE Rolex unterwegs? Jedenfalls erinnerten die Überfälle bereits 2021 mich stets an Cali 1975. Cali ist eine Stadt in Kolumbien und 1975 fand dort die Schwimm-WM statt, von der ich als Reporter für die FAZ, den Kicker u.a. berichtete.

  Gleich nach der Ankunft hatten sie uns eingeschärft: „Beim Taxifahren trotz der Hitze niemals die Hand zum geöffneten Fenster hinausstrecken und sie lässig auf die Dach-reling legen!“. Sonst sei an der nächsten Ampel oder sonst einem Stopp sofort die Uhr weg. Und es wurde auch gleich auf das Beispiel einer amerikanischen Touristin hinge-wiesen, der bei einer Autofahrt mit Arm draußen kürzlich mittels einer Machete ein Finger abgetrennt wurde, an dem ein hübscher Ring gesteckt habe. Da würden die Banditen nichts kennen.

  Und dann gab es den Dortmunder Schwimm-Funktionär Karlheinz Heiland. Er war der Reise-Manager des DSV, nicht sehr groß, dafür sehr rund und ziemlich autoritär, weshalb mein Schreibvorbild Wolfgang Weingärtner (1921-2018) in der Süddeutschen Zeitung über ihn schrieb: „Ein kleiner dicker Herrgott namens Heiland“.

  Jedenfalls stand der kleine dicke Herrgott in Cali direkt vor dem Schwimmstadion, als ihn jemand fragte, wo denn das Schwimmstadion sei. Heiland deutete darauf – und die Uhr war weg. Ja, Cali konnte gefährlich sein. So hieß es, dass jede Nacht Dutzende von Gully-Deckeln geklaut würden, welche die Stadtverwaltung am frühen Morgen stets erwerbe, damit sie wieder eingesetzt werden konnten.

  Während ich im Juli 1975 im fernen Südamerika für den Kicker über abgetrennte Finger und geklaute Gullydeckel schrieb, interessierte man sich in Deutschland eher für das wahre Leben – Fußball.

  Doch von der Kanalisation zurück zur Rolex – und zwar zu meiner. Denn natürlich be-sitze auch ich eine. Erworben habe ich sie 1987 in New York, wo ich den Marathon dort lief und in den Tagen darauf im St. James Theatre in der 246 West 44th Street am Broad-way das Musical 42Street sah. Beim Verlassen des Theaters bevölkerten etwa 15 Afro-amerikaner die Straße. Jeder von ihnen hatte einen hohen Pappkarton vor sich drapiert. Die Oberseite eines jeden Kartons war mit einem Tuch bedeckt. Und auf dem Tuch lagen Uhren. Eine davon erwarb ich – eine Rolex für 21 Dollar. Ich zahlte und legte sie sofort an. Plötzlich schrie einer.

  Ich verstand nicht, was der Mann brüllte, doch die Folge war, dass alle ihre Tücher zu einem Bündel zusammenfalteten, das Bündel – mit den Uhren innen drin – über die Schulter warfen und von dannen eilten. Zurück blieben sämtliche Kartons. Ein clever aus-geklügelte Sell-and-Go-Methode mit einem einigermaßen zu vernachlässigenden Laden-einrichtungs-Verlust.

  Auf dem Hotelzimmer angekommen streifte ich als Erstes voller Stolz den Sakko-Ärmel zurück, um meine Erwerbung zu bewundern. Leider blieb der Stoff dabei an der Uhr hängen – und schon sprangen das Glas (Plastik) und ein paar Schrauben durch die Luft.

Zurück in Deutschland, versuchte ich sie mit Tesafilm zu reparieren, was aber – da ich zwei linke Reparaturhände besitze – ein Resultat zeitigte, das nicht gerade übertrieben elegant wirkte. Ich trug sie trotzdem und zwar so, dass man den Tesa nicht sehen konnte. Und blöd war nur, wenn ich die Uhrzeit zu wissen begehrte und bei Party-Smalltalks fragen musste: „Sorry, können Sie mir bitte sagen, wie spät es ist? Meine Rolex ist eben stehengeblieben.“

  Später legte ich die New Yorker Rolexfälschung auf meinen Schreibtisch zu Hause. Und hoffte: Wenn ein Dieb kommt – sieht er sofort die Rolex und klaut sie und haut sofort ab, ohne sich weiter umzusehen, denn das Wertvollste des Hauses hat er ja schon! Und als ich kürzlich wieder mal meinen Schreibtisch durchwühlte – fand ich die Uhr tatsächlich nicht mehr! Mein Plan scheint voll aufgegangen: das „Roller-Duo“ muss hier gewesen und auf meinen Trick hereingefallen sein. Zu Hause dann, bei der Beuteteilung, wird der Schwarzlockige dann die Uhr erhalten haben – und sein Chauffeur den Tesafilm.

Kann man immer brauchen.

Hätte das Roller-Duo vor meinem Schreibtisch-Diebstahls-Besuch auf diese Site gesehen – dann wäre ihnen der Reinfall mit meiner Rolex NICHT passiert!

Ausgabe 58 vom 23. März 2022

 

Liebe Freundinnen, Freunde & Freundiv.

 

   Sorry für die kleine Pause mit dem JUPPSLETTER – aber ich bin mit Corona flach gele-gen. Da halfen auch meine drei Biontech-Impfungen (die letzte im November) nichts – das Virus hatte mich befallen. Da die Zeitspanne zwischen Infektion und ersten Symptomen normalerweise zwischen drei und sieben Tagen beträgt, besitze ich nicht die geringste Ahnung, wann und wo es passiert ist. Einige Möglichkeiten findet ihr hier – in meinem Corona-Quarantäne-Buch.

  Natürlich ist so ein CG-Tagebuch (nicht zu verwechseln mit einem GQ-Tagebuch) stink-langweilig und höchstens interessant für Fans von Fernseh-Serien wie Schwarzwaldklinik (immerhin habe ich schon mal mit Sascha Hehn geduscht! Nach einem Golfturnier…) oder Emergency Room (mit George Clooney hingegen habe ich noch nie geduscht – wobei ich in diesem Fall ohnehin Frau Dr. Anna Del Amico prädestiniert hätte).

  Ein langweiliges CQ-Tagebuch auch deshalb, weil es ja nichts Singuläres ist, was mir da widerfuhr. Täglich infizieren sich momentan Hunderttausende in Deutschland mit Corona (besser gesagt mit: Bayrisch: dem Hundskrippe-Virus; Hochdeutsch: das Virus). Warum ich es dennoch schreibe? Weil ich weiß, dass jene, die bereits befallen waren, liebend gerne lesen, wie es anderen (in diesem Falle mir) ergangen ist. Und weil ich es hilfreich finde, dass jene, die noch NICHT befallen waren, hier vielleicht erfahren, was auf sie zu-kommen könnte. Außerdem mache ich mich gerne wichtig und habe einen ungezügelten schriftlichen Mitteilungsdrang. Also:

Dienstag, 8. März 2022: Es ist ein Dilemma: In der Allianz Arena gilt es auf dem Tribü-nen-Presseplatz Maske zu tragen. Aber: Wenn ich Maske trage, beschlägt meine Brille und ich sehe nichts vom Spiel. Wenn ich keine Brille trage, sehe ich auch nichts vom Spiel. Wie soll ich da vom Champions League-1/8-Final-Match FC Bayern gegen FC Salzburg berichten? Schemenhaft erkenne ich bei der Begegnung Audi gegen Red Bull, dass die Roten die Deutschen sein müssen und die Weißen die Österreicher. Und immer-hin höre ich etwas – den „Schneewalzer“ und „Soiz-buuurg! Soiz-buuuurg!“, das muss der Gästeblock sein. Und mittendrin einen Pfiff: „Elfmeter!“ sagt einer neben mir. Aha. Kurz darauf ein weiterer Pfiff. „Schon wieder Elfmeter!“, sagt wieder der neben mir. Aber für wen? Ich kann doch nicht nachfragen!

  „Wir sind die Jungs aus der Mozartstadt – Scheiiiiß FC Baye-ern, Scheiiiß FC Bayern!!!“ Das müssen wieder die Gäste sein. Und was die Fäkaliensprache der Mozart-Jungs be-trifft: Ihr Wolferl, das amadeusische Genie, hat ja immerhin 1782 im Alter von 26 Jahren den sechsstimmigen Kanon Leck mich im Arsch KV 231 (382c) in die Welt gesetzt:

https://www.youtube.com/watch?v=C78HBp-Youk

  Schade, dass die Salzburg-Fans statt zu 6- nur zu etwa 600stimmigen Kanons fähig sind. Hoffentlich hole ich mir via der über die österreichischen Gesänge durch die Arena schwebenden Aerosole kein Corona-Virus! Das wär‘ echt schei…telpunktig.

 

Mittwoch, 9. März: Eigentlich soll ich heute von meinem Wohnort Weyarn (zwischen München und Rosenheim gelegen) für eine Ski-Pressereise in der Salzburger Sportwelt ins Salzburger Land reisen. Doch gestern Abend auf dem Weg zur Allianz Arena hatte plötzlich mein kürzlich 60.000 km-frischinspektionionierter drei Jahre junger Hyundai zu stottern begonnen. Mit Tempo 80 zum FC Bayern gekrochen, mit Tempo 80 auch wieder zurück. Nun Anruf bei der Werkstatt: „Uuuuuuh – das hört sich nach Marder an!“ Bis zum Autohaus nach Bad Feilnbach über den Irschenberg hinweg schaffe ich es wohl noch. Aber wenn es MEHR ist als der Marder? Dann kann ich meine Ski-Reise knicken. Stress-Stress-Stress, denn ich habe einen gut dotierten Auftrag, über diesen Trip zu berichten!

  Nach einer Stunde stellt sich heraus: Eine Zündkerze! Aufatmen… Und bis ich in Zau-chensee angelangt bin, dem Ski amadè-österreichischen Aufenthaltsort der kommenden Tage, ist auch der Stresspegel wieder in einen Normalbereich herabgesunken. Sinkt so-gar noch weiter – denn in ganz Österreich gilt: KEINE Maskenpflicht mehr! Nur noch bei ganz wenigen Gelegenheiten wie etwa Öffentlicher Personenverkehr. Ein seltsames Ge-fühl, im Hotel und dessen Restaurant oben ohne herumspazieren zu können. Doch nach einigen Stunden gewöhne ich mich daran.

 

Donnerstag, 10. März: Was ich den gesamten Winter über als besonders strapaziös empfand: In einem überhitzten Hotel-Skischuhraum mit angelegter Maske die heftigen Widerstand leistenden Skischuhschnallen zu schließen! Doch hier, im Paradies Öster-reich, ist ja keine Maske mehr nötig! Auch in den Bergbahnen und Sesselliften nicht. Bei einer Gondelfahrt im Skigebiet, bei welcher sich rund 100 Menschen in der Kabine drän-gen, also nicht 1,5 Meter, sondern 1,5 Zentimeter Abstand voreinander wahren, wird EMPFOHLEN, eine Maske zu tragen. Erstaunlich: Fast alle Ski-Freaks ziehen eine aus der Skianzugtasche und stülpen sie sich über. So viel Selbstdisziplin – Respekt, Respekt!

 

Freitag, 11. März: Ein weiterer wunderbarer Skitag und ich reise abends heim, nachdem ich vormittags in Altenmarkt maskenlos getankt habe (2,08 Euro für E 10). Sozusagen vor der Haustüre meiner Single-Wohnung in Weyarn noch ein Einkaufs-Besuch bei Edeka.

 

Samstag, 12. März: Den ganzen Tag viel, viel Arbeit am PC – aber ohne Stress. Der tritt erst ein, als der FC Bayern in Hoffenheim eine Großchance nach der anderen versiebt und nur ein 1:1 erzielt. Dortmund kann dadurch demnächst bis auf 4 Punkte an den FCB heranrücken! (Na gut, danke der Tordifferenz sind es ja eigentlich 5…)

 

Sonntag, 13. März: Für einen geplanten Sonntagsbesuch reiße ich einen bei Aldi erwor-benen Corona-Test auf. Sofort zischt die Flüssigkeit zum Strich C. Alles paletti. Als ich fünf Minuten später wieder vorbeigucke – ist auch ein Strich bei T zu sehen!!!! POSITIV! Ich kann es nicht glauben – schließlich stammt dieses Aldi-Produkt aus China und wiederhole den Text nach 30 Minuten. Resultat: Erneut POSITIV! Ich sage den Besuch ab und warte, bis um 17.30 Uhr das offizielle Testzentrum in Weyarn öffnet. Resultat dort: NEGATIV!

  Na bitte – habe es doch gleich gewusst: diese Billig-Schnell-Tests verkünden nicht immer die Wahrheit. Und dass ich NEGATIV bin, glaube ich sofort – denn mich plagen ja 0,0 Symptome.

 

Montag, 14 März: Um kurz nach Mitternacht jedoch stellen sich Beschwerden ein. Und was für welche! Fieber inklusive plagendsten Träumen, eine unentwegt laufende Nase, Niesen und Husten, Kopfweh, kein Schlaf bis morgens, totale Erschöpfung – wie eine hef-tige Erkältung! Und ich hoffe – nach dem NEGATIV-Ergebnis von gestern Frühabend – dass es ja tatsächlich nur eine Erkältung ist. Dass einfach nach den etlichen Stress-Faktoren der letzten Zeit (Fußball, Auto u.a., siehe oben) das Fass des Immun-Systems voll war und irgendein letzter Tropfen es zum Überlaufen gebracht hatte.

  Ich rede mir das prima ein, denn heute habe ich Großarbeitskampftag – Redaktions-schluss einer ausgesprochen umfangreichen Story! Also versuche ich einzuwerfen, was mir bisher immer geholfen hat, Erkältungs-Symptome zu übertünchen und werkeln zu können: Wick Day-med. Ich sehe in meiner Hausapotheke nach und finde eine Packung – allerdings mit italienischer Aufschrift. Wann und wo habe ich DIE erworben? Ablaufdatum: 2011. Da hört sogar bei mir die Nachhaltigkeit auf.

  Dafür finde ich – lose verstreut herumliegend, ohne Zettel und Packung - ein paar Boxa

Grippal. Die müssten von meiner letzten Erkältung 2018/19 sein und sollten doch noch funktionieren. Ich google, was das Zeugs ist und werfe 2 Stück ein.

  30 Minuten später bin ich arbeitsfähig, halte schwer mit meiner Müdigkeit und Erschöp-fung fightend, durch und begebe mich um 17.30 Uhr wie bereits gestern ein weiteres Mal ins Testzentrum Weyarn. Und dieses Mal teilt mir Reihentestung.de anschließend vial Mail mit: POSITIV. Und ich solle einen PCR-Test beim Hausarzt oder im nächsten Testzentrum mit PCR-Möglichkeit absolvieren. Im Weyarner Testcenter gibt es kein PCR-Angebot – also morgen zum Hausarzt (der jetzt bereits geschlossen hat).

  Es folgt eine weitere schlimme Nacht – denn jetzt muss ich mich auch noch einige Male übergeben. DAS kannte ich in meinem bisherigen Leben bei meinen üblichen Erkältungen noch nicht. Und es IST ja auch keine Erkältung, wie mir inzwischen bewusst ist, sondern es ist WIE eine Erkältung. Besser gesagt wie eine Grippe. Zwengs dem hundsverreckten Virus!

 

Dienstag, 15. März: PCR-Test beim Hausarzt in Miesbach. Wir haben 10 Uhr als Termin vereinbart. Ich solle lange läuten und vor der Haustüre stehen bleiben. Dann käme jemand, um einen Abstrich bei mir zu machen. Genau so geschieht es. Am Abend soll ich telefonisch das Ergebnis erfahren.

  Aber für mich steht es in Gedanken jetzt bereits fest. Also ziehe ich – wieder am PC – meine Akkreditierungsanträge für das Bundesligaspiel FC Bayern-Union Berlin am bevor-stehenden Samstag zurück sowie auch für das Champions League-Match FC Bayern-Paris Saint-Germain (Frauen) am kommenden Dienstag. Es breitet sich so etwas wie Kick-Bitterkeit in mir aus. Andererseits fühle ich mich so schlapp, dass ich an einen Arena-Be-such gar nicht denken kann. Und ich bringe kein Essen ‘runter! Doch immerhin: Das Wenige, das ich zu mir nehme, schmecke ich voll. Wenigstens DAS nicht, das mit dem fehlenden Geschmackssinn! Und ich jammere auch gar nicht, denn: Wie froh wäre in diesen Tag jemand aus der Ukraine, so ein läppisches Corona-Quarantäne-Tagebuch führen zu dürfen! Und genau so jemand, die/der in allen anderen momentanen NICHTukrainischen Kriegs- und Krisengebieten rund um den Globus leidet!

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_andauernden_Kriege_und_bewaffneten_Konfliktebgebieten

  Wie lächerlich, meine oben erwähnte Kick-Bitterkeit! Und ich breite deshalb sofort meine gesamten Arbeiten, die ich zu bewältigen habe, auf dem Boden aus – pro Arbeit ein Zet-tel, very oldschool, um eine Übersicht zu erhalten, was unbedingt gemacht werden muss und was noch warten kann, bis ich wieder richtig fit bin. Dann muss ich mich wieder er-schöpft hinlegen.

  Als ich nach Stunden erwache, lüfte ich als Erstes mein Wohnbüro, das diese Bezeich-nung bereits besaß (seit 2001), als es Home Office noch gar nicht gab. Denn bei Erkran-kung soll man ja BESONDERS stoßintensiv die Luft austauschen! Resultat: Alle meine Arbeitsplanungs-Papiere wirbeln durch die Luft und ich muss damit von vorne begin-nen!!!! Vielleicht sollte ich doch mal auf einen Handy-Workplaner umstellen. Immerhin drang kein Sahara-Gruß in meine Bude. Und andererseits ist es halt ein fabelhaft hapti-sches Gefühl, eine Arbeit auf einer Liste nach Erledigung durchzustreichen – KEIN Ver-gleich mit dem digitalen Drücken einer ENTF-Taste auf dem PC! Abends: Vergebliches Warten auf den Hausarzt-Anruf mit dem PCR-Test-Ergebnis.

 

Mittwoch, 16. März: Ich lese in der SZ von einer deutschen Weltcup-Rodlerin, die an Corona erkrankt war und selbst ein Vierteljahr danach noch keine Koordinationsfähigkeit und keine Kraft besitzt, um einen Schlitten so lenken zu können, dass sie unfallfrei das Ziel erreicht. Jede/r Zehnte leide an long covid, heißt es. Und man wisse nie, wie lange es wirklich dauere. Der Rodlerin – deren medizinischen Werte als VOLLKOMMEN OKAY sich offenbaren - werden noch mindestens acht Monate prognostiziert, ehe sie wieder an Leistungssport denken könne. Falls ich jeder Zehnte sein sollte (jeder Dritte bin ich schon mal nicht, denn mich plagt kein Zahnfleischbluten), dann bedeutet dies: Dass ich die JETZIGE restliche Ski-Saison zwar knicken kann (stehe bei bisher 13 absolvierten Pis-tentagen – und am 13. KANN ich mich nicht infiziert haben, denn der 13. gilt in unserer Familie als Glückstag, seit mein Vater einige Skirennen mit dieser Startnummer gewann und mein jüngster Sohn an einem Freitag, den 13., geboren wurde). Aber bis zum Beginn der NÄCHSTEN Saison 2022/23 müsste es wieder klappen! Doch was wird mit der Ten-nis-/Golf-/Fahrrad-Saison dazwischen sein?

  Um 18 Uhr abends der Anruf vom Hausarzt: POSITIV! Das Gesundheitsamt werde sich bei mir melden.

 

Donnerstag, 17 März: Ich verdrücke die letzte Mandarine des FC Bayern-Lunchpaketes, das es vor 8 Tagen beim CL-Spiel gegen Salzburg für die Journalist/inn/en gegeben hatte. Nette Nachbarn, brave Söhne und die verehrte Liebhaberin – alle boten sofort an, mir Essen vor die Türe zu stellen. Aber ich will sehen, ob ich nicht mit meinem noch vorhan-denen Proviant-Bestand zurechtkomme. Jaja, das ewige Unabhängigkeitsbestreben. Der ewige Ehrgeiz. Und die ewige Blödheit, alles alleine zu schaffen zu wollen. Außerdem gibt es ja noch den Edeka in Weyarn und den REWE in Miesbach – die haben GARANTIERT Lieferservice!

  Haben sie beide nicht. Verständlich, dass sie für einen derartigen Service keine Zeit haben – jene müssen sie fürs Geldzählen aufwenden, schließlich gehören die Super-märkte ja zu den ganz großen Corona-Gewinnlern.

  Wo also was im Landkreis was herkriegen an Lebensmitteln? Ich google. Resultat: 1 Treffer. Wie jämmerlich. 1 Möglichkeit für 100 000 Menschen! Sie heißt Fresh In All und erweist sich als Glücksgriff – türkische Lebensmittel mit kostenloser Zustellung ab 50 Euro. Ich bestelle unter https://all-in-fresh.com/

  Ansonsten – Willkommen im Club! Auch Felix Magath ist infiziert. Doch er stehe laut BILD telematisch mit der Mannschaft in Verbindung. Ist wohl so etwas ähnliches wie telepa-thisch. Irgendjemand twittert: „Das ist schlecht für die Menschheit, Denn das Virus wird – wie alle, die Magath in Kontakt kommen – künftig mehr Ausdauer haben.“ MEIN Virus scheint sich etwas zurück zu ziehen. Heute nicht mehr 4 Stunden Extra-Schlaf tagsüber nötig, sondern nur noch zwei. Und die Nase läuft kaum noch.

 

Freitag, 18. März: Der arme Gladbacher Trainer Hütter (Jahrgang 1970), dessen Vor-name lautet wie jener meines Firmpaten (Jahrgang 1933 – das war damals so üblich. Aber 1970? Wikipedia liefert die Antwort: „Seinen Vornamen erhielt Hütter in Gedenken an sei-nen mit 27 Jahren früh verstorbenen Onkel, der in einer Steinlawine ums Leben kam. Hüt-ters Großmutter überredete damals die Eltern, ihren Sohn Adolf zu nennen. Allerdings wird er immer schon mit der Kurzform Adi gerufen“.)

  Armer Adi – doch nicht deshalb, sondern: Weil bei ihm während der Corona-Quarantäne eine schwere Kehlkopfentzündung sich entwickelte. Das muss außerordentlich schmerz-haft sein und wünsche ich ihm ABSOLUT nicht – auch wenn der österreichische Coach gegen den FC Bayern in dieser Bundesliga-Saison 1:1 spielte und 2:1 gewann sowie mit dem 5:0 Münchens DFB-Pokal-Aus besiegelte. Gute Besserung!

  Bei mir nur noch ein wenig Mattig- und Müdigkeit – der ich mich bedingungslos unter-werfe. Wie schön, sich vollkommen guten Gewissens, weil quasi gezwungen, einem aus-giebigen Nachmittagsschlaf hinzugeben! Um 21.30 Uhr abends trifft meine türkische Lebensmittel-Lieferung ein – WUNDERBAR!

 

 

Samstag, 19. März: Bald nach dem Aufstehen bemerke ich ein neues Gemälde in meiner Wohnung! Es ist sehr realistisch gehalten und als ich zur Begutachtung näher-trete, be-ginnt das Abgebildete sich sogar zu bewegen – es ist der Spiegel! Darin erblicke ich aller-dings nicht mich, sondern Robinson Crusoe.

  Für einen geplanten Sonntagsbesuch reiße ich einen bei Aldi erworbenen Corona-Test auf. Sofort zischt die Flüs-sigkeit zum Strich C. Alles paletti. Als ich fünf Minuten spä-ter wieder vorbeigucke – ist auch ein Strich bei T zu se-hen!!!! POSITIV! Ich kann es nicht glauben – schließlich stammt dieses Aldi-Produkt aus China und wiederhole den Text nach 30 Minuten. Resultat: Erneut POSITIV! Ich sage den Besuch ab und warte, bis um 17.30 Uhr das offizielle Testzentrum in Weyarn öffnet. Resultat dort: NEGATIV!

  Na bitte – habe es doch gleich gewusst: diese Billig-Schnell-Tests verkünden nicht immer die Wahrheit. Und dass ich NEGATIV bin, glaube ich sofort – denn mich plagen ja 0,0 Symptome.

  30 Minuten später bin ich arbeitsfähig, halte schwer mit meiner Müdigkeit und Erschöp-fung fightend, durch und begebe mich um 17.30 Uhr wie bereits gestern ein weiteres Mal ins Testzentrum Weyarn. Und dieses Mal teilt mir Reihentestung.de anschließend vial Mail mit: POSITIV. Und ich solle einen PCR-Test beim Hausarzt oder im nächsten Testzentrum mit PCR-Möglichkeit absolvieren. Im Weyarner Testcenter gibt es kein PCR-Angebot – also morgen zum Hausarzt (der jetzt bereits geschlossen hat).

  Es folgt eine weitere schlimme Nacht – denn jetzt muss ich mich auch noch einige Male übergeben. DAS kannte ich in meinem bisherigen Leben bei meinen üblichen Erkältungen noch nicht. Und es IST ja auch keine Erkältung, wie mir inzwischen bewusst ist, sondern es ist WIE eine Erkältung. Besser gesagt wie eine Grippe. Zwengs dem hundsverreckten Virus!

  Dass ich die JETZIGE restliche Ski-Saison zwar knicken kann (stehe bei bisher 13 ab-solvierten Pistentagen – und am 13. KANN ich mich nicht infiziert haben, denn der 13. gilt in unserer Familie als Glückstag, seit mein Vater einige Skirennen mit dieser Startnummer gewann und mein jüngster Sohn an einem Freitag, den 13., geboren wurde). Aber bis zum Beginn der NÄCHSTEN Saison 2022/23 müsste es wieder klappen! Doch was wird mit der Tennis-/Golf-/Fahrrad-Saison dazwischen sein?

  Um 18 Uhr abends der Anruf vom Hausarzt: POSITIV. Das Gesundheitsamt werde sich bei mir melden.

  Nachmittags siegt Hertha 3:0 gegen Hoffenheim auf telematische Weise und abends der FC Bayern 4:0 gegen Union Berlin – geht also auch ohne mich im Stadion! Wobei dieser Sieg mein schönstes Geschenk zu diesem vollkommen alleine verbrachten Namenstag heute darstellt. Zusätzlich tröste ich mich über das Alleinfeiern noch mit dem erfreulichen Umstand hinweg, dass ich Josef statt Adolf heiße.

 

Sonntag, 20. März Der erste Tag seit einer Woche, dass ich 0,0 Symptome verspüre - hurra! Doch müde bin ich immer noch hin und wieder. Es wird ein Sonntag der Ruhe mit Buch („Unschuld“ von Jonathan Frenzen, nur noch 80 von 830 Seiten), vielen Ski- und Biathlonrennen (Saison-Finale) am Fernseher und abends dem Tatort „Tyrannenmord“, der jedoch nicht von Putin handelt, sondern von der Jugend des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un inspiriert wurde.

 

Montag, 21. März Ich nehme einen Aldi-(NICHT Adi!)-Selbsttest vor – schließlich hatte Aldi ja doch recht gehabt! (Siehe Sonntag, 13. März.) Das Ergebnis: NEGATIV. Sofort rufe ich beim Hausarzt an, um einen PCR-Test zu vereinbaren und vernehme stattdessen, dass zum FREITESTEN inzwischen kein PCR-Test mehr nötig sei, sondern ein offizieller Schnell-Test den Anforderungen entspreche. Also abends ins Weyarner Testzentrum. Resultat (etwa 30 Minuten später via Mail von Reihentest.de auf meinen PC): NEGATIV. Ich bin also freigetestet und gehöre wieder der Gesellschaft an!

  Bleibt nur eine Frage: Wo bekomme ich jetzt meinen GENESEN-Nachweis her? Denn das Xundheitsamt, wie die Behörde hierzulande genannt wird, hat sich immer noch nicht ge-rührt. „Da kannst lange warten“, teilt mir jemand mit, dem ich diesen Umstand schildere, „die sind total überlastet. Bei der 15jährigen Tochter einer Bekannten hat es drei Wochen gedauert, bis das Gesundheitsamt mitteilte, dass das Mädchen nicht mehr in die Schule dürfe. Aber da war sie bereits 10 Tage lang freigetestet und längst schon wieder im Unter-richt zugegen.“ Warten also – nicht auf Godot, sondern auf Gesu.

 

Dienstag, 22. März: Wenn ich das gewusst hätte, dass ich heute bereits wieder frei bin – dann hätte ich ja doch in die Allianz Arena zu den Bayern-Frauen gedurft. Sehe ich sie mir halt zu Hause im TV an. Und werde dabei garantiert keine Maske tragen.

  Fazit meiner persönlichen Corona-Angelegenheit:

  Glück gehabt (1): 3,7 kg abgenom-men (jetzt fehlen nur noch 10 zum Idealgewicht).

  Glück gehabt (2): Es handelte sich um einen leichten Verlauf, wie der Hausarzt versi-cherte.

  Glück gehabt (3): Dass ich von einer Omikron-Variante erwischt wurde und nicht von einer der früheren. Da hätte es als Risikopatient (über 70, Herzinfarkt hinter mir und 3 Stents im Brustkasten) an der Maschine enden können.

  Glück gehabt (4): Dass ich geimpft war/bin. Dies schützt zwar nicht unbedingt vor An-steckung – aber kann dafür vor einem schweren Verlauf schützen! Ein Halbverwandter (77) und der Ehemann (61) einer Bekannten waren NICHT geimpft. Und erlagen Corona.

Ausgabe 55

 

Liebe Freundinnen,

Freunde & Freundiv.,

 

dieser olympischen Tage erhielt ich eine interessante Frage gemailt:

 Ich bin gespannt wie hoch der Kondomverbrauch bei der Olympiade in China sein wird.

Du hast doch schon einmal den Kondomverbrauch während einer Olympiade erwähnt?

 

Mit gespannten Grüßen

die Hosenträgerin

 

Ja, verehrte Hosenträgerin – hatte ich tatsächlich. Und zwar im JUPPSLETTER Nr. 38 vom 9. Juni 2021:

 

Olympische Spiele bilden stets eine gewaltige Orgie! Kleiner Zahlenbeweis: Bei den Olympischen Spielen 2016 wurden 450 000 Kondome kostenlos an die Athlet/inn/en verteilt – etwa 42 Stück pro Person. Und als der deutsche 1996er-Atlanta-Diskus-Olympiasieger und vierfache Weltmeister Lars Riedel (heute 53) anlässlich einer Pressekonferenz im Golfclub Open9-Eichenried wenige Monate vor der Eröffnungsfeier gefragt wurde, welchen Tipp er den Rio 2016-Teilnehmern geben könne, erinnerte er sich spontan: „Mein Trainer sagte immer – hüte Dich vor den kubanischen Volleyballerinnen!“

 

 Es ging im damaligen JUPPSLETTER um die bevorstehenden Olympischen Spiele in Tokio 2021. Wo dann allerdings - wegen Corona - eine völlig andere Realität stattfand als in Rio 2016: Es wurden in Japan zwar 160.000 Kondome an die Athlet/inn/en verteilt – aber erst bei der Abreise: zum Gebrauch NACH den Olympischen Spielen. Denn jede/r hatte aus Corona-Gründen spätestens 48 Stunden nach dem Wettkampf abzureisen. Körper-kontakt während des Aufenthalts hingegen war aus – einleuchtenden - Coronagründen unerwünscht.

  Besonders enttäuscht zeigte sich das japanische Unternehmen Sagami Rubber Industries, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrem Wirtschaftsteil berichtete, denn man hätte so gerne die sagenhaft 0,01 mm dünnen (und wirklich sehr empfehlenswerten) Polyurethan-Sagamis offeriert – doch das IOC ließ nur Latex zu. (Sind eben ahnungslose old white undirty men).            

 

  Und wie sieht es in dieser Angelegenheit bei den Schnee-Games aus? Also, man sollte sich nicht vom Bekleidungs-Unterschied zwischen Olympischen Sommer- und Olympi-schen Winterspielen täuschen lassen. Beim Fünfringe-Winter-Treffen der Jugend der Welt von Pyoengchang 2018 in Südkorea wurden immerhin 110.000 Rubbers verteilt. Wie viele davon vor Ort beim gewissermaßen Après Ski zum Einsatz kamen, ist unbekannt. Wobei bei Winterspielen ja ohnehin stets Ganzkörper-Kondome zum Einsatz kommen – in den Disziplinen Eisschnelllauf, Abfahrtslauf, Rodeln und Bob beispielsweise: die Bekleidung in diesen Sportarten erscheint absolut safe.

  In Peking 2022 hingegen werden die Sportler/innen zwar ermahnt, sich nicht zu umarmen und keine Hände zu schütteln sowie 2 Meter Abstand zu halten – aber trotzdem werden Kondome „in angemessener Zahl“ (so das chinesische Organisationskomitee) verteilt. Worunter aus olympischer Erfahrung etwa acht bis neun Stück pro Person zu veranschla-gen sind. Bei 1.500 Teilnehmer/innen aus 92 Nationen kommt man somit auf etwa 13.000 Stück.

  Jene können nun in einer neuen olympischen Sportart verbraucht werden: Sex – ohne sich dabei die Hände zu schütteln und ohne sich zu umarmen. Sowie natürlich mit 2 Meter Abstand. Wobei einem spontan der uralte Radio Eriwan-Witz einfällt: Hörer fragt: „Radio Eriwan – ist äs mäglich, zu vägeln aus Distanz?“ Radio Erewan antwortet: „Im Prinzip ja: Ist sich mäglich – wenn Dingeling lääänger als Distanz!“

  Ich freue mich jedenfalls schon auf die ersten Videos aus den olympischen Unterkünften. Zuvor jedoch eines, das den Schweizer Snowboarder Nicolas Huber im Ganzkörperkon-dom beim Abflug in Zürich zu den Spielen nach Peking zeigt

 https://www.instagram.com/p/CZT35hNBq_Z/

  Und wie er in Peking dann als – immer noch Ganzkörperkondom - in Quarantäne lebt (denn er wurde bei der Ankunft positiv getestet 

 https://www.instagram.com/p/CZhRRfohQpb/  Köstlich!!!

  Und hier offenbart Huber das Ende der Quarantäne … nach welchem er am Sonntag beim Slope Style-Wettbewerb startete – allerdings nur den 20. Platz belegte und das Finale vom Montag verfehlte.

Ich freue mich schon auf seine nächsten Videos. 

  PS: Falls die Links nicht klappen: Dann bei Instagram Hubercop suchen…

Ausgabe 53 vom 26. Januar 2022

 

Am Dienstag vor 50 Jahren war ich sehr gespannt. Denn ich flog zu meinen ersten Olympischen Winterspielen. Für den Kicker. Nach Japan. Sapporo 1972. Keine Ahnung, ob ich (23,5 Jahre) der jüngste Journalist bei diesem Japan-Großereignis war. Auf alle Fälle der kleinste (U 170). Und ein Kollege aus Toronto der größte (2,10 m). Wir wurden im Pressezentrum nebeneinander gestellt, fotografiert – und in Kanada war ich damit schon mal berühmt. (Irgendwo im Keller muss ich das Foto noch liegen haben.)

In jenem Pressezentrum ging es äußerst höflich/unhöflich zu: Ging ein Japaner durch eine der vielen Schwingtüren, so blickte er sich um. Folgte ihm ein männliches Wesen, hielt er die Türe so lange auf, bis der Nachfolgende es durchschritten hatte. Erblickte er hinter sich jedoch eine Frau, so eilte er einfach weiter und die beiden Flügel der Schwingtüre knallten dem weiblichen Wesen an die Nase. Das war den japanischen Männern egal.

Keine Ahnung, wie es heute mit dem japanischen Türen-Höflichkeits-Knigge beschaffen ist. Aber damals war es halt so.

Sapporo auf der Halbinsel Hokkaido war 1972 die drittgrößte Bierstadt der Welt hinter München und Milwaukee. Also wollten auch wir eines erproben und machten uns eines Abends auf ins Vergnü-gungsviertel. Doch an jeder Bar wurden wir vier Langnasen abgewiesen. Rassismus? „Nein“, erklärte uns der mitstrollende Japan-Korrespondent einer deutschen Tageszeitung, hinter der stets ein kluger Kopf steckt, „das ist Höflichkeit. Die Barbetreiber wollen sich mit ihren Gästen unterhalten. Mit euch ist das nicht möglich, weil ihr kein Japanisch sprecht.“ (Er alleine hätte durchaus Einlass gefunden.)

Doch der Durst war stärker als die Angst vor Zurückweisungen. Wir stapften weiter. Und wurden an der sechsten oder siebten Bar tatsächlich eingelassen. Ein kurzer Blick genügte und wir wussten warum – es handelte sich um eine Animierbar mit Animierdamen.

Die sich sofort auf uns setzten und Champagner wünschten. Wir schüttelten unsere schüchternen Köpfe, bestellten jeder ein Bier und tranken es so schnell wie möglich aus, um den Nepp-Laden wieder verlassen zu können. Dieses 1 Bier kostete umgerechnet 75 DM. Was wir sehr unhöflich fanden. Ein Kollege grollte: „Diese Rechnung rechne ich als Taxi-Spesen ab! Weiß doch niemand in der Buch

haltung, was diese japanischen Schriftzeichen bedeuten!“

Auf dem Foto seht ihr mein Sapporo-Olympia-Reporter-Outfit von 1972.

Was ihr NICHT seht: die Moonboots dazu. Denn: Ich hatte keine. (Kamen in Europa gerade erst auf.) Ein Nichtbesitz, der sich vor allem am Tag NACH den Spielen als verhängnisvoll erwies. Es regnete in Strömen und das Nass von oben setzte sich in den Schneehaufen unten ab, ohne erkennbar zu sein, was bedeu-tete: Wer in Schnee trat – trat in Wasser! Wie in einen Kübel.

Doch man musste auf die Straße. Meine Lösung, die ich als sehr clever empfand:

Ich stieg mit jedem Bein in eine Plastiktüte und schnürte sie oben zu. Es ging prima – ich blieb vollkommen trocken an den Füßen! Bis ich in alter Gewohnheit meine Zigarette auf ein trockenes Stück Boden warf und mit dem rechten Bein austrat. Ab diesem Moment war die Tüte durchlässig…

Eine japanische Oympia-Hostess kicherte, als sie meine deutschen Flüche hörte – denn sie verstand die groben Worte vollkommen. „Ich habe in Hamburg studiert“, erklärte sie, „aber nicht zu Ende.“

Warum nicht?Meine Eltern bestanden darauf, dass ich nach Japan zurückkehre, um endlich Ikebana zu lernen.“ Die Kunst des Blumenarrangierens.

Bonsai Jupp lud sie zum Essen ein, weil ich unbedingt Sukiyaki probieren wollte, diesen laut dama-ligem Reiseführer traditionellen sagenhaften Eintopf mit dem noch sagenhafteren Fleisch von Rindern, die zeitlebens mit Bier gemästet und täglich massiert worden waren. Ein MUSS! befahl der kleine Poly-glott.

Das Gericht kostete so viel wie ein Animier-Bier, also 75 Mark, mit dem Unterschied freilich, dass meine Begleiterin sich nicht auf meinen Schoß setzte, sondern züchtig blieb.

A propos Fleischeslust: Die Rinderstreifen schmeckten, von lauter Fettteilchen durchzogen, einfach grässlich – so grässlich wie diese heutigen marmorierten Rinderfilets, welche im japanischen Kobe-Original inzwischen bis zu 1.200 Euro pro Portion kosten. (Gleichfalls ohne auf den Schoß setzen.)

SOLCHE Moonboots hätte ich (siehe Text oben) in Sapporo 1972 benötigt! Top-Modell Kendall Jenner zeigt sie hier auf Instagram kurz vor einem Eisbad in Aspen. Sie hat mehr als 11 Millionen dafür bekommen – ich nehme an, alles Moonbootfußfetischisten.

Vielleicht sollte auch ich mich mal mit solchen Moonboots präsen-tieren, um meine Klickzahlen zu erhöhen! Foto-Copyright: Instagram. Falls ihr das Foto oben etwas unscharf findet und es schärfer möchtet, dann seht euch diesen Instagram-Beitrag an von @kendalljenner an: https://www.instagram.com/p/CY95aP9PzoP/?utm_source=ig_web_button_share_sheet 

 

 

Die Sache mit den Papierwänden

Dann gab es noch die Sache mit den Papierwänden in unserer Presseunterkunft. Ein Kollege zeichnete mit einem dieser modernen Kassettenrecorder die Geräuschkulisse des Nachbarraumes auf, wo ein anderer Kollege sich mit einer japanischen Olympiahostess vergnügte. Am nächsten Morgen stellte er den Recorder auf den Frühstückstisch und spielte die Aufnahme ab. Die beiden waren anschließend lange verfeindet.

Vereint hingegen: Im Hof unseres Presse-Quartiers befand sich eine Figur, die sich mittels Batterie-betrieb unaufhörlich verneigte. 24 Stunden lang. Eines nachts kehrten zwei altgediente Journalisten-Stars aus dem Schwäbischen etwas angeschickert und sich gegenseitig stützend, um nicht umzufallen, von einer Bar-Tour (ich hoffe, sie hatten billigeres Bier gefunden) zurück. Ich sah zufällig aus dem Fenster, wie die beiden sich ehrfürchtig vor die Statue stellten und zurück nickten. Etwa zehn Minuten lang. Heute gingen sie damit wohl auf TicToc viral. Während ein Schwingtür-Video von damals – so es eines gäbe – einen Shitstorm gerieren würde. Und der Kassettenrecorder-Kollege natürlich ebenso einen.

Die Wiener, die Salzburger und die Deutschen

Und dann muss ich unbedingt erzählen von Othmar Behr, einem Grazer Journalisten, der längst verstorben ist (doch dessen gleichnamiger Sohn als Sportredakteur bei den Salzburger Nachrichten bis 2019 zugange war und immer noch für diese elegante Tageszeitung schreibt). Falls ihr sehen wollt, wie Othmar Behr d. Ältere 1972 aussah, müsst ihr nur „Othmar Behr Salzburger Nachrichten“ bei Google eingeben, dann seht ihr ihn 1:1 in Gestalt seines Sohnes. (Der zur Sapporo-Zeit übrigens 18 war.)

Jedenfalls hatte am ersten Samstag der Spiele die hohe Favoritin Annemarie Pröll im Abfahrtslauf hinter der Schweizerin Marie-Theres Nadig nur die Silbermedaille geholt. Drama! Und nun, am Diens-tag darauf, dasselbe Resultat im Riesenslalom - die Österreicherin WIEDER von der Schweizerin geschlagen! Und der Pressebus fuhr und fuhr und fuhr einfach nicht von der Wettkampfstätte ab, zurück in die Stadt. Obwohl er voll besetzt war. Fahrplan ist Fahrplan. Es schneite und schneite und schneite. Othmar Behr saß neben mir und grantelte: „Diese Scheißjapana – oiss machas noch! Sogar an Schnäää…“ (Diese …Japaner, alles machen sie nach – sogar den Schnee!)

Othmar Behr, eine Art Bär, schlief gerne ein wenig länger. Wurde jedoch eines vormittags, wenige Tage vor der Eröffnungsfeier, durch die Papierwand hindurch von einer Stimme aus der Nachbar-Wohnung geweckt. Wo der österreichische TV-Reporter und zugleich Kronenzeitung-Kolumnist Heinz Prüller seine Wiener Redaktion anrief:

Exklu-siv! Exklu-siv! Den Karli hams disqualifiziert!“

Den Karl Schranz. Wegen Verstoßes gegen den Amateurparagraph (gab es damals noch) des Inter-nationalen Olympischen Komitees (IOC).

Behr lag in seinem Bett, griff zum Block und schrieb alles gemütlich liegend mit. Vorbei war es mit Prüllers Exklusivität. Denn Behr verriet uns Piefkes, also den Deitschn Othmar Neidhardt (tz), Franz-

Hellmut Urban (Münchner Merkur), Reinhard Schüssler (NRZ), Harald Pieper (Olympisches Feuer) und

Werner Köster (Hamburger Morgenpost) sowie mir, die wir gemeinsam mit Behr eine 7er-Gemeinschaft gebildet hatten und sämtliche Infos untereinander austauschten, um der vielköpfigen BILD-Olympia-Crew die Nachrichten- und Stories-Zähne zeigen zu können, natürlich alles.

Es war ein schöner Tag für Othmar Behr – wieder mal als Grazer den Wienern ein Schnippchen ge-schlagen!

 

Schranz, Hitler und der Opa auf dem Heldenplatz

87 000 Wiener wiederum standen am Tag von Karli Schranz‘ Rückkehr aus Sapporo – es war jener Dienstag, 8. Februar 1972, an dem die Pröll erneut verlor – vom Flughafen Schwechat bis zum Helden-platz in der Innenstadt Spalier. „Niemals seit Hitler“, hieß es damals, „war der Heldenplatz so voll wie heute!“. An den GröFaz kam er aber allerdings nicht heran, der Karli. Denn beim Braunauer hatten sich am 15. März 1938 rund 250 000 Menschen auf dem Heldenplatz eingefunden.

Als Jahrzehnte später ein Enkelchen ein Foto seines Wiener Opas fand, auf welchem jener die Hand zum Führergruß erhob, fragte er:Opa, wos is dös?“ Der Opa:Do bin i aufm Heldenplatz. Der Hitler hod gsogt, dass mir jetzt zum Reich gehören. Do hob i eam den Arm entgegengstreckt und hob gsogt: ‚Mooooment amoi!‘.“

 

 

 

 

Diesen Kimono habe ich 1972 in Sapporo als Andenken gekauft. Und rätsle seit 50 Jahren, was die japanischen Schriftzeichen darauf wohl bedeuten. Weiß es eine/r von euch?

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Ansichtssache

Gedenktage

Geburtstage

Peter Bizer 80

"Mit Sparwasser gekocht"

Vinko Bicanic 60

Durch seine Augen

Oskar Brunnthaler 75

Zwei Knie-OPs gleichzeitig

Maria Mühlberger 85

Die Kamera mit dem

Golfschläger getauscht

Edgar Endres 60

BR-Hörfunkreporter

statt Papstnachfolger

2 x 60

Thomas + Joachim Walz

Neue Bücher                           

304 Seiten, gebunden mi Schutzumschlag,

ISBN 978-3-426-27886-4,

20,00 Euro / E-book 14,99 Euro.

Droemer-Verlag,

www.droemer-knaur.de

Die Süddeutsche Zeitung schrieb, Hartmut Scherzer sei „der verrück-teste deutsche Sportreporter“. Er berichtete über 15 Fußball-Weltmei-sterschaften, 21 Olympische Spiele und 33-mal von der Tour de France. Und hat alle großen Boxkämpfe live gesehen; „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa, wo George Forman von Muhammad Ali eine Tracht Prügel bezog, und den „Thrilla in Manila“, als Joe Frazier von Ali vermöbelt wurde.

Ein ereignisreiches Reporterleben – kein Wunder, dass Scherzer 735 Seiten benötigte, um unter dem Titel „Welt Sport“ aus 50 Jahren Sportgeschichte aufzuschreiben, was ihm wichtig ist. Legendäre Boxkämpfe natürlich - er war als Student zweimal deutscher Hochschulmeister und trainiert auch mit 83 Jahren noch den Faustkampf.

Aber Hartmut Scherzer will auch vermitteln, dass der Sport jenseits seiner Grenzen etwas bewegen kann, weil allem mit allem zusam-menhängt: Mit Rassismus, Terror, Black Power, siehe Muhammad Alis Protest gegen den Vietnamkrieg. Mit Doping und Hooligans. Ich sehe ihn noch, wie er sich vor dem Länder-spiel gegen die Niederlande in Rotterdam mit blutiger Glatze vor dem Mob in einen Juwelierladen rettete, in den wir Reporter geflüchtet waren. Hinter ihm fiel das Türgitter.

Dreieinhalb Jahre hat Scherzer ge-schrieben und Fotos sortiert („ich bin ein Sammler“). Entstanden ist ein prall gefülltes Zeitdokument eines Sportreporters, wie es ihn in der neuen digitalen Welt vermutlich bald nicht mehr geben wird. H.E.

 

Societäts-Verlag. 736 Seiten, ISBN 978-3-95542-384-1. Format Hardcover, 25 Euro

Nur eines unterscheidet Fotios, Marius und Niko von ihren Freunden in der nordbayerischen Provinz: Sie spielen alle drei un-widerstehlich gut Fußball. Noch bevor sie 14 werden, nehmen die Profiklubs 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth sie in ihre Lei-stungszentren auf. Von da an führen ihre Leben in neue, un-

vermutete Richtungen.

  Ein Buch über drei fantastische Jungs, die dribbeln wie Messi und von großen Karrieren träumen.

  Ronald Reng hat die drei be-gleitet, hat neun Jahre lang Dra-matik und Glück, Einsichten und schwere Entscheidungen miter-

lebt, das Scheitern und Gelingen eines großen Traums. (Verlagstext, Bespechung folgt).

13,8 x 22,0 cm / ca. 432 S.

Hardcover mit Schutzumschlag

22,- Euro

ISBN 978-3-492-07099-7

Anno dazumal

Als Gerd Müller zurücktrat        Als Beckenbauer nachtrat

Wenn Ronny mit                         dem Kopf abstaubt

Fußballsprache oder ganz schlechtes Deutsch?

 

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