Verein Münchner Sportjournalisten
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Nachrufe

Walter Kaufmann †

VMS-Mitbegründer und ältestes Mitglied

(Unterhaching 30.10.2016) - Den Sport mit all seinen Facetten im Bild festhalten, die Dynamik und Anmut gleichermaßen – im vielleicht auch entscheidenden Moment – auf die „Platte“ bannen, das begei-

sterte ihn zeitlebens. Aber Walter Kaufmann, den Bergfex’ – 488 Gipfel (alle höher als 1800 Meter)  von Norwegen bis Korsika hat er in seinem Bergführer beschrieben, die meisten davon auch mit seiner Frau Cläre (gestorben 2013) selbst bestiegen – faszinierte auch die Bergwelt, deren unnachahmlichen Zauber er immer wieder mit seiner Kamera festgehalten hat. Nun hat Walter Kaufmann diese Welt, die er mit seinen buchstäblich bildhaften Eindrücken zeitlebens bereichert hat, für immer ver-

lassen. Der Mitbegründer des Vereins Münchner Sportpresse am 16. Januar 1950, dem Vorläufer des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS), und ehemaliger Schatzmeister starb am 30. Oktober 2016 im 96. Lebensjahr. Die Urnenbeisetzung – Kaufmann war das älteste Mitglied im VMS – findet auf seinen eigenen Wunsch hin im engsten Familienkreis statt.
Nie wieder wird er die bayerischen Berge sehen, die von seinem Balkon in seiner Woh-

nung in Unterhaching zum Greifen nah waren, immer dann, wenn der Föhn den Himmel von den Wolken blank geblasen hatte. Vielleicht findet das Gegenstück seiner ersten Bergschuhe (der andere steht im Münchner Alpinen Museum)  – Kaufmann wurde in Seeshaupt am Starnberger See, also im Voralpenland geboren – den Platz, den er sich dafür erhofft hat. Längst wachsen aus ihm Blumen.
Die Berge, ja die Berge, waren seine Leidenschaft. Das erzählte er auch anlässlich sei-

nes 95. Geburtstags, den er am 20. November 2015 feiern durfte. Und auch damals blickte er ein bisserl neidisch auf die –  an seine beruflichen Anfänge erinnernd – sich verändernde Welt der Fotografie. Wie sagte er doch, die gestochen scharfen digitalen Farbfotos in der Zeitung sehend: „Ich wollte, ich wäre später geboren.“
Aber Walter Kaufmann war auch so ein Großer seiner Zeit. Dabei war die Ausbildung zum Feinmechaniker beim Agfa-Camerawerk in München – während des Zweiten Welt-

kriegs hatte er, zwischen Fronteinsätzen in Polen und Frankreich, zwei Jahre in der Ent-

wicklungsabteilung des Werks gearbeitet – sein Startkapital, als er Weihnachten 1945 aus der französischen Gefangenschaft heimgekehrt war. Er eröffnete in München ein Fotolabor und gründete später mit seinem Schwager eine Pferdesportzeitung. Nach des-

sen plötzlichem Tod an den Folgen einer Kinderlähmung, übernahm der Münchner Mer-

kur die Redaktionsräume.
Danach wurde Walter Kaufmann freier Journalist. Er kaufte einem Fotografen für 300 Mark die Lizenz für die Trabrennbahn in Daglfing ab und berichtete in Bild und Wort über die Traber und die Galopper in Riem, unter anderen für die Süddeutsche Zeitung, den Münchner Merkur, Rennzeitungen und 35 Jahre lang für die dpa. In Daglfing wurden sei-

ne Zielfotos noch nicht geschätzt, da galt das Augenmaß von „drei würdigen Herren, die als Jury auf der Tribüne standen“, erinnert sich Kaufmann anlässlich seines 95. Geburts-

tags. In Riem schon, dort installierte er am Ziel seine Robot-Kamera.
Bei seinem Abschied von den Rennbahnen war Walter Kaufmann schon 75 Jahre alt. Seine Lizenz als Amateurfahrer hatte er bis zum Schluss, auch wenn er sie selbstver-

ständlich nicht mehr nutzte. Aber er konnte immer stolz darauf sein, dass er 14 Journa-

listenrennen gewonnen hat und 1984 sogar Deutscher Journalistenmeister auf der Trab-

rennbahn in Mönchengladbach gewesen war. Für den heutigen VMS war er ein Gewinn und ein Motor, als er als Nachfolger von Bruno Morawetz in seiner Funktion als Schatz-

meister in der Zeit von 1976  bis 1989 finanziell den Verein Münchner Sportpresse am laufen hielt. Walter Kaufmann bleibt bei uns, seinem VMS, als zäher und nachhaltiger Mitstreiter für unsere Angelegenheiten in bester Erinnerung. 

                                                                                              Margit Conrad/Hans Eiberle

Todor Pipev †

Von Sport-Scheck zum Sender Freies Europa

(München, 6. November 2016) - Todor Pipev, geboren am 25. Juni 1926 in Sofia, kam auf Umwegen zum Journalismus. Als Flüchtling aus dem kommunistischen Bulgarien, arbeitete der ehemalige Skifahrer Pipev in den Fünfziger Jahren als Skitech-

niker bei der Münchner Firma Sport-Scheck. Später wechselte er in die bulgarischen Abteilung des Senders Freies Europa. Er be-

richtete von großen Sportveranstaltungen, ganz Bulgarien hörte ihn auf der Welle des Senders am Englischen Garten.

Sein damaliger Kollege Mihai Rusu, gebürtiger Rumäne, wie Pipev Mitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS), erinnert sich. „Oft haben habe ich mich mit ihm über die Situation in den beiden Diktaturen Bulgarien und Rumä-

nien unterhalten und viele Gemeinsamkeiten in der Politik aber auch im Sport festgestellt. 1988 wurden Pipev und ich nach Seoul zu den Olympischen Spiele geschickt, wo unsere gegenseitige Sympathie sich in eine Freundschaft gewandelt hat. Als sein „Zimmerge-

nosse“ habe ich von seinen neuesten Nachrichten aus der bulgarischen Mannschaft profitiert.

1995, im Jahr der Umsiedlung des Senders Freies Europa von München nach Prag, ging Todor Pipev in den Ruhestand. Er starb im 91. Lebensjahr am 6. November 2016 in Mün-

chen.

Hans Hofstätter †

Vizepräsident, Pressechef und "der Coach"

(3. August 2016) - Hans Hofstätter, langjähriger Vizepräsident von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjour-

nalisten, ist 28. Juli 2016 im Alter von 76 Jahren in Wien nach langer schwerer Krankheit verstorben. Hofstätter war über viele Jahre Pressesprecher des jeweilen Sportstadtrats der Stadt Wien, Pressechef in der Wiener Stadthalle und verantwortlich für die Presse-Akkreditierungen im Hanappi-Stadion. Er war außerdem Pressechef des ÖOC bei Olympischen Spielen und Chefredakteur der Zeitschriften "Sportfunk" und "Wiener Sport am Montag". Und er war Coach der Fußballmannschaft der österreichischen Sportjournalisten. Mit dieser reiste er rund um die Welt – sein Team spielte in mehr als hundert Ländern auf allen Kontinenten, von Grönland über Brunei bis Swasiland. Für seine Verdienste wurde Hans Hofstätter 2006 zum Professor ernannt.

Gerhard Vogt †

Er war Referent von Eberhard Stanjek beim BR

(30. Juli 2016) - Kein Großereignis im BR, ob Olympische Spiele, Fußball-Weltmeister-

schaften, Weltwirtschaftsgipfel oder Papstbesuch zwischen 1976 und 1998 ohne Ger-

hard Vogt, den Referenten des legendären Sportchefs Eberhard Stanjek im Programm-

bereichsleiter Sport und Freizeit. Jetzt ist der Globetrotter - dienstlich wie privat in der ganzen Welt herumgekommen - im Alter von 82 Jahren nach einer mit viel Geduld ertra-

genen Krankheit verstorben.
Als 40 Jahre nach den Olympischen Winterspielen in München die BBC einen Ansprech-

partner für eine Dokumentation suchte, fiel ganz selbstverständlich der Name Gerhard Vogt. Ein wandelndes Lexikon in Sachen Fernsehen und Produktion. Er kam über das Organisationskomitee der Spiele zum Bayerischen Rundfunk und brachte bzw. vertiefte seine guten Kontakte zum Olympischen Komitee, zur FIS, zur EBU, ZDF und den ande-

ren Landesrundfunkanstalten, war für alle, in erster Linie aber für alle seine Kolleginnen und Kollegen der richtige Ansprechpartner.
Er liebte es zu Reisen, hatte einige Jahre in Südafrika gelebt und war gerne in Brasilien. Fotografieren gehörte zu seinen großen Hobbies. Gerhard Vogt war aus Überzeugung ein positiver Mensch, wie seine engsten Mitarbeiterinnen Anne Buncak und Karin Basten nur bestätigen können: „Das Glas war für ihn immer halbvoll, nie halbleer. Er steckte voller Lebensfreude!“ Auch für mich war er von 1992 bis zuletzt ein guter Ratgeber und ein vielseitiger, liebevoller Mensch.                                                              Werner Rabe

Zum Tod von Nicholas Munteanu

Auf der gleichen Wellenlänge

(06. April 2016) - Nicolae Munteanu kuckt nun aus dem ewigen Himmel auf uns herab.

Nicu, wie er genannt und gerufen worden ist, hat das Licht der Welt am 2. Februar 1923 in Campina in der Region Walachei (Rumänien) erblickt. Als Schüler begann er über die Wettbewerbe zwischen den Gymnasien in Bukarest zu schreiben und zu berichten. Ziem-

lich früh wurde klar, dass sich dieser junge Munteanu mal zu einem großen Reporter ent-

wickeln würde.

1946 – im Jahr der großen Schauprozesse der Kommunisten in Rumänien - wurde Mar-

schall Ion Antonescu, Hitlers Verbündeter gegen die Sowjetunion, zum Tode verurteilt; der geheimen Exekution durfte, nach langer Überlegung der Roten Diktatoren, ein ein-

ziger Journalist beiwohnen; das war Nicu.

In der neuen Ära der Rumänischen Arbeiter und Bauerngesellschaft wurde Nicu Mun-

teanu erlaubt, weiterhin sein Hobby als Beruf ausüben – aber stets nur bis zu einer ge-

wissen Grenze. Als er über einen Außenstürmer des Securitate (Rumänische Stasi) Klubs Dinamo Bukarest seine kritische Meinung schrieb, musste er zum Rapport ins Innenministerium und dem berüchtigten Innenminister Alexandru Draghici Rede und Ant-

wort stehen.

 

Der Innenminister akzeptiert Munteanus Kritik am kickenden Parteigenossen

 

Normalerweise mehr Antwort als Rede, da es sehr riskant war, zu genau seine Meinung auszudrücken. Nicu jedoch hat offen und ehrlich erklärt, dass dieser Stürmer grotten- schlecht sei und ist nicht von seiner realistischen Einschätzung abgewichen. Der Minister meinte nur „der Stürmer ist schließlich Parteigenosse, deshalb muss er spielen“, akzep-

tierte aber letztendlich Nicus Kritik und der junge Reporter durfte weiter berichten.

Seine Stationen in der schreibenden und sprechenden Presse hatten Ihn stark geprägt, so dass er nach seiner Ausreise aus Rumänien 1960 über Israel in München beim Sen-

der Freies Europa landete.

Von zehn Fußball Weltmeisterschaften (1970-2006) und neun Olympischen Spiele hat Nicu live berichtet, ebenso von unzähligen Europameisterschaften, die letzte 2008 in der Schweiz, und von zahlreichen sportlichen Großereignissen wie Tennis, Leichtathletik-WM bis hin zum Skispringen. 30 Jahre davon übertrug er sie ins kommunistische Rumänien. Wenn um 18:50 Ortszeit die Sportsendung begann, waren alle auf der gleichen Wellen-

länge mit dem Sender Freies Europa, um die Nachrichten und seine Stimme zu hören. Rating ohne Ende!

1988 ging er in Rente und ich hatte das Glück, die Sportredaktion zu übernehmen – mit dem besten Freelancer Nicu Munteanu. Zusammen haben wir die Tradition fortgeführt und großen Spaß menschlich und beruflich gehabt.

Seine Highlights waren Interviews mit Pele, Franz Beckenbauer, Stefan Kovacs, Boris Becker, Günther Bosch, Ion Tiriac und viele andere großen Sportlern/Sportlerinnen aus aller Welt.

 

"Nicolae Munteanu bedankt sich für eure Aufmerksamkeit"

 

Nicu war immer gut drauf, hatte stets einen witzigen Spruch parat und liebte seine Fami-

lie über alles. Sein einziger Sohn Alwin war sein ein und alles!

Aber die Jahre bleiben nicht stehen und auch Nicu musste sich nun von uns am 06.04. 2016 verabschieden. Er tat es so wie er gelebt hat: mit Würde und in aller Bescheidenheit. Seine Familie hat den Tod des Seniors mit Stolz getragen und war überrascht, wie viele Leute Nicu auf seinem letzten Weg am 10.04.2016 im Jüdischen Friedhof in München begleitet haben.

Der Blumenkranz des VMS, mit den treffend einfachen Worten „Servus Nicu“, die Anwe-

senheit von FC Bayern Münchens Mediendirektor Markus Hörwick, sowie die persönli-

che Anteilnahme des VMS-Vorsitzenden Thomas Walz, der Nicu seit 40 Jahren kennt, haben einen schönen Eindruck hinterlassen.

Am Mikrofon des Senders Freies Europa hat er so angefangen: „Hier spricht Nicolae Munteanu“! Jetzt wird er seine Lebenssendung so beenden: „Nicoale Munteanu bedankt sich für Eure Aufmerksamkeit“.                                                                        Michai Rusu

 

Zum Tod von Jo Viellvoye

Edelfeder des deutschen Sportjournalismus

Als das Heer der Sportbeschreiber noch überschaubar war, gehörte Jo Viellvoye zu den herausragenden Kollegen im Land. Welch eine Feder! Mit ihr schmückte sich in den Sechziger Jahren zuerst BILD in Essen und dann die in München erscheinende Sport-

illustrierte. Mit einer kleinen Mannschaft unter Chefredakteur Karl-Heinz Huba machte vor allem der aus der Aachener Gegend stammende Viellvoye das Wochenmagazin zum „Leckerbissen für Sport-Interessierte“, so damals das Handelsblatt.

Als der seit 1934 erscheinende Titel 1972 mal wieder den Verleger wechselte, ging Viell-

voye als Chefreporter mit zu Burda. Die neuen Blattmacher ersetzten jedoch fehlende Kompetenz durch „unbedresste Sportlerinnen“, wie der Spiegel notierte und dabei auch über Viellvoyes spektakulären Abgang berichtete. „Mir ist schlecht geworden“, ließ der selten Harmoniesüchtige seinen Chefredakteur Wilhelm Hellmuth wissen, auch nachdem ein unbedarfter Kollege in einem verschlimmbesserten Artikel über Formel-I-Rennwagen „das Knallen einer Tür“ gehört haben wollte.

Fortan widmete sich der Mann mit dem belgischen Namen der Sport-Literatur, gab WM- und Olympiabücher heraus, auch eines 1966 über seine Liebe Borussia Dortmund und etablierte sich auf dem freien Markt, bis er schließlich 1984 beim Hamburger STERN und später bei SPORTS anheuerte.

Im anbrechenden digitalen Zeitalter wollte er sich nicht zurechtfinden. Ein erster Schlag-

anfall 1996 raubte ihm zudem Schwung und Ehrgeiz. Halbseitig gelähmt verbrachte er, wieder zurück in Ottobrunn bei München, seine letzten Lebensjahre im Rollstuhl, wäh-

rend sich die Welt um ihn immer mehr verdunkelte.

Und so verblassten in ihm auch die Erinnerungen an seine große Zeit als außergewöhn-

lich talentierter Journalist und Blattmacher, dessen Karriere 1954 als gerade Zwanzigjäh-

riger bei einem historischen Ereignis begonnen hatte: Am 4. Juli 1954 auf der Pressetri-

büne des Berner Wankdorf-Stadions mit der „Invitation Personelle“ für den Arbeitsplatz 601. Die Reportage des jungen Volontärs der Aachener Nachrichten entdeckte sein Sohn Markus in der Hinterlassenschaft des Vaters, ein journalistisches Glanzstück und eigent-

lich wert, nach über einem halben Jahrhundert nochmals gedruckt zu werden.

Jo Viellvoye hinterlässt Sohn, Tochter und Enkeltochter sowie viele Mitstreiter aus alten Tagen. Er wurde 81 Jahre alt.                                                                          Peter Bizer

 

 

Ein Getriebener des Fußballs -

Zum Tod des Fußballtrainers Dettmar Cramer

Foto: Werek/Sandmann, mit freundlicher Genehmigung der Kollegen Markus Ullmer und Andreas Schaad.
Foto: Maria Mühlberger

(18. September 2015) - Das Foto ist unvergessen: Dettmar Cramer, kostümiert als Napoleon, in Feldherrenpose im Münchner Olympiastadion. Eine imposante Erscheinung, da-

bei war Cramer (1,61 m) sieben Zentimeter kleiner als der große Korse. Es war eine Gefälligkeit, Fotografin war Diane Sandmann, die Lebensgefährtin von Franz Beckenbauer, und Cramer 1966 dessen Trauzeuge bei der Hochzeit mit Brigitte Schiller. Damals war Cramer beim Deutschen Fußballbund (DFB) Assistent von Bundestrainer Helmut Schön. Cramer hatte zuvor durchgesetzt, dass der junge Vater Beckenbauer nicht aus der DFB-Jugendmannschaft flog.

1975 und 1976 gewann der FC Bayern mit Dettmar Cramer als Trainer den Europacup der Landesmeister und gegen Cruzeiro Belo Horizonte den Weltpokal.

Zuletzt sah man Dettmar Cramer, der am 4. April seinen 90. Geburtstag gefeiert hatte, in einem Werbespot einer Bank. Er sagte: „Jeder hat etwas, das ihn antreibt.“ Er war selber ein Getriebener des Fußballs.

Der in Dortmund geborene Dettmar Cramer lebte in Reit im Winkl. Dort starb er am 17. September 2015; er wurde 90 Jahre alt.

Nachruf von Hans Eiberle:

 

http://www.sueddeutsche.de/sport/zum-tod-von-dettmar-cramer-getriebener-des-fussballs-1.2654270

Der Radsport war sein Leben

VMS trauert um sein Mitglied Ludwig Bierlinger

(15. September 2015) – Der Radsport bedeutete ihm alles. Ludwig Bierlinger (Foto mit Bruno Risi), der ehemalige 1. Vorsitzende des ältesten Münchner Radsportvereins RC die Schwalben, berichtete ein halbes Jahrhundert lang von den Rennen auf Bay-

erns Landstraßen und Radrennbahnen.

Bei der Cross-WM 1975 im Olympiapark und mehreren deutschen Meisterschaften war Bierlinger Organisations- und Pressechef. Er gehörte 45 Jahre lang dem Verein Münch-

ner Sportjournalisten (VMS) an.

Sechstagerennen, die er als Berichterstatter verfolgte, faszinierten Ludwig Bierlinger am meisten. Er war schon von 1949 bis 1954 bei den Sechstagerennen in den Messehallen auf der Theresienhöhe, erlebte ab 1972 alle 38 Veranstaltungen in der Olympiahalle.

Insgesamt sah er mehr als 150 Sechstagesrennen in München, Berlin, Frankfurt, Köln, Dortmund, Kopenhagen und Zürich. Sein Radsport-Archiv wurde immer umfangreicher.

Viele der großen Radsport-Stars wie Eddy Merckx, Erik Zabel oder den Schweizer

Bruno Risi kannte er, mit den erfolgreichen Münchner Lokalmatadoren verband ihn eine jahrzehntelange Freundschaft.

Ludwig Bierlinger wurde Zeuge des Niedergangs, den der Radrennsport in München erlebte. Das fing mit dem Abriss der Amorbahn in Sendling in den 60-iger Jahren an. Drei Jahrzehnte später folgte die Demontage der Olympia-Radrennbahn. Zuletzt musste Bierlinger 2009 Abschied vom Münchner Sechstagerennen nehmen.

Anfang August 2015 ist Ludwig Bierlinger im Alter von 78 Jahren verstorben. Er wurde auf dem Münchner Waldfriedhof (Alter Teil) beerdigt.

 

Text und Foto mit freundlicher Erlaubnis des Münchner Merkurs.

 

"Kinder kauft Kämme..."

Der Sportjournalist Eugen Vorwitt wäre jetzt 100 Jahre alt.

Eugen Vorwitt übergibt den Staffelstab beim Sportfest des Vereins Münchner Sportpresse (VMS) 1951 in der Ausstellungshalle an Harry Valérien.

(8. September 2015) - 1969 berichtete das Nach-

richtenmagazin Der Spiegel über den Rücktritt von Willi Weyer als Geschäftsführender Präsident des Deutschen Sportbunds (DSB). Grund: Das Präsi-

dium hatte sich seinen Plänen für eine Struktur-

reform widersetzt. Multipräsident Willi Daume (DSB, Nationales Olympisches Komitee, Olympisches Organisations-Komitee München 1972) versprach, die Krise schnell zu beheben, blieb aber im Amt. Der Spiegel zitierte aus dem Münchner Merkur. „Im höch-

sten DSB-Gremium“, witzelte der Münchner Sport-

journalist Eugen Vorwitt, „summieren sich anschei-

nend viele Nullen zu einer erstaunlichen Größe.“

Eugen Vorwitt, der am 8. September 100 Jahre alt geworden wäre, verfügte über eine kritische Schreibe, einen trockenen Humor und er schreckte auch vor Kalauern nicht zurück, um den Leser bei Laune zu halten. Legendär sind seine Kolumnen „Zum Tage“, in denen sich Plattitüden bisweilen häuften wie „Kinder kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten“ oder „alle Gewehre aufs Rathaus“. Unter der Münchner Kollegenschaft hielt sich hartnäckig das Gerücht, Vorwitt würde darüber Buch führen, um sich nicht zu oft zu wiederholen.

Es bestätigte sich, als Eugen Vorwitt am 26. November 1976 in der Sportredaktion des Merkurs während des Sonntagsdiensts den zweiten Herzinfarkt erlitt und auf dem Weg in die Klinik starb. Wolfgang Gärner, damals mit 29 Jahren der Jüngste in der Sportredak-

tion, wurde von den geschockten Kollegen Hans Wiesner und Rolf Hofman beauftragt, in Vorwitts Schreibtisch nach dringend benötigten Versorgungsunterlagen zu suchen. Die fand er nicht, entdeckte aber „ein schwarzes Oktavheft, in dem standen die Sprüche: Kinder kauft Kämme, dahinter das Datum der Veröffentlichung.

Vorwitts reimte Überschriften: "Rudi Altig ganz gewaltig"

Vorwitts Überschriften reimten sich häufig. Berichte von Erfolgen deutscher Radrenn-

fahrer betitelte so: „Kunde in aller Munde“, „Wilde am Berg im Bilde“, "Rudi Altig ganz gewaltig“. Dabei war er nicht konkurrenzlos. Als sich der Torhüter des VfB Stuttgart schwer verletzte, reimte Paul Ludwig im Sportkurier, den es schon lange nicht mehr gibt: „Bögelein brach Wadenbein.“ Ob folgender Reim im Merkur stand ist allerdings nicht verbürgt: „Von der Maas bis an die Memel immer siegreich: Walter Demel.“

Die Leserschaft mochte Eugen Vorwitts Kolumnen, bei seinen Kollegen in der Sportre-

daktion des Merkur waren sie gefürchtet. Denn der Schreiber beförderte per Rohrpost meist absatzweise in die Setzerei, überzog das vorgegebene Maß maßlos, und wenn der Umbruchredakteur glaubte, es sei zu Ende, brachte Vorwitt ein weiteres Manuskript selbst in die Mettage. „Er hielt seinen Bleistift an den schon umbrochenen Text und sagte, ,soviel kommt noch'. Es kam dann das Doppelte“, erinnert sich Wolfgang Gärner. Vorwitt war aber nicht böse, wenn gar nichts mehr ging, sondern sagte, das komme dann halt am nächsten Tag ins Blatt.

Eugen Vorwitt war einer von jenen jungen Männern, die nach sechs Jahren im Krieg 1945, häufig mit einem Notabitur und ohne Berufsausbildung, auf der Suche nach einem Broterwerb im Journalismus landeten. Nicht wenige kamen aus dem Sport. Vorwitt lief im Trikot des Post-Sportvereins 400 m (50,7), sein Vereinskamerad war Ludwig Koppen-

wallner, später Ressortleiter Sport der Süddeutschen Zeitung, deutscher Hochsprung-

meister 1947 und 1948. Der animierte ihn zum Schreiben, so wurde Vorwitt Journalist.

Bevorzugt berichtete Vorwitt über den alpinen Skirennsport und Radrennen. Mit Sigi Renz, dem deutschem Straßenmeister 963, bis 2009 Sportlicher Leiter der Münchner Sechstagerennen, war er befreundet und unternahm mit ihm Trainingsfahrten. Auch noch nach seinem ersten Herzinfarkt, entgegen ärztlichen Rats.

Eugen Vorwitt wurde nur 61 Jahre alt. Den Nachruf am Grab sprach Harry Valérien, auch einer von den Journalisten, die über den Leistungssport zum Beruf gekommen waren.

 

Kolumne: Goldene Eier

Kritisch, objektiv

Zum Tod von Franz-Hellmut Urban

(20.08.2015) Seine Kommentare „Zum Tage“ fielen gerne auch mal etwas spitz aus. Mit „Setzen, sechs!“ etwa bewertete Franz-Hellmut Urban eine entsprechende Leistung der deutschen Rodlerinnen. Die Benotung ist der mitbetroffenen Betty Demleitner merklich in Erinnerung geblieben. Jahre später erzählte sie noch davon – und lachte den Sportchef des Münchner Merkur dabei an. Denn der hatte es stets verstanden, objektiv zu bleiben, mal zu kritisieren, „seine“ Sportler aber auch ins beste Licht zu rücken, wenn sie Großes vollbracht hatten.

Mit solcher Grundsympathie begleitete Urban als Journalist eine lange Reihe von Sport-

größen durch ihre Karriere. Rodler und Handballer, Tennisspieler und Leichtathleten, vor allem aber auch alpine Skirennläufer. Wie „Gold-Rosi“ Mittermaier, der er, wie vielen, über ihre aktive Zeit hinaus in Freundschaft verbunden blieb. Von unzähligen Weltcup-Veranstaltungen hat Urban berichtet, das „Criterium des ersten Schnees“ in Val D’Isere war für ihn jede Saison Ausgangspunkt eines Wintermarathons durch die Alpen.

1968 heuerte der Schwabacher als 21-Jähriger in der Sportredaktion des Münchner Merkur an. Mit den Spielen in München startete er 1972 eine ausgedehnte olympische Reporterkarriere. 1977 stieg Urban zum Co-Ressortleiter auf, ab 1979 war er für den Sportteil im Münchner Merkur alleine verantwortlich, fünf Jahre später wechselte er als Sportchef zur Münchner AZ.

Auch im Ruhestand wollte Franz-Hellmut Urban sein journalistisches Handwerk, in dem er es früh zum Meister gebracht hatten, zunächst weiter pflegen. Für den Merkur ver-

fasste er noch ein paar Jahre regelmäßig eine Seite mit dem Titel „Golf in Bayern“. Solange es seine Gesundheit zuließ.

Am 20. August ist Franz-Hellmut Urban in Kreuth gestorben. Mit 68 ging eine große Sportjournalisten-Karriere zu Ende. Viel zu früh, ist man geneigt zu kommentieren.   hl

Berührende Trauerfeier für Paul Sahner

Foto: walz/vms

(12. Juni 2015) – Kolleginnen und Kollegen, Prominente, Freunde, sein Frau und die Ange- hörigen der Familie nahmen am Freitagvormittag in der Allerheiligen Hofkirche Abschied von Paul Sahner. Der langjährige Chefreporter des Magazins „Bunte“ starb am Sonntag in seinem Haus in Lanzing am Chiemsee an einem Herzinfarkt. Am 21. Juni wäre der in Bockum-Hövel, einem Stadtteil von Hamm in Westfalen, geborene Journalist 71 Jahre alt geworden. Deutschlands bekanntester Klatschreporter hatte sich im Herbst aus der Redaktion der Bunten zurückgezogen, war dem Blatt aber als Autor verbunden geblieben. Im März hatte Sahner sein neuestes Buch vorgestellt, eine Hommage an den verstorbenen Sänger Udo Jürgens. Für den Oktober hatte Sahner seine Autobiografie angekündigt, Titel „Ich kriege sie alle!“

Paul Sahner war Mitglied der Jury des Helmut-Stegmann-Nachwuchs-Förderpreises für regionale und lokale Sportberichterstattung. Im März 2015 hatte er an der Preisverlei-

hung teilgenommen.

Vom Verein Münchner Sportjournalisten bei der Trauerfeier gesehen: Thomas Walz, 1. Vorsitzender, und sein Amtsvorgänger Hans Eiberle, Klaus Hoeltzenbein, Ressortleiter Sport der Süddeutschen Zeitung, Wolfgang Uhrig, Mitglied der Förderpreis-Jury, Eckard

Gmeiner, Conny Konzack.

Paul Sahner (l.) mit Preisträgern, Jury- und VMS-Vorstandsmitgliedern sowie Bürgermeisterin Christine Strobel (3.v.r.). Foto: Martin Hangen

Servus, Uli

Der VMS trauert um sein Mitglied Ulrich Kaiser

(01.03.2015) Bei Homer steht zu lesen, dass der Mensch unter allen Lebewesen am meisten leidet, weil er sich als Einziger des unausweichlichen Todes bewusst sei. Ein Gedanke, den Ulrich Kaiser beschäftigt haben könnte, unseren großen Kollegen. Wer ihn zuletzt hatte beobachten können bei Spielen des FC Bayern in der Münchner Allianz-Arena, der bemerkte um ihn eine Aura von Resignation und Traurigkeit.

Was doch eigentlich so überhaupt nicht zu seinen Geschichten passte. Wenn man zum Beispiel diese Episoden über den Golf-

sport liest. Oder Tennis, dieser ersten Liebe - das ist pure Lesefreude, skurril, nur noch amüsant! Und, ja auch das: selten ohne Zynismus. Aus letzter Zeit ist mir in Erinnerung ein Satz zum komische Verhalten eines Zeitgenossen, wozu er mit verächtlichem Blick nur trocken sagt: „In dessen Logik kann ich das durchaus verstehen.“

Kaiser schrieb zum Schmunzeln, er hatte Spaß am Formulieren, manchmal mit Spott - aber immer mit einem Augenzwinkern. Da war er ein Bruder im Geiste von Dieter Hilde-

brandt, dem großen Kabarettisten, beide übrigens aus Ostpreußen stammend. "Uli", wie ihn nur wenige anreden durften, die er besser kannte, schrieb ja auch Texte für Hilde-

brandts Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Und weniger bekannt ist wohl sein Wirken als Filmemacher. In Wettbewerben des Ver-

bandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) gewann er 1986 den „Fernsehpreis des VDS“ mit einer Produktion für das ZDF, zuvor holte sich Kaiser Preise ab für Texte in VDS-

Artikelwettbewerben 1971, 1976 und 1981. Zweifach für einen Mann - das gab´s bis heute noch nie im VDS.

Alle Auszeichnungen fielen in die Zeit als freier Journalist. Zuvor hatte er sich einen Namen gemacht beim Sport-Informations-Dienst (SID), damals noch mit der Zentrale in Düsseldorf. Mit 25 war er 1959 aus Heidenheim in das Pressehaus am Martin-Luther-

Platz gekommen. Unter ein Dach mit späteren Koryphäen wie Helmut Markwort, Dieter Kürten, Hans Wilhelm Gäb (alle beim Mittag/Spätausgabe). Und neben etablierten SID-Pionieren wie Werner Schneider, Karl-Adolf Scherer oder Heinz Vogel - er daneben als junger blonder Mann. Ein noch unbeschriebenes Blatt, aber bei seinen Geschichten konnte man schon sehen, wie das Papier leuchtete ...

Vierzehn Jahre danach, beim Ausscheiden 1973 mit 39 Jahren als Stellvertreter von Gründer und Chefredakteurs Alfons Gerz, hatte Ulrich Kaiser ein Stück Geschichte des SID mitgeschrieben. Im Rückblick war Kaiser für die Agentur als Organisator verant-

wortlich für Vorberichterstattung und Logistik bei mehreren Olympischen Spielen von Tokio 1964 bis 1972 München, wo er im Büro des Olympiaturms gemeinsam mit dem Chronisten ab 1969 den SID vertrat. Als Reporter berichtete er von sieben Fußball-Weltmeisterschaften und acht Olympischen Spielen.

Und hatte sich dabei nebenbei einen Namen gemacht als so genannter „Tennis-Papst“, ununterbrochen 44 Jahre verlebte U.K. in U.K die Sommermonate. In seinem unver-

kennbaren launischen Stil beschrieb er aus London Slice und Service, mit besonderer Hingabe Royals und Roben, Hüte und andere eher nebensächliche Highlights.

Auch als Freier widmete sich Kaiser vernehmlich seiner Neigung Tennis und später dem Golf. Er wurde Chefredakteur der „Tennis Revue“ und beim „Golf Journal“, schrieb Bücher wie „Tausend miese Tennis-Tricks“ oder „Es ist nicht alles Golf, was glänzt“. Wunderbare Lesekost, „mit Humor, den man dem Autor auf den ersten Blick bis heute selten ansieht“. So sein Freund und Wegbegleiter Peter Bizer im Porträt zum 80.Geburts-

tag im „sportjournalist“. Das war im August, vor einem halben Jahr, als wir in einer fröhlichen Runde noch nicht daran dachten …

Und heute, nur ein paar Monate später, gilt das Mitgefühl seiner Frau (die Kaiser als oft präsente „Ingeborg K.“ in Kolumnen bekannt machte), Sohn Christian (evangelischer Pfarrer) und Tochter Katrin (Journalistin und Schriftstellerin). Ich habe mit ihm einen Freund verloren, einen Mentor und Maßstab - ersetzen kann man ihn mir nicht.

Nach einem nur kurzen, unheilbaren Leiden verstarb „Uli“ am Mittag des 1.März in seinem Haus im oberbayerischen Gröbenzell. Er fehlt - nicht nur neben mir. Immer am Samstag, Platz 3, Reihe 22, Block 106, bei Heimspielen des FC Bayern in der Allianz-Arena.                                                                                              Wolfgang Uhrig

Zum Tod von Manfred Wagner

(10.02.2015) Dort hatten sich zwölf Jahre zuvor die deutschen Fußball-Weltmeister die Huldigung einer riesigen Menschenmenge entgegengenommen, mittendrin der 15-jährige Manfred Wagner. Zehn Jahre spielte der in der Bundesliga gegen Max Morlock und Hans Schäfer, die „Helden vor Bern“, seine Idole. Das sei ein unbeschreibliches Erlebnis gewesen, sagte Wagner in einem Interview für das SZ-Buch „15:30 – Die Bundesliga“.

Bei 1860 begann Wagner, der vorher in Sendling beim FC Neuhofen gespielt hatte, als Rechtsaußen, am 5. Oktober 1958 im Oberligaspiel gegen den VfR Mannheim; später rückte er auf den rechten Außenverteidigerposten. Er spielte für die Sechziger 94 Mal in der Oberliga Süd und war 187 Mal in der Bundesliga im Trikot mit dem schwarzen Löwen am Ball. Dazu kamen 31 Spiele in der zweiten Liga, 15 im DFB-Pokal und zehn im Euro-

pacup, darunter das Finale im Pokalsieger-Wettbewerb, 1965 gegen Westham United im Londoner Wembleystadion. Wagner war der einziger Spieler aus der Meistermannschaft, die nach dem Abstieg 1970 noch ein Jahr in der Zweiten Liga kickte. Er blieb den Löwen sein Leben lang treu, managte, längst weißhaarig, die Traditionsmannschaft.

Nach zwei Herzinfarkten lag Manfred Wagner im Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Er starb am 10. Februar 2015 im 77. Lebensjahr.

 

http://www.tsv1860.org/fussball/neuigkeiten/loewen-trauern-um-manni-wagner_854

Karl Eisgruber †

Der VMS trauert um sein Gründungsmitglied

Der Verein Münchner Sportjournalisten (VMS) trauert um sein Gründungs-

mitglied Karl Eisgruber. Er wusste er, dass er sehr krank war, aber er blickte optimistisch in die Zukunft. Und war mit sich und der Welt im Reinen. Wie immer es ausgehe, sagte er, es sei ein schönes Leben gewesen. Es endete am Abend des 21. Januar 2015, er ist friedlich und ruhig eingeschlafen.

21 Jahre und fünf Tage alt war Karl Eisgruber, als der VMS 1950 gegründet wurde; so jung wurde nie wieder ein Journalist Mitglied. Allein das wäre schon Grund genug für einen Platz in der Vereinsgeschichte. Und auch, dass der Jurastudent Eisgruber seinem Spezi Werner Göhner, dem nachmaligen Chef der Olympiapark GmbH und Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, beim Abfassen der Satzung helfen durfte.

Karl Eisgruber aber wird beim VMS nicht zuletzt in Erinnerung bleiben, weil er 1972 der Fußballmannschaft des Journalistenvereins die Erlaubnis zum Eröffnungsspiel im Olympiastadion gegeben hat: An einem Samstagmorgen gegen die Schwabinger Knei-

penmannschaft Säge, ohne Zuschauer, Reden und Feuerwerk, ein paar Wochen vor dem Länderspiel der bundesdeutschen Auswahl gegen die UdSSR. Der Aufwärmplatz hinter dem Stadion war schon besetzt, da sprach Eisgruber, der stellvertretende Chef der Münchner Olympiagesellschaft: „Dann spuilts halt im Stadion.“ Es musste aber geheim bleiben, und das blieb es Jahrzehnte lang.

Während seines Jurastudiums hatte Eisgruber für die Sportredaktion der Süddeutschen Zeitung, den Kicker und die amerikanische Nachrichtenredaktion AP gearbeitet, für die er 1955 täglich von der Ringer-WM in Karlsruhe berichtete. Nach dem Studium wurde er 1968 Leiter des Olympia-Amts der Stadt München. 1972 wechselte er zur Münchner Olympiagesellschaft, die 1973 in Münchner Olympiapark GmbH umbenannt wurde. Schon 1972 zitierte der Spiegel Eisgruber so: „Unsere Sorge ist, dass auf dem Oberwie-

senfeld nicht olympische Ruinen entstehen." Der erinnert sich an „ verrückte Ideen“ der Nachnutzung, beispielsweise mit einem japanischen Frauentheater, das er in Japan gesehen hatte. Das hätte aber 1,5 Millionen Mark gekostet, die hatten sie nicht. Die große Zeit der Beatles war zwar vorbei, aber die Rolling Stones traten zweimal im Olympiastadion auf.

Karl Eisgruber hatte einen guten Draht zu den Journalisten, was aber nicht hieß, dass er eine sprudelnde Informationsquelle war. Als Fußballer nach Spielen im Olympiastadion über Schürfwunden zu klagen begannen, mussten die Reporter den Grund schon selber herausfinden. Der immer wieder auf den Rasen gestreute Sand war grün eingefärbt und von der Tribüne aus nicht zu erkennen.

Jahrelang hatte Karl Eisgruber geholfen, die Olympischen Spiele vorzubereiten. Gese-

hen hat er aber nur die Eröffnungsfeier. Eisgruber hatte sich bei den Winterspielen in Sapporo mit einem Virus infiziert; die Folge war ein Loch im linken Lungenflügel, er lag elf Wochen im Krankenhaus.

Als Prokurist war Karl Eisgruber Stellvertreter von Werner Göhner († 2008). 1991 verab-

schiedete er sich in den Ruhestand, sein Freund und Chef folgte ihm 1993. Danach blieb noch mehr Zeit für Kreuzfahrtreisen mit seiner Frau Anneliese, mit der er 60 Jahre lang verheiratet war.

Karl Eisgruber blieb dem VMS ein Leben lang verbunden. Er wird als liebenswerter, ver-

lässlicher Freund in Erinnerung bleiben.                                                  Hans Eiberle

VMS trauert um Egon Stengl

Das langjährige Mitglied starb im Alter von 78 Jahren

"Wenn Murks zum Verkaufsprogramm wird. Produzieren für die Mülltonne? Bislang hielt man das für einen Mythos. Doch Produkte mit absichtlich eingebauten Schwachstellen sind allgegenwärtig. Aktivisten machen dagegen mobil. Der Autor Ferdinand Knauß nennt Roß und Reiter. Danke!Quelle: WirtschaftsWoche Online.“

 

Das war, am 26. November 2014, der letzte Eintrag von Egon Stengl auf seinem Online-Portal infocomma.net. Am nächsten Morgen lag er tot im Bett seiner Münchner Wohnung; er wurde 78 Jahre alt.

Nichts hatte auf einen plötzlichen Tod hingedeutet. Egon Stengl hatte sich von einem Schlaganfall vor zwei Jahren gut erholt, geblieben war nur eine leichte Gehbehinderung. Auch der Herzinfarkt in diesem Herbst schien ohne Folgen geblieben zu sein, Stengl war aus der Reha nach Hause zurückgekehrt.

Der gebürtige Nürnberger hatte in seiner Heimatstadt Schriftsetzer gelernt und sich als freier Mitarbeiter bei Tageszeitungen versucht. Ab 1959 besuchte er in München die Akademie für das Grafische Gewerbe, arbeitete danach sieben Jahre lang bei der Firma Siemens. 1968 wechselte er als Pressereferent zur Olympia Baugesellschaft. Deren Geschäftsführer Werner Göhner, später in gleicher Position bei der Münchner Olympia-

park GmbH, die für das Olympiastadion zuständig ist, war 1969 Stengls Bürge bei der Aufnahme in den Verein Münchner Sportjournalisten (VMS), dessen Gründungsmitglied Göhner war.

Nach seiner Tätigkeit für Werben & Verkaufen sowie als Pressechef des Verbands Deut-

scher Sportfachhandel machte Stengl sich 1978 mit eigenem Pressebüro selbstständig. Seit 1993 war er Herausgeber der Online-Magzine infocomma.net, pressegolf.de und golfzeitung.net. sowie sportjournalisteninbayern.de, der gemeinsamen Internetplattform der drei bayerischen Regionalvereine des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS).

Während seiner 45 Jahre Mitgliedschaft im VMS war Stengl in verschiedenen Ämtern für den Verein tätig, so als Geschäftsführer sowie Internetbeauftragter. Lange vor dem Dach-

verband VDS entwickelte er für den VMS eine Datenbank für die Mitgliederverwaltung. Auch im VDS engagierte er sich. 1984 stellte er das Verbandsmagazin vom DIN-A-5-For-

mat auf DIN-A-4 um und gab ihm ein neues Gesicht. Er war Präsident des 1990 gegrün-

deten Presse Golf Clubs.

Wie zahlreiche Kollegen seines Alters, war Stengl über den Leistungssport zum Sport-

journalismus gekommen. Mit dem TSV München von 1860 wurde er deutscher Leicht-

athletik-Mannschaftsmeister, der Stabhochspringer war zwischen 1959 und 1965 dreimal bayerischer Meister (Bestleistung 4,31 m).

Als DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 29/1972 über Stengls spektakulären Sturz aus vier Metern Höhe in den Einstichkasten der Stabhochanlage auf dem von einer deutschen Firma produzierten neuen Kunststoffbelag im Olympiastadion berichtete, flammte die Diskussion darüber wieder auf, ob das amerikanische Produkt Tartan nicht besser geeignet gewesen wäre. Egon Stengl, Pressereferent der Olympia-Baugesellschaft, der mit einer Gehirnerschütterung zwei Wochen im Krankenhaus lag, beeilte sich damals mit der Feststellung, beide Produkte seien bei Regen rutschig. Es blieb beim Rekortan.

Zum Tod von Harro Esmarch

Der Hamburger, der lange in Berchtesgaden lebte, starb in Oberhof

Harro Esmarch, Mitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten seit 1990, ist am 13. März 2014 im Alter von 84 Jahren in Oberhof gestorben. Der gebürtige Hamburger, dessen Vater Kurt Ernst Gustav als Erfinder des „Hamburger Hafenkonzerts“ gilt, lernte 1967 als Berichterstatter vom Roßfeld-Bergrennen seine spätere Frau kennen, die beim Berchtesgadener Anzeiger arbeitete. Dessen Redaktionsleiter wurde Harro Esmarch 1974 und blieb es bis 1995. Nebenbei war Pressesprecher des Rennrodel-Weltverbands (FIL).

Nach dem Tod seiner Frau heiratet Harry Esmarch 2005 in Berchtesgaden die Rodel-Olympiasiegerin von 1976, Margit Schumann. Standesbeamter war der zweimalige Rodel-Weltmeister und FIL-Präsident Josef Fendt.

Harro Esmarch zog im Alter von 73 Jahren in die Heimat seiner zweiten Ehefrau nach Oberhof. Er machte sich um den Aufbau der Thüringer Wintersportausstellung verdient. Danach war er Mitorganisator von Automobil- und Motorradausstellungen.

Von einem Schlaganfall im Jahr 2009 erholte sich Harro Esmarch nie mehr vollständig. Dazu kam eine Krebserkrankung, der er erlag.

Zum Tod von Heinz Krecek

Heinz Krecek ist tot; er starb am 2. Februar 2014 im 84. Lebensjahr in Tegernsee. Krecek revolutionierte als Mitbegründer des Materialpools im Deutschen Skiverband (DSV), den er von 1970 bis 1993 leitete, die Vermarktung des Spitzensports auf dem internationalen Skimarkt. Außerdem war Krecek, im alpinen Skizirkus unter dem Spitznamen „Idi Alpin“ bekannt, für den internationalen Skiverband Fis tätig. So setzte er sich von 1971 bis 1977 als Mitglied in verschiedenen Alpin-Sub-Komitees, darunter auch im „Komitee für Wettkampfausrüstung“ bei den alpinen und nordischen Disziplinen.

Der Werbeverhinderer von Oslo

Heinz Krecek stoppt den Weltmeister beim Start

Bei der nordischen Ski-WM 1982 in Oslo versuchte Heinz Krecek auftragsgemäß, die Werbelogos auf der Ausrüstung der Teilnehmer zu überkleben. Hans Eiberle hat darüber berichtet.

 

Anfangs hatte Sawjalow geführt, dann der finnische Feuerwehrmann Autio. Wassberg war über die Ränge fünf und zwei vorgerückt, bei Kilometer 38 schon 10,8 Sekunden voraus und vergrößerte seinen Vorsprung. Taktik sei dies nicht gewesen, versicherte Wassberg und schaute finster drein. „Ich bin zu aggressive losgelaufen“, sagte er. Auf Touren gebracht hat ihn, wieder einmal, Heinz Krecek, der als Fis-Beauftragter über die Einhaltung der Werbebestimmungen wacht.

Nachdem der Schwede wegen Kreceks Klebeaktion elf Sekunden zu spät zu den 30 km gestartet war, wehrte er diesmal den einen Kopf kleineren Kontrolleur handgreiflich ab, als dieser ein Firmenlogo auf dem Handschuh unkenntlich machen wollte. „Der hat zu mir gesagt, 'geh' nach Hause und grab' eigenes Grab',“ klagte Krecek. Ein klarer Fall von Disqualifikation, sollte man meinen. Weit gefehlt. Tags zuvor hatten die Mannschafts-

führer in ihrer Besprechung reglementswidrig ihre Zustimmung erteilt, so dass dem Athleten daraus kein Strick gedreht werden konnte.

Jetzt kann ich mich bei den Alpinen nicht mehr sehen lassen“, befürchtet Krecek. Bei der WM in Schladming hatte er wegen eben dieses Verstoßes je eine Polin, eine Jugos-

lawin und eine Fahrerin aus der UdSSR disqualifizieren lassen. „Die san im Schnee gsessen und hom gwoant.“ Wassberg dagegen wurde auf Schultern davongetragen. Und was mit der schriftlichen Rüge für den schwedischen Verband geschieht, die Krecek beantragte, machte dieser mit einer Handbewegung deutlich, indem er hinter sich griff.

Trauerfeier für Bruno Moravetz

Irene Theo Waigel, Bundesfinanzminister a.D., trugen sich ins Kondolenzbuch ein. Unter ihrem Mädchennamen Irene Epple war Frau Waigel 1980 olympische Silbermadaillengewinnerin im Riesenslalom. Links: Klaus Angermann, früher ZDF-Sportreporter.

Mora war nicht nur „Wo ist Behle?"

Bruno Moravetz ist tot. Der ehemalige ZDF-Reporter und Moderator des Aktuellen Sportstudios starb am 31.12.2013 in einem Seniorenheim in Kempten. Er wurde 92 Jahre alt.

Seine Enkelin Stefanie Kneer, die Tochter des SZ-Redakteur Christof Kneer, hatte zum 90. Geburtstag mit einer Zeitung: „Moras Allgemeine“ gratuliert. Freunde, Kollegen, langjährige Wegbegleiter aus aller Welt waren darin aufgerufen, sich mit kleinen Geschichten und Fotos über "Mora" daran zu beteiligen. Es entstand eine kleine „Bibel des Nordischen Skisports“.

Mora“ war mehr als nur das legendäre „Wo ist Behle?“ bei der unvergessenen Repor-

tage von den Olympischen Winterspielen 1980, als sich ein junger Sauerländer an-

schickte, die Skilanglaufwelt auf den Kopf zu stellen und der Reporter Bruno Moravetz

über die amerikanischen Regisseure und über alles um ihn herum in Rage geriet, weil der Name des Willingers Jochen Behle bei seinem überraschenden Sturmlauf zwar als zunächst Dritter auf der Anzeigetafel aufleuchtete, Behle aber während der gesamten Liveübertragung nur einmal kurz im Bild zu sehen war.

Am Tag danach schwappte eine Welle aus Deutschland über ihn und Jochen Behle hinweg. Es war Rosenmontag am Rhein und das „Wo ist Behle?“ zum Renner geworden. Das Duo Moravetz/Behle gewann Preise und Auszeichnungen und ging gemeinsam auf Tournee.

Die drei Worte bekamen „Mora“ und der später zum Bundestrainer avancierte Behle immer wieder zu hören. Doch Bruno Moravetz auf dieses Zitat reduzieren zu wollen, wäre fatal. Er hatte viele andere Stärken: das geschliffene Wort in Schrift (FAZ) und am Mikrofon (ZDF), die Liebe zu den Bergen, den Fecht-Motocross- oder Kanusport nicht zu vergessen.

Mora“ war auch nach der Pensionierung 1987 einer der aufmerksamen und kritischen Begleiter der Skiübertragungen in ARD und ZDF, der auf seine alten Tage nicht mit Lob oder Kritik gespart hat. Er war Freund und Helfer, konnte aber auch völlig ausrasten, wenn einer etwa den Skispringer „Buwi“ Bradl oder andere legendäre Skikönige voreilig und ohne entsprechenden Hintergrund kritisierte oder gar in Frage stellen wollte. So etwas nannte er Majestätsbeleidigung.

Zusammen mit seinen Kollegen Werner Kirchhofer (Freiburg) und Willy Ahstl (Wien) hatte er an einem verregneten Wettkampftag am Holmenkollen in Oslo das „Forum Nordicum“ erfunden, eine Einrichtung, die seit 1980 Jahr für Jahr die nordischen Fachjournalisten mit Sportlern, Trainern, Funktionären, Sponsoren und Veranstaltern zur Einstimmung auf den Winter im Oktober an einen Tisch bringt. Noch immer, zuletzt in Slowenien. Moravetz hat die beiden Mitbegründer des Forums um viele Jahre überlebt.

Mit Gerd Mehl, Erwin Dittberner, Peter Müller oder Ralf Kokoschka konnte Moravetz im Trettach-Stüberl oder bei Fischers im Keller in Oberstdorf, im Berg-Cafe in Nesselwang, an der Flugschanze in Planica oder am Holmenkollen in Oslo herzhaft lachen, wenn der fiktive norwegische Schneeforscher Prof. Arne Leybusch angeblich wieder einmal etwas erfunden hatte.

Mora“ war ein wandelndes Lexikon nicht im nordischer Skisport. Er entwickelte daheim in Nesselwang am Computer mit einem Sponsor das erste „Who is who?“ mit den Daten und Fakten der Sportlerinnen und Sportler.

Bruno Moravetz engagierte sich auch berufsständisch. In den Siebziger Jahren war er, als Nachfolger von Robert E. Lembke ("Was bin ich?"), Schatzmeister des Vereins Münchner Sportjounalisten. Er war Ehrenmitglied des Verbands Deutscher Sportjour-

nalisten (VDS).

Ein Seniorenheim in Kempten war seine letzte Station. "Mora" war stolz, dass seine Tochter Christiane und auch die Enkelin in seine journalistischen Fußstapfen getreten waren - und dass zu seinem 90. Geburtstag neben vielen Skifreunden auch der damalige DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach zum Gratulieren gekommen war, den er seit dessen Zeiten als Fechter kannte. Auch der Autor bekennt stolz zu sein, dass er von "Mora" lernen und das Duo Moravetz/ Behle einige Zeit begleiten durfte.              Werner Rabe

Hans Wiesner, 11. Oktober 1925 - 11. September 2013

Er war ein einfühlsamer und behutsamer Mensch, dem es spielend gelang, andere für sich zu gewinnen. Hans Wiesner, gemeinsam mit Eugen Vorwitt und Rolf Hofmann in den Sechziger- und Siebziger Jahren Sportchef des Münchner Merkur, zog mit seiner freundlichen Art alle in seinen Bann. Sein ausgeglichenes Wesen verlor er nur beim Umbruch der Sportseite, wenn ein wichtiger Artikel noch nicht fertig war. Das war zu Hans Wiesners Zeiten, als die Textzeilen noch in Blei gegossen wurden, ein ernstes Problem, denn die Zeit drängte, damals noch mehr als heute.

Für mich war Hans Wiesner ein Gentleman. Ein liebenswerter Gentleman, der über ein umfassendes Wissen verfügte, mit dem er aber nie prahlte. Sein freundliches Wesen, seine Fairness waren sein Erfolgsgeheimnis. Beides öffnete ihm bei den Sportlern Tür und Tor. Sie vertrauten sich Hans Wiesner an. Denn sie wussten, dass ihre Aussagen bei ihm in guten Händen waren.

Für Eishockeytrainer wie Hans Rampf, Mike Daski oder Ernst Trautwein war Hans Wiesner eine absolute Vertrauensperson. Lange nach seiner aktiven Zeit ließ er immer wieder durchblicken, er sei glücklich, dass er in einer Zeit über den Sport berichten konnte, in der es noch „gemütlich“ zuging und der Umgang mit den Sportlern von viel Fairness geprägt war.

Hans Wiesner berichtete vornehmlich über Eishockey und Tennis, auch aus Wimbledon. Er war ein großartiger Kollege und ein Vorbild, er besaß nicht nur im Sport ein umfassendes Wissen. Vom Eishockeyspieler Paul Ambros konnte er problemlos zu Rainer Maria Rilke oder Hans Fallada überleiten. Nicht nur sein Kollege Gregor Dorfmeister, einst Chef des Tölzer Kurier, der unter dem Pseudonym Manfred Gregor den Roman „Die Brücke“ geschrieben hat, wird das bestätigen können.

Auch die Kolleginnen und Kollegen des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS) trauern um Hans Wiesner, der dem Verein 61 Jahre lang angehört hat.

Hans Wiesner ist am 11. September, auf den Tag genau vier Wochen vor seinem 88. Geburtstag, daheim in Gauting bei München gestorben.                        Hans Piontek

Im Gedenken an Helmut Stegmann

Helmut Stegmann, VMS-Vorsitzender von 1971-1989, wäre am 20. Juni 2013 75 Jahre alt geworden. Er ist am 29. März 1997 in seinem Elternhaus in Seeshaupt am Starnberger See gestorben. Ihm zum Gedenken verleiht der Verein Münchner Sportjournalisten (VDS) seit 2001 den Helmut-Stegmann-Nachwuchs-Förderpreis für regionale und lokale Sport-

berichterstattung, 2013 zum 12. Mal.

 

Im Jubiläumshef 60 Jahr VMS steht:

Im Olympiastadion war es oft lausig kalt - nicht nur im Winter. Aber Helmut Stegmann hatte im Herbgst 1996 die Mütze nicht bis über die Ohren heruntergezogen, weil ihn fror, sondern um die große Narbe an der Schläfe zu verdecken. Dort war ihm ein Tumor entfernt worden.

Helmut Stegmann hat den Verein Münchner Sportjournalisten von 1971 bis 1989 geführt. Obwohl in die Chefredaktion der tz aufgestiegen, blieb er dem Sportjournalismus verbun-

den, in dem er sieben Jahre lang beim Münchner Merkur und anschließend bis 1973 bei der tz tätig gewesen war. Beim V'MS kümmerte er sich, als Vorsitzender der Unterstütz-

ungseinrichtung, bis zu seiner Erkankung um die Senioren und den Damenkreis, dem die Witwen der verstorbenen Kollegen anhören.

1961 war Stegmann Mitglied er ersten Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule (DJS). Dort gab er später 25 Jahre lang seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. In seinem Testament bedachte Helmut Stegmann die DJS und den VMS. Seine Familie stiftete einen Preis, der VMS ebenfalls.

Nicht nur von Statur (2,01 m) besaß Helmut Stegmann Größe. Er liebte die Menschen und seinen Beruf, war lebensfroh, kultiviert, bedingslos verlässlich, fair und herzlich.

Weiter...

Wolfgang Deuter, ein angesehener Fotograf Wolfgang, wurde nur 64 Jahre alt. Der gebürtige Berliner erlag einem Herzinfarkt. Deuter war erst am 1. Oktober 2012 von den westdeutschen Kollegen zum VMS gewechselt. Der Verstorbene arbeitete in München bei BILD, danach bei BILD Düsseldorf und BILD Frankfurt. Zudem war er als Foto-Redakteur bei der Welt beschäftigt. Seit drei Jahren lebte Deuter als freier Fotograf wieder in München und war zuletzt immer wieder gern gesehener und regelmäßiger Gast beim monatlichen BILD-Stammtisch.

Harry Valérien "auf der großen Reise"

Foto: Sampics/Stefan Matzke

(25. Oktober 2012) - „Der Tod ist eine optische Täuschung“ Das Zitat von Albert Einstein steht über der Todesanzeige für Harry Valérien. Es ist deshalb, als sei er noch präsent in der Basilika; er lächelt vom Foto, als grüße er die Trauergemeinde. Die evangelische Trauerfeier in der Basilika des Klosters Benedikbeuern hält Pfarrer Stefan Donderer; be-

dankt sich für die Gastfeundschaft. Gelebte Ökumene, dem Harry hätte das gefallen.

Tanja, die Tochter spricht davon, wie ihr Vater, der große Moderator, Rat und Halt bei der Familie suchte. „An jedem Samstag, an dem er am Abend das Sportstudio moderieren sollte, hat er sich am Vormittag in unserem Haus in sein Zimmer zurückgezogen und wir mussten alle zuhause bleiben. Das hat er einfach gebraucht. Zum Mittagessen kam er runter und hat gefragt, ,was wollt ihr von den Studiogästen wissen'?“

Fritz von Thurn und Taxis, Kommentator bei Sky, journalistischer Weggefährte und Freund, über Harry Valérien: „Er war neugierig, er wollte alles wissen.“ Am Ende aber war er müde. „Bei meinem letzten Besuch hatte ich das Gefühl: er ist zu allem bereit.“

Der Schweizer Filmproduzent und dreimalige Oskar-Preisträger Arthur Cohn, einst Valéri-

ens Gast im ZDF-Studio, sagte: „Er blieb sich selbst immer treu.“ Ski-Olympiasieger Mar-

kus Wasmeier, in braunen Loden gekleidet, berichtete über die letzten Stunden mit Harry: „Wir haben einen schönen Abend gehabt, er ist lachend ins Auto gestiegen und hat seine große Reise angetreten.“

Der Liedermacher und Kabarettist Willy Astor spielt auf der Gitarre. Unter den Klängen ei

nes Saxofons wird der Sarg aus der Basilika getragen. Randi, die Witwe, folgt ihm in Rosa und Weiß.

Unter den Trauergästen: Verleger Hubert Burda, Focus-Herausgeber Helmut Markwort,

Präsident Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner vom FC Bayern, die Olympiasieger Markus Wasmeier, Armin Hary, Klaus Wolfermann, Karl Schranz und Rosi Mittermeier; Christian Neureuther, Willy Bogner, Christa Kinshofer-Rembeck; die Journalisten Dieter Kürten, Klaus Angermann, Gerd Rubenbauer, Hermann Mager. Vom Verein Münchner Sportjournalisten: Die Vorstandsmitglieder Hans Eiberle, Thomas und Joachim Walz sowie Franz Muxeneder, Herbert Jung, Wolfgang Weingärtner und Klaus Hoeltzenbein (SZ-Sportchef).                                                              

Den Sportjournalismus im Fernsehen geprägt

Harry Valérien war Gründungsmitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS). Über Jahrzehnte hat er den Sportjournalismus im deutschen Fernsehen geprägt. Angefangen hat der Sohn eines Münchner Pressefotografen, nach Absolvierung einer Münchner Journalistenschule, 1946 beim Münchner Merkur. Er wechselte zum Bayeri-

schen Rundfunk und 1962 zum Zweiten Deutschen Fernsehen. Dort moderierte er nicht nur das Sportstudio, sondern auch die ZDF-Talkshow Live mit Amelie Fried, das Ver-

kehrsmagazin Telemotor und war Interviewer der Sonntagsgespräche.

ZDF-Sportchef wollte Harry Valérien nicht sein; 1983 lehnte er ein Angebot ab, wollte Reporter bleiben statt Verwaltungsmensch zu sein. Als Reporter berichtete Valérien von 1952 bis 1996 von Olympischen Sommer- und Winterspielen (ausgenommen 1956). Nach seinem Abschied vom ZDF war war er für Sat 1 tätig und kommentierte, zusammen mit Franz Beckenbauer, für Premiere Golfturniere aus aller Welt.

Seine Spezialgebiete waren der alpine Skisport und Schwimmen; er war einst Wasser-

baller und schwamm regelmäßig bis zu seinem 85. Lebensjahr.

Zahlreich sind die Auszeichnungen, die Harry Valérien erhielt: 2002 den Bayerischen Sportpreis in der Kategorie „herausragende Präsentation“, Goldene Kamera (1965, 1976, 1988), Goldener Bambi (1972, 1979, 1990), Goldener Gong (1981), Telestar (1988), Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten (2004), Herbert-Award 2009.

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Heinrich Lemer 65        Journalist statt Arzt - Hallbergmoos statt Berlin

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Werner-Johannes Müller 65   Der Mann, der den kicker-Stammtisch erfand

Robert Lübenoff 60               Power-Krebs

Corinna Halke-Teichmann    Vom Eis vor die Kamera

Oskar Brunnthaler 70          Ewig jung

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